2500 Besucher beim Tag der offenen Tür

Wetterdienst: Phänomenale Einblicke

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Erfolgt die Wetterprognose etwa per Glaskugel? Mitnichten! Der Sonnenscheinautograph nach Campbell-Stokes ist ein klassisches Gerät zur Registrierung von Sonnenschein und damit zur Messung der Sonnenscheindauer. Das interessierte am Wochenende viele Besucher des Wetterdienstes.

Offenbach - Nahezu jeder ist am Wetter interessiert. Für sie erfasst, bewertet und überwacht der Wetterdienst alle möglichen Daten. Wie das passiert, erfuhren mehr als 2500 Besucher beim Tag der offenen Tür in der Offenbacher Zentrale des DWD. Von Harald H. Richter 

„Wie das Wetter wird, verrat‘ ich dir“, singen die Mädchen und Jungen des Erasmus-Kindergartens unter Leitung von Cristi Heisterkamp und nehmen diese Aufgabe den professionellen Beobachtern ausnahmsweise einmal ab. Die haben ohnehin genug zu tun, um den Besucheransturm von – wie abends bilanziert wird – gut 2500 Neugierigen zu bewältigen, die zum Tag der offenen Tür aufs Gelände im Westend gekommen sind. Anfänglich Regen verheißende Wolken von Tief „Andreas“ verziehen sich rechtzeitig, so dass die Eröffnung durch Hausherr Professor Gerhard Adrian und Oberbürgermeister Horst Schneider windig zwar, aber niederschlagsfrei vonstatten gehen kann. „Wir sind stolz darauf, eine international höchst reputierte Institution wie den DWD in unserer Stadt zu haben“, sagt Schneider.

Aufklarender Himmel begünstigt vor allem die Informationsangebote im Freien, etwa des Zentrums für Geoinformationswesen der Streitkräfte oder des Fördervereins Rettungshubschrauber Christoph II, die sich ohne aufgespannte Regenschirme in Augenschein nehmen lassen. Auch Eumetsat ist vertreten, die europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten mit Sitz in Darmstadt, der 30 Staaten zwischen Polarkreis und Ägäis angehören.

Führungen hinter den Kulissen

Vor allem aber im Gebäude geben die Mitarbeiter des nationalen meteorologischen Dienstes mit seinen 2500 Beschäftigten, darunter etwa 900 in der Lederstadt, über die beschreibende Wetterbeobachtung und Atmosphärenphysik hinaus spannende Einblicke in eine Fülle von Themen, wie Klimaforschung und Geowissenschaft. Sie zeigen Karrierewege auf und bieten Führungen hinter die Kulissen an. Staunen allenthalben ist garantiert. Verknüpft wird das mit einem unterhaltsamen Programm, das etwa 300 Kindern durch Wissensrallye, Windradbasteln und Gummibärchen-Wurfmaschine Kurzweil und Vergnügen bietet. Für die Kleinen gibt es in der Bibliothek spezielle Vorträge, die unter anderem Fragen naseweiser Steppkes nach der Genauigkeit der Wettervorhersage beantworten. Auf der Bühne sorgt Harald Blöchers Tailgate Jazzband für musikalischen Schwung.

Mehr als ein Dutzend Referate im Konferenzbereich, unter anderem über Besonderheiten der Flugmeteorologie, zu Tornadobildung und Wolkenklassifikation, stoßen beim Publikum auf Interesse. Halbstündlich werden Führungen angeboten. Der Andrang ist groß. Davon künden Menschentrauben vor den Eingängen zu den Fachbereichen. „Wir haben uns für die Ausgabe von Teilnahmekarten entschieden, um das Ganz besser steuern zu können“, verrät Sprecher Gerhard Lux. „Wann sonst, wenn nicht heute, kann man die Vorhersagezentrale besichtigen oder das Rechenzentrum“, freut sich der Bergsträßer Bernward Körber, der mit seiner Frau nach Offenbach gekommen ist. Eine noch weitere Anreise hat Frank Beranek aus Ahlen in Kauf genommen und ist begeistert. „Ein toller Tag mit interessanten Einblicken“, lautet sein Fazit und das seiner Familie. „Phänomenales aus erster Hand“, pflichtet ein anderer Besucher bei.

Tag der offenen Tür beim Wetterdienst: Bilder

Im Lesesaal erläutert Dr. Jörg Rapp mit seinen Kollegen die in ihrer Art einzigartige Sammlung der Deutschen Meteorologischen Bibliothek, darunter die maritime Enzyklopädie „Dell’Arcano del Mare“ von 1647 oder das noch ältere „Kalendarium Gregorianum Perpetuum“ von 1562. „Unter uns, im Kellergeschoss also, befindet sich das 900 Quadratmeter große und voll klimatisierte Büchermagazin“, sagt Rapp.

Der Allgemeinheit bleibt der Weg ins Fernsehstudio des Deutschen Wetterdienstes für gewöhnlich versperrt. Diesmal macht Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich eine Ausnahme und gibt dem Idar-Obersteiner Andras Kollmohr die Gelegenheit, sich dort nicht nur umzuschauen, sondern vor laufender Kamera selbst eine Wetterprognose abzugeben. Den auf Stick gezogenen Videoclip darf er nach dem Dreh als bleibende Erinnerung mitnehmen.

Den ganzen Tag über verkehren Pendelbusse zum Wetterpark auf dem Buchhügel, wo unentwegt DWD-Mitarbeiter über Himmelsphänomene Auskunft geben, am blauen Container das Messfeld erklären oder auf weitere Infoangebote im nahen Besucherzentrum verweisen. Am späten Abend hat Tief „Andreas“ kapituliert und Hoch „Tina“ die weitere Wetterregie überlassen – passend zum Muttertag mit reichlich Sonnenschein...

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