Offenbacher solidarisch mit Seenotrettung

Kundgebung vor Rathaus: „Wir hätten sie retten können“

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Mit Rettungswesten wurde die Solidarität mit den Seenotrettern ausgedrückt.

Offenbach - „Die Europäische Union muss sich seiner aktuellen und historischen Verantwortung stellen!“ Diese und viele weitere Forderungen erklingen vor dem Rathaus in Offenbach. Von Annalena Barnickel

Eine Kundgebung unter dem Motto „Seebrücke statt Seehofer – Asylrecht ist nicht verhandelbar“ der Naturfreunde Offenbach lockte viele Interessierte zum Willy-Brandt-Platz.
Schon in mehreren deutschen Städten demonstrierten tausende Menschen für die private Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. Die Protestzüge und Kundgebungen der internationalen Bewegung „Seebrücke“ sind Antworten auf die Maßnahmen der Europäischen Union gegen zivile Seenotretter. Im Mittelpunkt stand dabei in den letzten Wochen die Geschichte der „Lifeline“, die sechs Tage lang keinen Hafen ansteuern konnte – an Bord über 200 Gerettete. Der Kapitän des Dresdner Schiffes, Claus-Peter Reisch, muss sich nun wegen der Rettung vor Gericht verantworten.

„Wir fordern legale und sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa sowie die Zulassung von ziviler Seenotrettung!“, fasst der Veranstalter der Kundgebung in Offenbach, Kai Kotzian, zusammen. „Es kann nicht sein, dass die Politik die Ängste der Bevölkerung ausnutzt und dabei die Werte der EU missachtet!“

Als Solidarität und auch als Mahnmal hängen an einer Leine mehrere orangefarbene Rettungswesten, die an Bilder aus dem Fernsehen erinnern. Viele Helfer der Veranstaltungen tragen welche, sie sehen es als ihre Pflicht an, hier zu sein. „Diese Aktion ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, dass diese Ungerechtigkeit aufhört. Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen“, mahnt die 23-jährige Julia Endres. Sie hält wie viele andere heute auch eine Rede während der Kundgebung, in der sie einen Brief der Besatzung der „Lifeline“ vorliest. Viel Applaus folgt ihren Worten, zustimmende Rufe aus der anwesenden Menschmasse, die eine Menge an selbstgestalteten Schildern hochhält. „Unglaublich, dass ich für Seenotrettung demonstrieren muss!“, steht auf einem, einige fordern den Rücktritt von Horst Seehofer. Der Innenminister war in den letzten Wochen ebenfalls in die Kritik von „Seebrücken“ geraten.

Massenprotest gegen Waffengewalt bewegt USA

Es folgen unter anderem auch die Vorstände von den Jusos Offenbach und den Grünen, die sich zu Wort melden. Die Rede, die am meisten bewegt, hebt sich der Veranstalter allerdings bis zum Schluss auf. Medizinstudentin Maike J. tritt vor das Mikrofon und erzählt die Geschichte der „Seefuchs“, ein Rettungsboot der zivilen Rettungsorganisation „Sea-Eye“: Die 24-jährige war selbst an Bord und hat miterlebt, wie sie das Verbot bekamen, in bestimmte Gebiete des Meeres zu fahren, in denen Flüchtlinge auf ihre Hilfe angewiesen waren. „Wir hätten sie retten können“, sagt sie leise. „Aber wir durften Häfen nicht mehr ansteuern, wir haben die Flagge, unter der wir fuhren, abgenommen bekommen.“ Doch sie ist nicht nur hier, um das zu erzählen, sie bittet auch darum, aktiv zu helfen: mit Spenden und klarer Positionierung.

Die Anwesenden sind sich einig. „Wir sind für eine zivile Seenotrettung!“, stellen Marie Peters und Mira Scheu klar, während sie sich ausgelegte Prospekte näher ansehen, „die Menschen müssen Schutz finden dürfen!“

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