Friseurbesuch

Corona-Bürokratie: Frau aus Offenbach erfährt erst Tage später von gefährlichem Kontakt

Mit fast zehntägiger Verzögerung wird Offenbacherin Adina P. über ihren Kontakt zu einer infizierten und erkrankten Person informiert (Symbolbild).
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Mit fast zehntägiger Verzögerung wird Offenbacherin Adina P. über ihren Kontakt zu einer infizierten und erkrankten Person informiert. (Symbolbild)

Ein Besuch beim Friseur endet für Adina P. mit einer Quarantäne. Allerdings erst Tage später. Die Langsamkeit der Corona-Mühlen macht sie wütend.

Offenbach - Der deutsche Hang zur Überregulierungen gerät schnell in Verdacht, auch für manches Kriechtempo in Sachen Corona verantwortlich zu sein. So schimpft die Offenbacherin Adina P. auf die hiesige Bürokratie: Der sei es wohl zu verdanken, dass sie erst mit fast zehntägiger Verzögerung über ihren Kontakt zu einer infizierten und erkrankten Person informiert worden sei.

Die Frau hatte am 30. April ihren Friseursalon in Rumpenheim besucht. Am 11. Mai erreichte sie die Mitteilung des Offenbacher Gesundheitsamts, ihre Friseurin, die sie bedient hatte, habe sich mit Covid-19 angesteckt. Dazu die „Absonderungsverfügung“: Frau P. als Kontaktperson habe sich in Quarantäne zu begeben. „Und die ganze Zeit bis dahin bin ich unterwegs gewesen und hätte Leute anstecken können“, ist sie empört über die Langsamkeit der Corona-Mühlen.

Corona in Offenbach: Gesundheitsamt hätte nicht schneller reagieren können

Wir haben die Stadt um Aufklärung des Sachverhalts gebeten. Ergebnis: Das Offenbacher Gesundheitsamt hätte in diesem Fall kaum schneller reagieren können. Leider komme es bei Menschen, die in anderen Kommunen wohnten, immer wieder zu Verzögerungen, die nicht von der Offenbacher Behörde verschuldet seien. Aus der Antwort geht besonders hervor, dass der Friseursalon erst am Donnerstag nach Frau P.s Besuch beim Amt vorstellig wurde – wohl weil sich die Mitarbeiterin erst nach einiger Zeit krank gefühlt und ihre Infektion hatte feststellen lassen. Als Beleg wird das Protokoll des Falls übersandt. (Thomas Kirstein)

  • 6. Mai: Meldung per E-Mail durch den Betreiber des Friseursalons, ohne Nennung des Namens der erkrankten Person. Gesundheitsamts bittet Betreiber um Mitteilung von Name, Wohnanschrift, Telefonnummern sowie um Zusendung einer Kontaktpersonen-Liste.
  • 7. Mai: Rückfrage des Betreibers per E-Mail, um welchen Zeitraum es sich bei den Kontakten handelt. Gesundheitsamt erreicht Betreiber telefonisch nicht, teilt per E-Mail mit, um welchen Zeitraum es sich handelt, will wissen, wann die Symptome bei der Mitarbeiterin aufgetreten sind (entscheidend für die Ermittlung der Kontakte).
  • 8. Mai: Gesundheitsamt fragt noch mal bei dem Betreiber nach, da keine Rückmeldung kam. Telefonat mit dem Gesundheitsamt Frankfurt (Erkrankte wohnt dort), um nachzufragen, wann Symptome aufgetreten sind.
  • 9. Mai: Gesundheitsamt erhält um 23.17 Uhr die Kontaktpersonenliste zugesandt.
  • 11. Mai: Kontaktpersonen-Liste steht. Ermittlung von Frau P. durch Sachbearbeiter, anschließend Kontaktaufnahme und Absonderungsverfügung.

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