Karat veredeln den Abend

Heißer Draht ins Stadion Pflicht bei Offenbacher Woche

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Zwischen fünf- und sechstausend Zuschauer bevölkerten am Samstagabend den neu gestalteten Stadthof, um Karat zu erleben.

Offenbach - Schauen, Shoppen, Schwofen – die 20. Auflage der Offenbacher Woche hatte erneut viel zu bieten. Von Harald H. Richter 

Auf der Achse zwischen Rathaus und KOMM sowie in der Fußgängerzone genossen tausende Besucher an vier Tagen Freiluft-Konzerte von den Soulful Dynamics bis Mallet, kulinarische Köstlichkeiten und attraktive Angebote des Handels, eine Autoschau eingeschlossen. Ans 20-jährige Bestehen der S-Bahn-Magistrale durch die Lederstadt erinnert eine Fotoausstellung. Gut besucht ist eine Diskussion zur Stadtentwicklung, unter anderem mit Anita Ebeling, Ex-Geschäftsführerin des Modehauses M. Schneider, und Oberbürgermeister Horst Schneider. Er warnt Verkehrsplaner davor, beim weiteren Erschließen der Region auf die Nordtangente zu setzen, und befürchtet nicht nur für Offenbach strukturelle Nachteile. Ebeling beklagt die fortschreitende Verdrängung inhabergeführter Läden durch Filialisten.

Vor der Bühne auf dem Stadthof drängt sich an allen Abenden Publikum. Organisator Günter Doll schätzt am Samstag mehr als 4000 Musikfans, die sich trotz zeitgleicher TV-Übertragung des DFB-Pokalfinales zwischen Dortmund und Wolfsburg das von der Mediengruppe Offenbach-Post präsentierte Konzert der Ostrock-Legende Karat um Frontmann Claudius Dreilich nicht entgehen lassen. Als „Ich liebe jede Stunde“, „Blumen aus Eis“ und das Lied vom „Schwanenkönig“ erklingen, schwelgen nicht nur Ostalgiker in Erinnerungen. Zu 40 Jahren Band-Geschichte gehört ihr größter Hit „Über sieben Brücken musst du gehn“, ohne den die Berliner nicht von der Bühne gelassen werden. „Karat veredeln den Abend“, schwärmt ein Besucher und spricht für viele.

Startschuss für die Aktion Stadtradeln am Infostand des Umweltamts: Etwa 300 Teilnehmer beteiligen sich am kollektiven CO2-Sparen.

Ein wenig abseits des Festtrubels bietet der ADFC vor dem Polizeiladen die Möglichkeit zum Codieren von Fahrrädern. Am Eingang der Stadtkirche werden Flohmarktartikel feilgeboten. „Der Erlös ist für unser Café Rapunzel bestimmt“, sagt Dekanin Eva Reiß. Unweit davon lässt das Salonorchester mit Sänger Dirk Eisermann Melodien aus dem Wienerwald erklingen und entführt das Publikum musikalisch zum Heurigen nach Grinzing. Die Lieder wecken bei manchem Besucher das Bedürfnis nach Rebensaft. Solches Begehren wird aber nicht befriedigt. Zwar werden auf der Verköstigungsmeile Cocktails, Longdrinks, Hopfenkaltschale und OKV-Erdbeerbowle angeboten, doch einen Weinstand sucht man vergebens. Im zehnten Jahr des Bestehens wirbt der Verein „Musik im Park“ mit einem Gewinnspiel für seine Picknick- und Flanierkonzerte im Sommer, vor allem das am 19. Juli im Schlosspark Rumpenheim. Klangvolle Akzente setzt auch das Hoffest des Musikhauses André. Unter anderem präsentieren Moritz André und Mathieu Bech mit Freunden Songs zu Gitarre, Saxofon und Cajon. Gegen Abend gestalten die „Return-to-music-Bands 2015“ ein unterhaltsames Programm. Salonorchester sowie Jazzband treffen auf applausfreudige Zuhörer.

Beifall wird auch den sechs Models und fünf Dressmen zuteil, die vor dem Modehaus M. Schneider bei drei Schauen über den Laufsteg gehen. Beteiligt sind zudem Jack Wolfskin mit Outdoor-Fashion, Koffer Roth mit Reise-Accessoires und Galeria Kaufhof mit junger Mode. Das Warenhaus hat weitere Aktionen für Kunden vorbereitet. Während sich die erwachsene Klientel beim Sektausschank eine Pause vom Einkauf gönnt, gibt‘s für Leckermäuler bei einer Süßwarenverkostung schokoladige Gaumenfreuden. Die Kleinsten sind begeistert vom Anflug der Biene Maja und posieren mit ihr für ein Foto. Mancher, der mit der Familie zum Sonntagseinkauf in die City gekommen ist, wirkt bisweilen unaufmerksam und nur mäßig am Unterhaltungsprogramm interessiert. Kontrollblicke auf Smartphone-App und Live-Ticker lassen erahnen, dass dem Spielstand im Stadion mehr Bedeutung beigemessen wird als Schaufensterauslagen und Markenrabatten.

Offenbacher Woche 2015: Fotos

Während „uffm Bersch“ die Kickers im Spiel gegen Magdeburg dem runden Leder nachjagen, fällt auf der Frankfurter Straße der Startschuss fürs Stadtradeln als Teil der bundesweiten Aktion des Klimabündnisses. „Wer bis 20. Juni das Auto stehen lässt und im Interesse der Gesundheit und der Umwelt aufs Fahrrad umsteigt, ist auf jeden Fall auf der Siegerstraße“, verspricht Heike Hollerbach vom städtischen Umweltamt. Als Belohnung fürs Mitmachen sind OFC-Trikots sowie Eintrittskarten für Heimspiele und weitere Preise ausgelobt. Kein Wunder also, dass sich zum Start der dreiwöchigen Kampagne 306 Teilnehmer, unter anderem in 44 Teams, angemeldet haben. Eine erste Tour, die CO2 einsparen helfen soll, wird am Nachmittag gestartet. Am Info-Zelt werben indes Klimapaten für das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel, unter ihnen Studentin Lucia Gerharz. Sie verteilt Kostproben ihrer vegetarischen Brotaufstriche und die dazu gehörigen Rezeptblätter. „Ausschließlich mit Zutaten aus der Region zubereitet“, schwört sie auf die Qualität heimischer Bioprodukte. Offenbach genießt. Und feiert. Wenn auch nicht den erhofften Aufstieg.

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