Offenbacher als Vorbilder

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Einer der „Väter“ des Offenbacher Erfolgsmodells: Professor Dr. Andreas Zielke, Chefarzt am Klinikum.

Offenbach - Die Kampagne „1000 mutige Männer für Offenbach“, will auf Darmkrebsprävention hinweisen. Gestern fand die  Abschlussveranstaltung der Aktion statt. Professor Dr. Andreas Zielke, der „Motor“ der Kampagne, zieht vorab Bilanz. Von Peter Schulte-Holtey

Vielen Menschen fehlt der entscheidende Anstoß, tatsächlich von den Angeboten zur Darmkrebsprävention Gebrauch zu machen. Mit der Kampagne „1000 mutige Männer für Offenbach“, die auch von unserer Mediengruppe engagiert unterstützt wird, soll in der Region gegengesteuert werden. Nach fast genau zwölf Monaten wurde gestern bei einer Abschlussveranstaltung im Rathaus Offenbach Bilanz gezogen. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei Professor Dr. Andreas Zielke nach; er ist „Motor“ der Kampagne:

Was hat Sie beim Blick auf die Krebspräventionskampagne in Offenbach besonders überrascht?

Dass die Aktion so gut angenommen wird, hatten wir aufgrund der Erfahrungen in anderen Städten nicht erwartet. Ganz offensichtlich sind die Menschen in und um Offenbach sehr aufgeschlossen für ihre persönliche Gesundheit. Klar ist aber auch, dass die Aktion in Offenbach von vielen Seiten und von vielen Menschen hervorragend unterstützt wurde. Dass es dann auch ein Erfolg wurde, ist vor allem das Verdienst der Offenbacher Hausärztinnen und Hausärzte und der Darmspezialisten, die mit ihrer tagtäglichen Aufklärungs- und Motivationsarbeit den Erfolg dieser Aktion bewirkt haben.

Tatsächlich hat ja auch die Veranstaltung „Rudern gegen Krebs“ vor einigen Wochen in Offenbach gezeigt, wie viele Bürger sich für Krebsprävention engagieren.

Genau! Die Erfolgsgeschichte der Kampagne ist auch damit zu erklären, dass in Offenbach die Themen „Gesundsein“ und „Aktivsein“ traditionell sehr groß geschrieben werden. Offenbach ist auch eine sehr vielgestaltige Vereinsstadt, eine selbstbewusste Sportstadt und ein gewichtiger Gesundheitsstandort. Diese Kombination und das Potenzial, welches sich daraus für die Aktion ergeben hat, haben wir vorher so nicht eingeschätzt. Wir freuen uns natürlich ganz besonders, dass für den einen oder anderen sich mit der Teilnahme an der Aktion auch sein persönlicher Lebensweg verändert haben dürfe.

Wie kann der Schwung der Kampagne erhalten bleiben?

Wir sind ja noch mittendrin. Die Kampagne endet erst am 24. März und derzeit sind weiterhin Aktionen der betrieblichen Darmkrebsvorsorge auf dem Wege. Aktuell informieren wir noch einmal gezielt Mitarbeiter der Stadt und ihrer Eigenbetriebe und auch des Klinikums. Ich bin sicher, dass der Schwung bleiben wird - in der Stadt, in der Region und über die Region hinaus. Und dafür will ich drei Dinge beispielhaft aufzeigen: die Aktivitäten rund um die hessiche Präventionskampagne „Du bist kostbar“, die Fortführung der Aktionen „1000 mutige Männer“ in Hessen und die Aktivitäten zur Prävention auf der Bundesebene. Sozialminister Stefan Grüttner hat angesichts der fast 250 000 Menschen, die jedes Jahr in Hessen an Krebs erkranken, die Prävention ins Zentrum seiner Aktivitäten gestellt. Dies bedeutet: über mehrere Jahre angelegte Aktionen zur Vorsorge bei Darmkrebs, Hautkrebs und Brustkrebs. Und 2014 werden Aktionen zur Vorsorge bei Prostata- und Lungenkrebs folgen. Das ist ein großer Unterstützerkreis, mit dem Aktionen in der Stadt und der Region weiter stattfinden können. Nicht weniger als sieben Städte und Kreise in Hessen haben sich bereits beworben, die Aktion „1000 mutige Männer“ bei sich durchzuführen.

Auch auf der Bundesebene hat sich viel getan ...

Ja! Erst vor wenigen Wochen hat das Bundesministerium für Gesundheit die Eckpunkte für eine neue Präventionsstrategie veröffentlicht. Ziel dabei ist es, die Prävention zu stärken und gesundheitsförderliches Verhalten zu unterstützen. So soll etwa der Etat der Krankenkassen für Vorbeugung und Vorsorge verdoppelt werden. Zugleich wurden vor wenigen Tagen im Bundesrat Gesetze zur Verbesserung der Früherkennung verabschiedet. In Zukunft sollen alle Bundesbürger regelmäßig per Brief auch zu Untersuchungen zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden. Der Gang zur Vorsorge bleibt jedoch freiwillig. Gleichzeitig sollen Qualität und Erfolg dieser Krebsvorsorge-Untersuchungen geprüft werden. Mit diesen Vorhaben wird sich Deutschland in Sachen Vorsorge zu einem der modernsten Länder Europas entwickeln.

Wo gibt es in der Region Verbesserungbedarf bei der Zusammenarbeit der Ärzte und Kliniken in Sachen Krebsprävention?

Wir haben erlebt, dass ein Mehrwert für die Gesundheitsführsorge in der Stadt entsteht, wenn Aktivitäten der Ärzte in den Kliniken und den Praxen besser kommuniziert und koordiniert werden. Es wird mir ein persönliches Anliegen sein, diese neue Kooperation auch für andere Themen der Vorsorge zu nutzen. Hier ist unter den Ärzten ein breites Netzwerk entstanden, das nicht ungenutzt bleiben soll. Bedeutsam ist aber auch, dass bisher nebeneinander laufende Aktivitäten in diesem Projekt zusammen gekommen sind, dies schließt auch auf den ersten Blick nicht so naheliegende Kooperationen ein, wie beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Integrationsstellen der Stadt, dem Ausländerbeirat oder auch dem Sportamt der Stadt Offenbach.

Informationskampagne zum Thema Darmkrebs

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