Viel Zeit zum Lernen

Offenbach: Friseure öffnen wieder – Ausbildung erfolgt im Lockdown an Modellen

Am 1. März 2021 öffnen in Deutschland die Friseur-Salons wieder - auch in Offenbach (Symbolbild).
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Am 1. März 2021 öffnen in Deutschland wieder die Friseur-Salons - auch in Offenbach.(Symbolbild)

Das letzte Jahr ihrer Ausbildung zur Friseurin war für Concetta Manzo aus Offenbach bestimmt von Corona, geschlossenen Salons und wenig Kundenkontakt. Am 1. März öffnen die Salons wieder.

Offenbach – Concetta Manzo hat aufregende Wochen hinter sich. Ende Januar stand zum Abschluss ihrer Ausbildung zur Friseurin die finale Prüfung bei der Handwerkskammer an. Die konnte die 20-Jährige vorziehen, nach zweieinhalb Jahren ist ihre Lehre in den beiden Offenbacher Salons von Inhaber Carlos Weiss nun so gut wie zu Ende, nur die Noten fehlen ihr noch. „Aber ich weiß schon, dass ich bestanden habe“, sagt sie. Eine Erleichterung. Denn obwohl sie sich gut vorbereitet, viel gelernt und geübt habe, sei in den vergangenen Monaten die Arbeit am Kunden zwangsläufig etwas zu kurz gekommen, erzählt die Offenbacherin. Fast ihr komplettes letztes Ausbildungsjahr war bestimmt vom Coronavirus, von geschlossenen Salons, Distanzunterricht an der Berufsschule und strengen Sicherheitsmaßnahmen.

Die Friseur-Branche ist eine derjenigen, die in der Krise besonders leiden. Günther Rösler weiß das nur zu gut. Er arbeitet ebenfalls in den Carlos-Weiss-Salons an der Bieberer und der Berliner Straße, ist dort mitverantwortlich für die Ausbildung, gleichzeitig fungiert er als Obermeister der Friseurinnung Stadt und Kreis Offenbach. Die Sorgen seiner Kollegen sind ihm bestens bekannt: geschlossene Läden, keine Einnahmen, laufende Kosten, Verantwortung fürs Personal. „Trotz der versprochenen finanziellen Unterstützung ist das für viele eine schwierige Situation“, berichtet er. Obwohl die Branche erleichtert ist, dass die Salons ab März wieder ihre Arbeit aufnehmen dürfen: Günther Rösler will von wirklicher Freude erst sprechen, wenn alle Gelder geflossen sind, die Betriebe ihre Existenzsorgen los sind.

Offenbach: Friseure machen im Lockdown ihre Ausbildung an Modellen

Umso mehr freut es ihn aber, dass zumindest ein Weg gefunden wurde, die Ausbildung mehr oder weniger ohne Einschränkungen fortführen zu können. „Im Lockdown gibt es eine Sondergenehmigung für die Arbeit mit Modellen“, erzählt der Friseurmeister. Derzeit ist bei ihm im Betrieb neben Concetta Manzo eine weitere junge Frau in Ausbildung. Bei ihr stand kürzlich die Zwischenprüfung an. „Mit beiden haben wir uns intensiv vorbereitet“, sagt Günther Rösler. So viel Zeit wie jetzt habe man sonst im laufenden Betrieb natürlich nicht. „Normalerweise machen wir vor Prüfungen vielleicht einen Übungsabend, dieses Mal eine ganze Woche.“ Für die Auszubildenden sei das also eher von Vorteil gewesen.

Trotz der für ihre Zunft ungewissen Zeit blickt Friseurin Concetta Manzo zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft.

Und auch sonst hatte Concetta Manzo viel Zeit für die Prüfungsvorbereitung. „Man konnte sonst ja nichts machen“, erzählt sie. Zuhause verbrachte sie die Zeit mit lernen für die Theorie, im Salon ging es mit den Ausbildern um die Praxis. „Unsere Vorgesetzten haben sich super um uns gekümmert“, sagt die 20-Jährige. Immer wieder wurde sie angerufen, gefragt, ob sie sich gut vorbereitet fühle, ob sie Unterstützung brauche. „Und unser Chef hat immer dafür gesorgt, dass wir Modelle haben.“ Auch an der Käthe-Kollwitz-Schule hätten sich die Lehrer große Mühe gegeben, egal ob der Unterricht gerade vor Ort oder via Internet stattgefunden habe.

Friseure in Offenbach: Ab dem 1. März öffnen die Salons wieder

Rückblickend meint die Offenbacherin, dass alles schon ganz gut war, wie es gelaufen ist. Auch wenn sie zwischenzeitlich immer wieder Angst hatte vor der Prüfung, weil sie so lange nicht im Salon arbeiten konnte. „Aber man fühlt sich wohl nie perfekt vorbereitet.“ Trotzdem findet sie es natürlich schade, dass die Salons so lange geschlossen waren, und freut sich jetzt darauf, wieder loslegen zu dürfen mit Schneiden und Färben.

Das wird sie auch weiterhin im Carlos-Weiss-Salon an der Bieberer Straße tun. Sie hat Glück und wird übernommen. „Wenn man fertig ist mit der Ausbildung, will man natürlich so richtig durchstarten“, sagt die 20-Jährige. Ab dem 1. März 2021 kann sie das endlich tun. Wenn auch vorerst weiterhin mit Maske und strengen Sicherheitsregeln. (Lena Jochum)

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