Ohne Ausnahme geht nichts

Langer Weg zum Schul-Erweiterungsbau

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An der Geschwister-Scholl-Schule soll ein Erweiterungsbau entstehen. Bis eine Ausnahmegenehmigung vom Regierungspräsidium erteilt wird, sind der Stadt aber die Hände gebunden.

Offenbach - 200 Millionen Euro hat die Stadt Offenbach in den letzten zehn Jahren in die Sanierung und den Neubau von Schulen gesteckt. Gestern wurden zwei weitere Projekte vorgestellt. Thema bei der Präsentation waren auch die Einschränkungen durch das Fluglärmschutzgesetz. Von Steffen Müller 

Die Zustände an der Mathildenschule klingen fast schon dramatisch. „Einige Fenster konnten nicht mehr richtig geöffnet werden“, berichtet Anna Heep vom Stadtplanungsamt, warum eine Sanierung der Grund, Haupt- und Realschule dringend nötig ist. Schuld ist aber nicht (nur) die Bausubstanz. Verursacher ist der Rupelton im Boden, der bei Hitze oder Regenwetter entweder schrumpft oder sich ausdehnt, was dazu geführt hat, dass das Gebäude aus den 70ern im Laufe der Zeit leicht abgesackt ist. Dem konnte zwar 2007 durch eine Stabilisierung der Fundamente entgegengewirkt werden, doch der Schaden war da.

Seit Langem wartet die Schule daher auf eine Sanierung. „Wir mussten erst prüfen, ob die Fundamente stabil sind“, begründet Heep die Wartezeit. Da das nun der Fall ist, kann es jetzt losgehen. Wenn das Stadtparlament in seiner nächsten Sitzungen am 27. September den Plänen zustimmt – was ausgemachte Sache ist – beginnt die Ausschreibung, noch in diesem Jahr sollen die ersten Bagger anrollen.

Die Mathildenschule ist mit ihren Neubauplänen schon weiter. Die Aufsichtsbehörde hat eine fünfstöckige rundförmige Erweiterung (links) für die Grundschulklassen erlaubt.

Der absackende Boden war aber nicht das einzige Problem, mit dem die städtischen Planer zu kämpfen hatten. Denn da die Mathildenschule nicht nur saniert, sondern auch einen Neubau erhalten soll, waren lange Diskussionen mit dem Regierungspräsidium Darmstadt nötig. Weil die Schule in der Fluglärmschutzzone liegt, war ein Neubau nur mit einer Ausnahmegenehmigung vom RP möglich. Dafür musste die Stadt nachweisen, dass „wohnortnaher Bedarf“ besteht. Da dieser in Darmstadt aber nur für Grundschüler erteilt wurde, werden in dem neuen, fünfstöckigen Gebäude, das die Form eines Halbkreises haben wird, auch nur Grundschüler unterrichtet. Durch die Erweiterung können an der Mathildenschule künftig 1000 statt rund 800 Schüler unterrichtet werden. Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß ist die Erleichterung über die erteilte Genehmigung anzumerken. „Wir brauchen in der Innenstadt mehr Grundschulplätze.“

Ganz leer gehen die Haupt- und Realschüler aber nicht aus, da auch ihr Gebäudeteil saniert wird. Und das betrifft nicht nur die Fenster. Fassade, Dach und Böden werden ebenfalls modernisiert, außerdem gibt es neue Sanitäranlagen und die Cafeteria wird vergrößert. Auch werden die Klassenräume neu ausgestattet, insbesondere die Fachräume. 24,5 Millionen Euro sollen die Sanierung (9,6) und die Erweiterung (14,9) zusammen kosten, 3,6 Millionen Euro davon fördert der Bund. Bei laufendem Betrieb soll das Projekt 2022 abgeschlossen sein.

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Was die Mathildenschule schon hinter sich hat, kommt auf die Geschwister-Scholl-Schule (GSS), die in Bieber ebenfalls in der Lärmschutzzone liegt, noch zu. Auch hier ist ein Erweiterungsbau geplant, der eine Sondergenehmigung erfordert. Allerdings sind die Pläne für die GSS noch nicht so weit fortgeschritten. Während das Stadtparlament bei der Mathildenschule schon über den Projektbeschluss abstimmt, geht es in der gleichen Sitzung erst um den erweiterten Grundsatzbeschluss für die GSS. Zur Auswahl stehen drei Varianten, aus denen die Stadtverordneten eine auswählen sollen.

Sämtliche Vorschläge ermöglichen es der Gesamtschule mit derzeit 590 Schülern, sich von vier auf sechs Züge zu erweitern und beinhalten einen Neubau. Da sich alle drei Varianten in den Rahmenbedingungen (Baubeginn 2020, Bauzeit drei Jahre) und Kosten (etwa 24,5 Millionen Euro) ähneln, kommt es bei der Abstimmung auf die Funktionalität an. Und hier präferiert die Stadt Variante Nummer 3, die vorsieht, dass der aktuelle „Schusterbau“ abgerissen wird und Platz schafft für einen größeren zweigeschossigen Erweiterungsbau. „Dieser Plan fördert modernen Unterricht“, wirbt Astrid Reese vom Stadtplanungsamt. Dabei ist Daumendrücken angesagt: Denn nach der Abstimmung durch die Stadtverordneten entscheidet das Regierungspräsidium über die Ausnahmegenehmigung für den Neubau.

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