In Rangliste weit hinten

Offenbachs Finanzämter gehören nicht zu den Flottesten

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Die Offenbacher Finanzämter haben dank des Standorts in einer früheren Kaserne eine Adresse in der Bieberer Straße, der „Neubau“ aus den 90er Jahren erstreckt sich markant entlang der östlichen Bismarckstraße.

Offenbach – Angelika D. hatte im vergangenen Jahr sehr viel Geduld mit ihrem Finanzamt. Fünf Monate musste sie warten, bis ihre im März eingereichte Einkommensteuerklärung bearbeitet war. Von Thomas Kirstein 

Ein Ausreißer? Die schnellsten sind die beiden Offenbacher Finanzämter jedenfalls wohl nicht. In einer vom Portal Lohnsteuer-kompakt erstellten Rangliste von 513 bundesdeutschen Behörden der flottesten Behörden finden sie sich in der zweiten Hälfte. Offenbach I, in Stadt und großen Teilen des Kreises zuständig für die Buchstaben A bis K, belegte 2018 mit einer mittleren Bearbeitungsdauer von 59,5 Tagen pro Steuererklärung den 336. Platz. Offenbach II (L bis Z) kommt mit 67,3 Tagen sogar nur auf Rang 443.

Der Reflex „typisch Offenbach“ wäre jetzt allerdings voreilig. Denn zumindest Offenbach I steht bei Lohnsteuer-kompakt gar nicht schlecht da, wenn man das hessische Abschneiden allein betrachtet. Gerade mal sechs von 40 Finanzämtern des Landes finden sich in der ersten Hälfte des Rankings. Regelrechter Ausreißer ist die Fürther Außenstelle von Bensheim, die mit 35 Tagen hinter Wuppertal-Barmen (34,3) bundesweit Platz 2 belegt. Danach kommt erst einmal bis Rang 176 (Gelhausen, 51,1 Tage) nichts Hessisches. Schlusslicht ist übrigens Bad Hersfeld mit einer Bearbeitungsdauer von 89,6 Tagen.

Regional betrachtet gehört Offenbach I unter den langsamen Hessen sogar zu den etwas flotteren. Dieburg oder Frankfurt IV beispielsweise lassen sich weniger Zeit, ansonsten reihen sich die nahen Steuererstatter dahinter ein: Frankfurt I (355, 60,7 Tage), Hanau (360, 60,9), Frankfurt-Höchst (425, 66), Langen (449, 67,8), Darmstadt (474, 71,4), Frankfurt II (507, 81).

Das Online-Portal stützt sich auf die Auswertung von 300 000 anonymisierten Steuererklärungen, die mit seiner Hilfe erstellt wurden.

Diese Beschränkung auf einen bestimmten Kreis von Steuerbürgern kann auch teils drastische Verschiebungen von Jahr zu Jahr erklären. Das pfälzische Kirchheimbolanden etwa ist vom 2015er Rang 7 über 38 anno 2016 auf 367 im Jahr 2017 abgerutscht, um sich 2018 auf 224 wiederzufinden. Offenbach I lag 2015 auf Platz 55: Dann ging’s abrupt runter auf 302 und über 313 abwärts auf die aktuelle Position 336.

Ein plausibler Erklärungsversuch für die Schwankungen ist nicht zu erhalten. Fragen zu einem Zusammenhang mit dem Krankenstand, gegenwärtigem Ausbildungsniveau, Sondereffekten, unterschiedlichen Anforderungen oder abweichendem Arbeitstempo der Mitarbeiter beantwortet die zuständige Oberfinanzdirektion Frankfurt (OFD) nicht. Die dem Finanzministerium unterstellte Behörde betrachtet die Studie des Portals vielmehr als nicht aussagekräftig.

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„Die von Ihnen zitierten Zahlen gehen auf sehr geringe Erhebungsmengen zurück, die nicht den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort entsprechen“, heißt es aus dem Büro von Oberfinanzpräsident Jürgen Roßberg. Tatsächlich liege die Bearbeitung der Steuererklärungen im Arbeitnehmerbereich nach den derzeit vorliegenden Gesamtzahlen des Jahres 2018 weit unter den von Lohnsteuer-kompakt genannten Werten. Die hessischen Ämter erreichten laut OFD 2018 eine Durchlaufzeit von deutlich unter 60 Tagen zwischen Eingang der Erklärung und dem maschinellen Erstellen des Bescheids. Das entspricht dem Bundesdurchschnitt.

OFD-Sprecherin Catiana Monteiro Lanca betont, dass es sich um einen Durchschnittswert handele, der häufig auch unterschritten werde. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer von Einkommensteuererklärungen in Hessen schwanke somit innerhalb normaler Parameter.

„Sie ist unmittelbar abhängig von den individuellen Verhältnissen des Steuerfalls, wie Komplexität des Sachverhalts, Umfang und Vollständigkeit der Angaben“, erläutert die Referentin. Prüfungsintensivere Fälle könnten es dabei durchaus mit sich bringen, dass Steuerbürger, die ihre Erklärungen zur gleichen Zeit abgegeben haben, zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihren Steuerbescheid erhielten. Bei einer anderen Rangliste schneidet die Stadt Offenbach ebenfalls nicht so gut ab. 

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