„Tag der Polizei“

Offen und ehrlich

+
Einstellungsberater Klaus Bastian ging auf die Knie.

Offenbach - Eine große Polizeischau mit Hundestaffel ist in der Großstadtenge nicht möglich. Stattdessen gibt’s erstmals rund um das Präsidium einen „Tag der Polizei“. Der gewährt so manchen Einblick. Von Martin Kuhn 

„Get ready. . . “ Die Musiker des Landespolizeiorchesters intonieren den Soulklassiker der Temptations.  Fette Bläsersätze sind der passende Gruß an die interessierten Gäste. Und die Beamten des Polizeipräsidiums Südosthessen haben sich wahrlich bereit gemacht.  Sie beantworten geduldig Fragen, gewähren Einblicke in ihren Alltag. „Offen und ehrlich“, betont Sprecher Henry Faltin. Na, einige Geheimnisse wird die Polizei bei aller Offenheit doch noch haben, oder ? Ein vielsagendes Lächeln ist in diesem Fall Antwort genug.

Im Treppenhaus liegt eine Plastikleiche, Kunstblut hat die weiße Bluse durchtränkt, auf dem Boden liegt ein Messer, Fußabdrücke führen vom Ort des Geschehens weg. Nummern kennzeichnen die Spuren und Gegenstände, die das Offenbacher Zentralkommissariat 42, oder gebräuchlich: Erkennungsdienst, zur Demonstration aufgestellt hat. Der Junge, der sich mit seiner Mutter das inszenierte Geschehen anschaut, ist beeindruckt und schwärmt: „Oh Mann, wie in CSI.“ Ja, nicht allein das amerikanische Fernsehen hat die kriminalistische Arbeit öffentlich gemacht. In den Augen der tatsächlichen Ermittler geht das mitunter etwas zu sehr ins Detail. „Das sehen wir gar nicht gern; die beschreiben unsere Arbeit sehr, sehr kenntnisreich“, sagt ein Kommissar. Nur so viel sei an dieser Stelle verraten: So rot wie das künstliche Blut am arrangierten ist der menschliche Lebenssaft an einem tatsächlichen Tatort nicht.

Schwierige tägliche Arbeit

Offen und ehrlich - so präsentierte sich die Polizei beim „Tag der offenen Tür“. 

Die Kollegen des Sachgebiets Sprayer zeigen hingegen tatsächliche Fundstücke. „Was ist denn das?“, fragt die Neunjährige und deutet auf eine Art Eishockeymaske, die in einem Plastikbeutel steckt. Der Kommissar hält sie sich vor sein Gesicht: „Na, damit die Täter nicht zu erkennen sind...“ So einfach ist das. Weniger einfach gestaltet sich die täglich Arbeit. Hilfreich sind mitunter sichergestellte sogenannte Black-Books, eine Art Notizbuch, in dem der Künstler Skizzen, Entwürfe und Zeichnungen festhält. Die ausgestellten Bücher zeigen tatsächlich die künstlerische Entwicklung der Inhaber auf, die jedoch nach der Realisierung straf- und zivilrechtlich verfolgt wird. Seit den jüngsten Unfällen in A3-Baustellen erlebt sie ungewollt etwas mehr Aufmerksamkeit – die Polizeiautobahnstation Langenselbold.

Das Dienstfahrzeug ist direkt vor dem Präsidium geparkt - eine unscheinbare, graue Limousine der Bayerischen Motoren Werke. In Erinnerung an die Blues-Brothers, die ihr Fahrzeug bei der Mount-Prospect-City-Police-Auktion abgeschnappt haben, ist flapsig hinzuwerfen: „Sicher mit Bullenmotor auf 350 PS aufgeblasen, Bullenreifen und Bullengetriebe...“ Der zuständige Beamte verneint das. „Es ist ein Fahrzeug von der Stange.“ Allerdings mit einigen technischen Spielereien, die nicht allein die Autofahrer in spe interessieren. Hinter der internen Bezeichnung „ProViDa“ verbirgt sich ein „Proofed Video Data System“ - ein amtlich geeichtes Mess- und Kamerasystem, um Raser und Drängler mit verwertbaren, also gerichtsfesten Daten zu konfrontieren. Es wundert einige, dass der BMW mit amtlichen Kennzeichen, das sich jeder notieren kann, in der Parkbucht steht. „Gegebenenfalls montieren wir ein anderes“, verrät der Kommissar.

Weiter geht’s mit (sichergestellten) Waffen, Wasserwerfern oder Motorrädern, (vom ADFC) codierten Fahrrädern, sicheren Kindersitzen oder technischer Abteilung. Die Tür zum Führungs- und Lagedienst öffnet sich an diesem Samstag nur denjenigen, die ein passendes Lösungswort („Einsatzzentrale“) und etwas Glück bei einer Auslosung hatten. Bernd Barthelmes erklärt als Polizeiführer vom Dienst (PvD) die mannigfache Arbeit, berichtet von Notrufen, Sonderlagen sowie technischen Neuerungen. Da wird gefragt und demonstriert, eine Teilnehmerin ist allerdings nachdenklich: „Jetzt sind wir knapp eine Stunde hier - und kein einziger Anruf. So ruhig kann es doch gar nicht sein.“ Barthelmes lacht und deutet auf eine Durchgangstür: „Ich lasse arbeiten!“ An drei identischen Arbeitsplätzen ist deutlich mehr Betrieb, werden Anrufe entgegen genommen, Streifen koordiniert, Kamerabilder im Auge behalten.

Die Polizei sucht diese Räuber

Polizei sucht diese Räuber

Am Ende strahlen die Beamten - allen voran Polizeipräsident Roland Ullmann. Der gratuliert persönlich und mit passendem Ständchen des Polizeiorchesters zum Geburtstag. „Na, wenn das jetzt nichts mit der Polizeikarriere wird“, sagt er zu Tobias. So genau will sich der 13-jährige Offenbacher nicht festlegen. Aber später soll’s „irgend etwas mit Recht“ werden.

Kommentare