Zwischen den Kulturen

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Aus Hanane Daoudis erster Kollektion stammt dieser Kaftan. Model Amrita Cheema besteht bereits darauf, demnächst auch die zweite Kollektion zu präsentieren.

Offenbach - Nichts Passendes im Kleiderschrank? Das war für Hanane Daoudi noch nie ein Problem. „Es kam vor, dass ich mir am Abend vor einer Hochzeit noch schnell ein Outfit geschneidert habe“, sagt die 27 Jahre alte Offenbacherin. Von Cora Werwitzke

Lange beschäftigte sie sich nur nebenbei mit orientalischer Mode. Seit eineinhalb Jahren geht sie ambitionierter zu Werk – entwirft Kollektionen, organisiert Shootings, reist zu Modenschauen.

„Schon von klein auf saß ich gerne in meinem Zimmer und habe gezeichnet“, erinnert sich Hanane Daoudi. Dabei vergaß sie die Zeit, tauchte ab. „Das ist bis heute so.“ Schon relativ früh entwickelte die Marokkanerin einen Faible für Kaftane – typisch-arabische Gewänder. „Das ist eine sehr traditionelle Kleidung“, schildert die junge Frau, „aber auch sie geht mit der Mode, jede Generation hat ihre Farben, Schnitte und Stoffe.“ Als Hanane Daoudi Anfang 2011 beschloss, ihr eigenes Modelabel „Marodess - Caftan Haute Couture“ zu gründen, erteilte sie sich dabei selbst einen Auftrag: mit ihrer Mode genau die Mitte zwischen Westen und Orient zu treffen.

Sprung ins kalte Wasser

Den Sprung ins kalte Wasser wagte die Kauffrau für Bürokommunikation nach der ersten Kaftan-Modenschau, die sie live in Belgien verfolgte. „Hinter den Kulissen konnte ich mit den Designern reden und die ermutigten mich, einfach loszulegen.“ Zur selben Zeit am selben Ort sollte die Offenbacherin ein Jahr später erstmals an der Fashionshow „Passion for Caftan“ teilnehmen. Das war Anfang 2012. Und für Hanane Daoudi ein Meilenstein. „Ein Jahr harte Arbeit lag zu diesem Zeitpunkt hinter mir“, erzählt sie. Acht Outfits hatte sie entworfen, Stoffe ausgesucht, Schnitte vorbereitet. Im Norden Marokkos – dort, wo ihre Familie herstammt – stöberte sie nach typischen Elementen wie „Sfifa“ (Bordüren), „Laâqad“ (Knöpfen) und „Lamdama“ (Gürtel). „Als dann bei der Fashionshow die Models mit meinen Outfits liefen, und später der Beifall einsetzte, war das ein berauschendes Gefühl“, bemerkt die 27-Jährige, die an der Käthe-Kollwitz-Schule ihr Abitur machte.

Ermutigt und bestätigt reiste sie zurück nach Offenbach. Und legte von da an richtig los: Es folgte ein eigener Facebook-Auftritt, ein professionelles Mode-Fotoshooting. Und eine Fashionshow in Marokko, wo sie als Kaftandesignerin aus Deutschland neugierige Blicke auf sich zog. „Das war etwas Besonderes – sowohl für die Veranstalter als auch für mich“, schildert Hanane Daoudi. Parallel entwarf sie ihre zweite Kollektion, die nun im Oktober vorgestellt werden soll. „Es wird sehr elegant, sehr feminin zugehen – aber auch ein bisschen wild“, verrät sie.

Schwäche für fließende Stoffe, Seide, Brokat

Die Offenbacherin attestiert sich selbst eine Schwäche für fließende Stoffe, Seide, Brokat – „klar, ausgerechnet immer das Teuerste.“ Sie schmunzelt. „Ich habe definitiv eine kostspielige Leidenschaft.“ Zumal Hanane Daoudi ihre selbst entworfenen Outfits bisweilen nicht verkauft. „Anfragen kamen schon einige, aber es steckt so viel Herzblut darin – da fällt es schwer loszulassen.“

Hanane Daoudi  

Stattdessen hat sie sich zum Ziel gesetzt, ihren Bekanntheitsgrad zu erweitern. Deshalb bewarb sie sich im Frühsommer „einfach mal so“ bei der Dubai Fashion Week und der Africa Fashion Week in New York. „Ich habe die Veranstalter angeschrieben und Fotos der ersten Kollektion mitgeschickt.“ Die Reaktion aus beiden Modemetropolen verblüffte Hanane Daoudi völlig. „Für Dubai kam ich in die engere Auswahl und wurde nur ganz knapp nicht genommen“, schildert sie. „Und New York, die wollten mich.“ Damit hatte die Offenbacherin nun gar nicht gerechnet – und weder Urlaub noch die Teilnahmegebühr waren so kurzfristig aufzutreiben. „Aber das hat mir gezeigt, was möglich ist. Nächstes Jahr bin ich darauf vorbereitet. Dann nehme ich mit, was ich kriegen kann.“

Irgendwann will Hanane Daoudi als Modedesignerin Geld verdienen. Momentan kommt sie noch ganz gut in der elterlichen Wohnung zurecht: „Meine Familie hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass immer mal Stoffe quer durch die Wohnung rollen“, erzählt sie und lacht. „Nur die Kleiderpuppe – wenn ich die mal woanders hinstelle, erschreckt sie meine Eltern bis heute.“ Wer sich für Mode von Designerin Hanane Daoudi interessiert, ist auf www.hananedaoudi.com oder Facebook unter „Marodess - Caftan Haute Couture“ richtig.

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