Doch nicht der große Verlustbringer

Offenbachs Mobilitätsdezernentin mit Zahlen zu den eMobil-Ausleihstationen

Die Ausleihzahlen bei den Elektrofahrrädern steigen, die E-Autos an den insgesamt sechs Verleihstationen sind jedoch weniger begehrt.
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Die Ausleihzahlen bei den Elektrofahrrädern steigen, die E-Autos an den insgesamt sechs Verleihstationen sind jedoch weniger begehrt.

Um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, hat die CDU vor wenigen Tagen strukturelle Änderungen beim ÖPNV angemahnt. Die Union hat dabei insbesondere die sechs eMobil-Ausleihstationen im Blick (wir berichteten). Die seien einer der großen Verlustbringer und sollten – zur Aufrechterhaltung des Angebots – an einen privaten Betreiber vergeben werden, hieß es.

Offenbach – Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) widerspricht. Und präsentiert Zahlen, welche den Lösungsansatz der Christdemokraten relativieren: So hätten sich die Gesamtkosten der Stationen im vergangenen Jahr auf rund 241000 Euro belaufen. 77 000 Euro davon trage der RMV, 21 000 Euro seien über Erlöse reingekommen, so dass die Stadt 143 000 Euro für das Angebot ausgegeben habe. „Von diesem Geld könnten wir höchsten drei Busfahrer bezahlen. In der der Summe spart das also nicht wirklich viel ein“, so Sabine Groß. Für dieses Jahr sieht es sogar noch besser für die Stadt und damit noch schlechter für den CDU-Vorschlag aus: Unterm Strich würden die Ausleihstationen 2021 den städtischen Haushalt nur mit 54 000 Euro belasten, so die Dezernentin. Zugleich räumt sie ein: Die vergleichsweise geringe Summe ergebe sich aus Sondereffekten wie einer deutlich verringerten Abschreibungsbelastung gegenüber dem Vorjahr sowie dem Verzicht auf öffentlichkeitswirksame Maßnahmen und eine Modernisierung der Fahrzeugflotte. Was die Anzahl der Kunden angeht, ist diese seit 2017 kontinuierlich gestiegen. Wurden zum 31.  Dezember 2017 noch 612 Nutzer registriert, waren es bis zum 30. September dieses Jahres 1589.

Bei den Verleihzahlen ergibt sich ein unterschiedliches Bild: So werden Elektro-Fahrräder immer beliebter. Wurden 2018 noch 590 E-Bikes ausgeliehen, waren es 2019 schon 784, um 2020 dann auf 1545 Ausleihen zu steigen. Bis den Ende September dieses Jahres wurden bereits 1484 Verleihvorgänge bei den Rädern gezählt.

Bei den Elektroautos gab es dagegen einen Einbruch: Hier sanken die Ausleihzahlen von 920 Vorgängen in 2019 auf nur noch 737 im vergangenen Jahr. Zum Stichtag 30. September 2021 wurden 790 Ausleihen gezählt. Für Dezernentin Groß ist der Rückgang Corona geschuldet. In der Pandemie seien die Menschen zurückhaltender, wenn es darum gehe, sich in ein Auto zu setzen, das zuvor von anderen genutzt worden sei.

Was den Vorwurf der Union angeht, die neue Ampelkoalition operiere beim ÖPNV-Budget ab 2023 mit Corona-Kompensationszahlungen durch Bund und Land, die es nicht geben werde, hält Sabine Groß ebenfalls dagegen: Eine Absage dieser Zahlungen gebe es bislang nicht, noch sei völlig offen, ob Geld an die Kommunen fließe. Die optimistische Rechnung der Dezernentin lautet wie folgt: „Die Fahrgastzahlen und damit die Einnahmen steigen wieder. Wenn das nicht der Fall sein sollte, ist das kein singuläres Problem für Offenbach. Dann wird es Gespräche der Kommunen mit dem Bund geben müssen.“

Dieses Szenario ist für Sabine Groß alternativlos. „Wenn man fest davon ausgeht, es gibt keine Kompensationszahlungen und auch keine steigenden Fahrgastzahlen – was wäre dann die Folge? Sollen wir etwa 50 Busfahrer entlassen und unser ÖPNV-Angebot halbieren?“ (Von Matthias Dahmer)

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