Was in der Pandemie gefragt ist

Offenbacher Weltladen: Nachfrage nach Kaffee ist gestiegen

Gerhard Suchan im Weltladen mit fair gehandeltem „Offenbacher Kaffee“.
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Gerhard Suchan im Weltladen mit fair gehandeltem „Offenbacher Kaffee“.

Kaffee, Schokolade, Tee: Was schon vor 30 Jahren in den damaligen „Dritte-Welt-Läden“ gut lief, ist heute noch gefragt – erst recht während der Corona-Pandemie. Längst heißen die Geschäfte Weltläden und bieten ein breites Sortiment aus unterschiedlichen Ländern, aber immer noch mit dem Schwerpunkt auf einer fairen Bezahlung der Menschen in den Erzeugerländern.

Offenbach - In Offenbach ist seit gut 20 Jahren der kleine Laden an der Gustav-Adolf-Gemeinde Anlaufstelle für alle, die fair gehandelte Produkte suchen. Ulla und Gerhard Suchan bieten auf kleinstem Raum ihre Waren an – und mussten wie viele andere Geschäfte in den Lockdown gehen. Da sie auch Lebensmittel anbieten, bleibt ihr Weltladen für Bestellungen und Abholungen geöffnet. Mittlerweile ist der Lebensmitteleinkauf auch wieder vor Ort möglich. Hinein darf allerdings nur eine Person und das Tragen von Masken ist freilich Pflicht. Ansonsten wird vor allem Kaffee oder Schokolade bestellt.

„Im Non-Food-Bereich haben wir im vergangenen Jahr schon einen deutlichen Rückgang bei der Nachfrage bemerkt“, berichtet Gerhard Suchan. Andere Produkte sind während der Krise jedoch gefragt: „Die Nachfrage nach Kaffee ist deutlich gestiegen“, sagt Ulla Suchan. Auch bei Honig oder Schokolade verzeichnen das Ehepaar ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr. „Genascht wird halt immer, vielleicht sogar mehr während der Pandemie“, sagt Ulla Suchan und lacht. „Wir dürfen nicht klagen, das vergangene Jahr war im Schnitt wie 2019: Wir haben keine Verluste gemacht“, erzählt ihr Mann. Dennoch habe die Corona-Pandemie extreme Auswirkungen für die Geschäftspartner der Weltläden. „Die Genossenschaften in Afrika und Indien bekommen ihre Ware kaum noch los, das verursacht extreme Probleme dort.“

Dass der Dachverband der Weltläden beschlossen hatte, die von der Bundesregierung beschlossene Mehrwertsteuersenkung nicht an die Kunden weiterzugeben, sondern den Differenzbetrag an die Erzeuger zu zahlen, sei da nur ein schwacher Trost. „Wenn die Pandemie noch ein Jahr so weiter geht, weiß ich nicht, wie einige Genossenschaften das schaffen sollen“, sagt Suchan.

Für die kommenden Monate möchten die Suchans ihren Weltladen stärker bewerben. „Uns ist aufgefallen, dass wir zwar sehr viele Kunden aus Rumpenheim oder Bürgel haben, aber nicht so viele aus der Innenstadt“, sagt er, „selbst aus dem Landkreis oder aus Frankfurt kommen da mehr Kunden zu uns.“ Außerdem hoffen sie, recht bald wieder zu normalen Öffnungszeiten zurückkehren zu können.

Erfreut zeigen sich beide aber über größere Aufträge, die seit dem vergangenen Jahr bei ihnen eingegangen sind. So bezieht das Umweltamt etwa seinen Kaffee aus dem Weltladen, um fair gehandelte Getränke anbieten zu können. Trotz Pandemie haben die Suchans zudem ihr Engagement ausgeweitet, gemeinsam mit einem Mühlheimer Verein unterstützen sie etwa ein Projekt in Burkina Faso.

Dass das Geld auch bei den Erzeugern in den jeweiligen Ländern ankommt, darauf legen die Suchans großen Wert. Als die Reisen noch problemlos möglich waren, vor der Corona-Pandemie, haben beide immer wieder die entsprechenden Geschäftspartner, Genossenschaften und Projekte besucht, um sich dort vor Ort davon zu überzeugen.

Der Weltladen in der Langstraße 52 ist freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Bestellungen werden unter Telefon 0175 7167375 oder per E-Mail unter info@weltladen-offenbach.de entgegengenommen.

Von Frank Sommer

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