Offensive für Bad und Verein

Offenbach - Für Dieter Levi-Wach gleicht’s einem Sprung ins kalte Wasser. Seit gut einer Woche steht der 65-Jährige an der Spitze des EOSC. Den Verein sieht er - bei allen lieb gewonnenen familiären Strukturen - als kleines Unternehmen. Das möchte der Vorsitzende nicht komplett umkrempeln, aber fit für die Zukunft machen. Kernpunkt ist die energetische Sanierung des Waldschwimmbades mit Hilfe der Stadt.

„Es ist eine dicke Aufgabe“, gibt der Elektro-Ingenieur unumwunden zu nach seiner Wahl zum Vorsitzenden. Dabei, und das wird im Gespräch schnell deutlich, legt er nicht allein Wert auf technische und wirtschaftliche Fragen auf der Rosenhöhe. „Mit unserem ,Stadt-Bad’ erfüllen wir auch eine soziale Funktion in Offenbach.“ Kein Wunder, dass sein erster Tag als EOSC-Vorstand ihn ins Rathaus zur Bürgermeisterin führte zu Vorstellung und Abstimmung. Schließlich sei Birgit Simon die treibende Kraft bei der Badsanierung.

Da kommt sicher zu tragen, dass die Bürgermeisterin neben Sozial- auch Umweltdezernentin ist. Mit Energiekosten von etwa 450 000 Euro im Jahr gleicht das EOSC-Bad einer Geldvernichtungs-Anlage: „Wir müssen diese Kosten gewaltig reduzieren. Das sind die Stellschrauben mit dem höchsten Gewindegang.“ Zudem sei 2009 ein Entscheidungsjahr. Erstmals seien 1,2 Millionen Euro (durch das Konjukturprogramm II, Anträge haben laut Oberbürgermeister fristgerecht das Rathaus verlassen) in Aussicht gestellt für eine Sanierung. Über das „Wie“ und „Was“ will sich Levi-Wach zunächst mit seinen Vorstandskollegen und der Stadt verständigen, die schließlich die Mittel verteilt.

Sicher ist: Im Juli und August bleibt das Bad offen. Eine klassische Wende zu den Planungen des alten Vorstandes. Levi-Wach: „Das wäre der ungeeignetste Termin. Im Hochsommer kommen täglich Tausende ins Freibad.“ Das sei mit der Stadt bereits abgestimmt. Mehr nicht. Aber einige Ideen und Vorstellungen hat er offenbar parat.

Das wundert nicht. Ja, der 65-Jährige darf ruhig als Kenner des Schwimmbades bezeichnet werden. Als er 1982 ins Rhein-Main-Gebiet kam, nahm ihn seine Frau mit auf die Rosenhöhe. „Eine unglaublich schöne Anlage.“ Im Gegensatz zu anderen zog und zieht er Bahnen im 50-Meter-Becken. „Verrückt. Ich war mit Michael Gros im Wasser. Während er zwei Bahnen abspulte, schaffte ich eine - und war mächtig stolz.“ Neben der attraktiven Lage, weiß er wie viele andere Gäste auch um die Schwächen des Bades, einem „Sommerbad mit einer Notfunktion“.

An Beispielen mangelt es ihm nicht: Als im vergangenen Winter Schnee lag, sei um die Traglufthalle ein breiter Streifen Grün gewesen. „Und auf dem Dach haben sich die Spatzen die Füße gewärmt.“ Oder: „Das Duschwasser verschwindet ohne Wärmerückgewinnung in der Kanalisation.“ Seine Vorstellung: Was an teurer Energie bislang verheizt wird, fließt als bare Münze dem Badbetrieb zu. „Umkleide und Duschen sind grundlegend gut zu machen.“ Eine „Renovierung“ reicht Dieter Levi-Wach nicht. Und da kommt durch, dass er nicht einer der vielen Rechtsanwälte ist, die bisher den EOSC führten, sondern einer, der unter anderem Auslands-Vertriebschef war und dessen Beruf ihn nach Großbritannien, nach Frankreich oder in die Vereinigten Staaten führte. „Die Sanierung soll und muss beispielhaft sein. Die Leute sollen sagen: Seht nach Offenbach, wie die das gemacht haben.“

Es ist dem Wahl-Offenbacher zuzutrauen, dass er das schafft. Die erste Hürde nahm er bei der Jahresversammlung, schließlich galt der heutige Vorsitzende vielen als „Außenstehender“. Um den Posten hat er sich beworben - mit einem Bewerbungsschreiben, vergleichbar mit der freien Wirtschaft; für ihn sicher konsequent, wenn er den EOSC als Unternehmen betrachtet. Sein Antrieb: „Viele haben gespürt und gesagt: Es muss etwas geschehen. Ich habe gehandelt.“

Der Führungsanspruch manifestiert sicher aber keinesfalls im Führungsstil. In aller „Offenheit und Transparenz“ habe er dem Vorstand um Dr. Walter Suermann erklärt, was er auf der Rosenhöhe erreichen gedenkt. Und so will er künftig weiterarbeiten. Denn Verein, und gerade der EOSC, steht für „vereint“, „Vereinigung“, ein gemeinsames Ziel und keinesfalls für „Vereinzelung“. Dass der Verein als solcher funktioniert, habe am Wochenende das internationale Turnier der Wasserballer gezeigt. Vielleicht ist sein Ziel frei nach Klinsmann zu fassen: Den EOSC jeden Tag ein bisschen besser machen... Ob das ankommt und von den Mitgliedern getragen wird, ist im April 2010 zu sehen. Dann sind die nächsten Wahlen zum EOSC-Vorstand.

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