Betreiberverein berichtet über Herausforderungen

Kaum Platz im Frauenhaus

+
Völlig überfüllt: Janne Reuver zeigt eine Onlinekarte mit den hessischen Frauenhäusern. Fast alle sind belegt, nur noch zwei freie Plätze stehen momentan zur Verfügung.

Wer vor häuslicher Gewalt flieht, kann in einem Frauenhaus Zuflucht finden. Und wie geht es danach weiter? Diese und weitere Fragen beantwortet „Frauen helfen Frauen“ bei einem Tag der offenen Tür.

Offenbach – Der Verein, der das einzige Frauenhaus in Offenbach betreibt, hat in seine Beratungs- und Geschäftsstelle an der Bieberer Straße eingeladen, um Interessierten von seiner Arbeit zu berichten. Zum Beispiel darüber, wie das Frauenhaus eigentlich von innen aussieht. In einem Film führt Angela Sindermann durch das Gebäude, dessen Adresse geheim bleiben muss. Ein anderer Film veranschaulicht die Geschichte autonomer Frauenhäuser in Deutschland.

Aber auch ihr Tagesgeschäft erklären die Mitarbeiterinnen. Was passiert also, wenn eine Frau ins Frauenhaus kommt? Zunächst brauchen Betroffene Zeit für die emotionale Stabilisierung. Um mit der Verarbeitung des Erlebten nicht allein zu sein, bekommt jede Frau eine Ansprechpartnerin für sich und eine Zweite für die Belange der Kinder zur Seite gestellt. „Nach dieser ersten Phase, die ja unterschiedlich lang ist, geht es um das Ankommen in Offenbach“, so Gloria Schmid.

Dann stünden organisatorische Dinge wie Arztbesuche, Gänge zu Ämtern oder Schulsuche an. „Wenn das alles geschafft ist, hängt es oft an der Wohnungssuche“, erklärt Mitarbeiterin Bianca Costa. Es sei extrem schwierig, Wohnraum für die Betroffenen zu finden. Und wenn die Frauen nicht ausziehen können, kann niemand nachrücken. „Das ist wie eine Bremse“, ergänzt Schmid, „unser Auftrag ist erledigt, aber es geht nicht weiter. Zugleich gibt es weiter häusliche Gewalt, und wir können nichts tun, weil wir keine Wohnungen für die Frauen finden.“ Dann entstehe Hoffnungslosigkeit, die sich oft auf die Kinder niederschlage.

Auch eine Bewohnerin des Frauenhauses ist zum Tag der offenen Tür gekommen und erzählt von ihrer Situation: „Die Unterstützung der Betreuerinnen war sehr wichtig, sie haben mir in einer schwierigen Zeit geholfen. Jetzt bin ich vorbereitet, auszuziehen.“ Eine Wohnung zu finden sei für sie jedoch schwer. „Ich war überall persönlich. Das interessiert niemanden, dass man im Frauenhaus ist. Das finde ich schade.“

Allein in den letzten fünf Jahren, so Schmid, sei die Zahl der aufgenommenen Frauen in der Offenbacher Unterkunft um 50 Prozent gesunken. „Hier ist fast nie ein Zimmer frei. Und wenn, dann ist es innerhalb von zwei Stunden schon wieder vergeben“, erzählt Mitarbeiterin Janne Reuver. Sie zeigt eine Übersicht der Frauenhäuser in Hessen. Auf der Website kann sich jeder darüber informieren, wo es noch freie Plätze frei gibt. Fast alle Platzampeln sind rot.

Auch bei der täglichen Arbeit in der Beratungsstelle zeige sich das Problem mit dem Wohnungsmarkt. „Wenn Frauen sich zum Beispiel trennen wollen, können wir manchmal nicht helfen. Entweder es gibt keine freien Wohnungen oder sie sind zu teuer. Das wird sich mit der erhöhten Grundsteuer B noch verschärfen“, vermutet Costa.

Immer wieder ist in der Beratungsstelle auch Gewalt in der Partnerschaft oder Familie ein Thema. „Das sind Momente, in denen man dann von Frauen die blauen Flecken gezeigt bekommt“, erzählt Schmid. In letzter Zeit häuften sich Beratungsanfragen zu Stalking und digitaler Gewalt – wenn Frauen zum Beispiel von ihren Ex-Partnern über Instagram oder WhatsApp verfolgt und bedroht werden. Dann sei es wichtig, Screenshots zu machen, um für rechtliche Schritte gewappnet zu sein. Andere Frauen lassen sich dazu beraten, wie sie sich trennen können, und bekommen Tipps zu organisatorischen Fragen. Generell gehe es darum, die nächsten Schritte zu klären und die emotionale Belastung zu verarbeiten.

„Wir feiern aber auch Feste im Frauenhaus, da gibt es viele lustige Momente und die Frauen stärken sich gegenseitig“, versichert Costa. Momentan plant der Verein außerdem Ausflüge und Aktivitäten für die Osterferien, im Sommer steht dann ein Kurzurlaub an.

Die Beratungsstelle ist unter 069/816557, das Frauenhaus Offenbach unter 069/886139 zu erreichen.

Infos im Internet unter frauenhaus-offenbach.de

Von Anna Kirschner

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare