Zwei Abende voller Sehnsucht

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Das abwechslungsreiche Programm kommt bei den Fans an.

Offenbach - Klaus Kohlweyer hat am Freitagabend nur eine Frage: „Warum verzögert sich das alles?“ Schließlich sollte laut Plan die Band „Face to Face“ längst auf der Bühne stehen. Von Stefan Mangold

Günter Doll weiß es, kann aber auch nicht helfen: Der Soundtest von Purple Schulz hat mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant. Letztendlich bringt das keinen der beiden Organisatoren der 17. Offenbacher Woche aus der Ruhe. Sie sind ein eingespieltes Team: Günter Doll sucht die Bands aus, Klaus Kohlweyer koordiniert im Auftrag des Gewerbevereins Treffpunkt Technik und Stände.

Als Mike Davies, Keyboarder und Kopf der Coverband Face to Face, die ritualisierte Frage „Geht es euch gut?“ zwischen zwei Liedern ans Publikum stellt, antwortet auch die tanzende Laura, eine 32-jährige Spanischlehrerin aus Stuttgart mit „Jaaaaa.“ Sie besucht an diesem Wochenende ihre Schwester, ist zum ersten Mal in der Stadt und angenehm überrascht, „Offenbach wirkt wesentlich urbaner als Stuttgart“. Den Offenbacher Oberbürgermeister dürfte so eine Aussage freudig stimmen.

Bilder von der Offenbacher Woche 2012

Roxxbusters bei der Offenbacher Woche

Die Mitglieder der Band gehen geregelten Berufen nach. Niemand käme auf die Idee, den Bassisten J.P. Silence in seinem Schottenrock für den Mitarbeiter einer Bausparkasse zu halten. Das Septett spielt zwar ausschließlich „Hits aus den damaligen Top Ten“, erklärt Mike Davies das Konzept, setzt jedoch eigene musikalische Nuancen wie etwa die Einleitung zu Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. Die angedeuteten Akkorde des Songs verdichten sich, bis das eigentliche Lied beginnt.

Den Charme der Gruppe macht das Gemisch aus professionellem Handwerk und bodenständigem Auftreten aus. Von der Seite will der kleine Sohn des Schlagzeugers Ben Cooper wissen: „Papa, wann bist du fertig?“ Der verspricht: „Nur noch ein Lied.“ Derweil gibt Sänger F.A. Skibi auf der Bühne eben noch den Wiener Falco, einen der Vorreiter des deutschsprachigen Rap. Erfrischend nimmt sich auch der Auftritt der Sängerin Mandy aus.

„Da hat es Bumm gemacht“

Bevor Purple Schulz ansetzt, begeben sich ein paar Frauen vor die Bühne. Als Schulz „Das war ‘ne lange Nacht, das Geld versoffen und bankrott, da hat es Bumm gemacht“, intoniert, ist klar, das sind die eingefleischten Fans, die sich in der Gefühlswelt dieser Zeilen wieder finden und jedes Lied auswendig können.

Günter Doll freut sich, dass George McCrae seinem Ruf gefolgt ist.

Am Samstag singt George McCrae, der mit „Rock Your Baby“ in den Siebzigern einen der Hits landete, die heute als musikalisches Synonym für die damaligen Jahre gelten. Den Schlusspunkt der Nacht setzt die stimmgewaltige Teresa Kästel. Zur Ouvertüre spielte eine Band mit dem Namen RoxxBusters, allesamt viel gebuchte Spitzenleute ihres Fachs. In den 60er Jahren versuchten manche, den Gitarrensound von Jimi Hendrix zu imitieren – es klingt ähnlich, aber doch irgendwie anders. Ähnlich unmöglich dürfte es sein, den Gitarrenklang von Frank Rohles wiederzugeben. Natürlich ist das Mitglied von RoxxBusters äußerst virtuos, wie er nicht nur bei seinem Solo im Beatles-Klassiker „While My Guitar Gently Weeps“ beweist.

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Wie der Musiker seiner elegischen Passage bei „Shine On You Crazy Diamond“ von Pink Floyd folgt, wirkt wie ein Tanz ohne Tänzer. Was in dem Moment durch den Offenbacher Stadthof schwebt, scheint sich vom Spieler zu lösen.

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