Hoffnung auf vertretbare Kaufgebote

Offenbachs Klinikum ist Handelsware

Offenbach - Offenbachs Stadtverordnete sollen heute den Weg für einen Verkauf des hoch verschuldeten städtischen Klinikums ebnen. Es soll ein „geordneter Prozess“ in die Wege geleitet werden. Von Thomas Kirstein

Das ist notwendig, nachdem der Regierungspräsident (RP) in Darmstadt seine Zustimmung für eine weitere 30-Millionen-Finanzspritze versagt hat, dank derer das Krankenhaus ab Januar zahlungsfähig bleiben sollte. Vom Tisch ist mit dieser Entwicklung auch die Teilnahme Offenbachs an einem hessischen Klinikverbund. Gestern früh erfuhren es die rund 2400 Beschäftigten aus der Zeitung und bei einer Betriebsversammlung. Auf dieser schlugen die Emotionen hoch, in die Trauer mischte sich Wut, die sich auch auf die Kommunalpolitik entlud. Bis dahin hatte die Hoffnung auf einem harten, bis 2015 ausgelegten Sanierungskonzept geruht, das eine von der Belegschaft gefürchtete Privatisierung verhindern sollte.

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Nachdem die Stadt eine vom RP verordnete Partnersuche mangels vertretbarer Offerten abbrach, muss nun „ein geordneter Verkaufsprozess“ in die Wege geleitet werden. Zwischen sechs und acht Monate werde es dauern, bis das zu Lasten der Stadt von rund 240 Millionen Euro Schulden befreite Klinikum verkauft sei, schätzt Bürgermeister Peter Schneider. Der Krankenhausdezernent hofft auf Angebote, die deutlich über dem liegen, was über das „Markterkundungsverfahren“ zu erzielen gewesen wäre: Fürs fast neue 180-Millionen-Haus wurden kaum als 45 Millionen geboten. Bis das Krankenhaus über den Ladentisch gegangen ist, darf die Stadt die Zahlungsfähigkeit sicherstellen. Ohne Hilfe wäre es pleite. Darüber hinaus verweigern die Wirtschaftsprüfer den Jahresabschlüssen von 2010 und 2011 noch die Testate.

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Oberbürgermeister Horst Schneider bedauerte gestern, dass der RP nicht von der Fortsetzung eines erfolgreich eingeleiteten Sanierungsprozesses zu überzeugen gewesen sei. Bürgermeister Peter Schneider lobte die bisherigen gemeinsamen Anstrengungen von Klinkleitung, Ärzten und Belegschaft. Geschäftsführerin Franziska Mecke-Bilz, die bis zum Verkauf zur Verfügung stehen will, und der Ärztliche Direktor Prof. Manfred Rilinger äußerten große Enttäuschung und betonten, dass ungeachtet der Entwicklung die medizinische und pflegerische Versorgung der Patienten uneingeschränkt gewährleistet sei.

In einer Stellungnahme des vom Offenbacher Stefan Grüttner geleiteten Sozialministeriums heißt es, der Fall des Klinikums Offenbach zeige, wie wichtig es sei, sich frühzeitig um Partner zu bemühen, bevor eine wirtschaftlich prekäre Situation entstehe. Der Regierungspräsident begründet sein Nein mit der defizitären Situation Offenbachs, die verbiete „weitere kreditfinanzierte kapitalunterstützende Maßnahmen“ für das Klinikum.

Rubriklistenbild: © dpa

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