Joghurt um 56 Prozent teurer

Preisschock beim Viererpack

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Viktoria Schulz mit dem Produkt des Anstoßes.

Offenbach - Schnell mal nach Feierabend noch das Nötigste eingekauft: Wer achtet da schon auf jeden Cent-Betrag, kontrolliert den Kassenzettel bis zur letzten Stelle hinter dem Komma, schaut nach der Packungsgröße? Viktoria Schulze hat sich die Mühe gemacht. Von Matthias Dahmer

Und sie wird künftig wohl nach jedem Einkauf so verfahren.

Sensibilisiert hat die Offenbacherin eine Preispolitik im Lebensmittelgeschäft ihres Vertrauens, die sie gelinde gesagt staunen lässt. Vom einen auf den anderen Tag stieg dort der Preis für den geliebten und nahezu täglich verzehrten Viererpack Vanille-Joghurt von 79 auf 95 Cent, was einer Steigerung von 20 Prozent entspricht. Gleichzeitig wurde der Inhalt von 600 auf 460 Gramm reduziert. Macht unterm Strich eine Preiserhöhung von 56 Prozent, hat Viktoria Schulze ausgerechnet.

„Standardantwort als Reaktion“

Das hat sie so geärgert, dass sie an die Zentrale des Discounters einen höflichen Brief geschrieben hat, in dem sie den Vorgang schilderte. Nach knapp drei Wochen kam eine Reaktion – eine „Standardantwort“, wie die Offenbacher Kundin findet. „Der Preis für Joghurt wird durch die Marktgegebenheiten reguliert. Verschiedene Einflussfaktoren wie Angebot und hohe Nachfrage können entscheidende Auswirkungen auf unseren Abgabepreis haben“, heißt es in dem Schreiben.

Andrea Schauff kann den Ärger der Kundin verstehen; neu ist er für sie indes nicht. Zu den normalen Preissteigerungen infolge von Marktschwankungen, so die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen, registriere man immer öfter die sogenannten versteckten Preiserhöhungen. Das am häufigsten angewandte Prinzip: In identischer Verpackung ist bei gleichem Preis, (der Kunde hat sich schließlich an ihn gewöhnt) weniger drin. Als Beispiel nennt die Verbraucherschützerin etwa die Keksrolle in die zwei Kekse weniger gepackt werden, oder eben den Joghurt, der nicht mehr in der 500-, sondern in der 400-Gramm-Packung angeboten wird.

Verbraucherschützer sehen sich bestätigt

Solchen Tricks Tür und Tor geöffnet, so Schauff, habe eine im April 2009 in nationales Recht umgesetzte EU-Richtlinie: Mit diesem Datum sind fast alle verbindlichen Mengenvorgaben für Lebensmittel entfallen. Bis dahin konnten bestimmte Erzeugnisse in Fertigpackungen nur in den für sie festgelegten Füllmengen verkauft werden. Die festen Größeneinheiten für Milch, Wasser, Limonade, Fruchtsäfte, Zucker und Schokolade etwa sind wegen des EU-Gesetzes weggefallen. Nur bei Wein, Sekt und Spirituosen blieben sie erhalten.

Ein sogar von den Eichämtern toleriertes Schummeln sind Füllmengen-Abweichungen. Dabei darf ein Teil der Charge Unterfüllung haben, wenn das durch Überfüllung in einem anderen Teil ausgeglichen wird. Bei Speiseölen sei das manchmal der Fall, sagt Schauff. Der Verbraucher wisse indes nicht, ob er die unter- oder die überfüllte Flasche gekauft habe.

In solchen Fällen hilft auch nicht, was die Verbraucherzentrale generell als gewissen Schutz vor Mogelpackungen rät: Immer den Grundpreis vergleichen!

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