Jugendkunststuhl-Mobil im Hafengarten

Ohne elterliche Einwände

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Betreut von Marina Kampka und Kim Lotte Stöber bot sich Kindern am Jugendkunstschul-Mobil im Hafen reichlich Gelegenheit zu kreativer Betätigung.

Offenbach - Noah ist ganz in seinem Element. Aus knetbarem Ton hat der aufgeweckte Fünfjährige, der mit Mama und jüngerer Schwester zur Hafentreppe gekommen ist, kleine Inseln geformt und sie mit Dekorsteinen und Muscheln besetzt. Sein Atoll ist aber längst noch nicht fertig. Von Harald H. Richter

Weil dazu auch ein richtiger Strand gehört, mischt er verschiedenfarbigen Glitzersand und zaubert so ein besonders buntes Meeresufer. Ihm gegenüber malt die vierjährige Lisa mit Wasserfarben ein Bild für ihre Oma, die sie an diesem Mittag begleitet. Auch sie lässt ihrer Fantasie am Jugendkunstschul-Mobil im Hafengarten freien Lauf. Marina Kampka, die an der Hochschule für Gestaltung visuelles Grafikdesign studiert und schon eine ganze Weile die Einsätze der mobilen Experimentierwerkstatt begleitet, beobachtet die Kinder: „Wie sie ihre Ideen umsetzen, das entscheiden sie ganz frei. Wir geben ihnen lediglich die Materialien an die Hand, alles andere entwickelt sich aus deren Einfallsreichtum. Es versetzt sie immer wieder in Erstaunen, welche Kunstwerke dabei entstehen.

Studentin Kim Lotte Stöber, die ebenfalls als Betreuerin mit dem JuKu-Mobil unterwegs ist, pflichtet ihr bei. Die 22-Jährige hat wiederholt Ferienfreizeiten betreut und arbeitet gern mit Kindern. „Deren Spontaneität und Erfindungsgabe verblüffen mich jedes Mal.“ Das trifft auch bei Carolin (7) und David (6) zu. Beide sind mit dem Papa hergekommen. Die Geschwister kennt man bereits, denn sie haben schon an einigen Kreativkursen der Jugendkunstschule teilgenommen und sind auch diesmal mit Eifer bei der Sache. Mit geschickten Händen formt David aus der Knetmasse detailgenau ein Krokodil, das er grün anmalt, und einen Fisch in leuchtendem Blau. Der wird zwar ebenso wie die Panzerechse niemals im angrenzenden Hafenbecken schwimmen, aber dafür kann David beide als Erinnerungsstücke mit nach Hause nehmen.

Farbe ist Trumpf

Nach und nach kommen weitere Kinder in elterlicher Begleitung zum JuKu-Mobil, dessen Standort oberhalb der Hafentreppe nicht zu übersehen ist. Der achtjährige Luic, der schon die ganze Zeit mit seinem BMX-Rad neugierig umher gekurvt ist, stellt seinen fahrbaren Untersatz beiseite und streift sich einen der schon von reichlich Farbe beklecksten Malerkittel über, den die Betreuerinnen für jedes Kind aus der Zubehörtruhe ziehen. Mitmachen möchte auch die kleine Tara mit ihren vierjährigen Zwillingsgeschwistern Tayla und Tajo. Es füllt sich zusehends auf dem Platz, sehr zur Freude von Kampka und Stöber, und flugs muss noch eine zweite Tischreihe aufgestellt werden. Pinsel und Malkästen werden ausgeteilt. Sie sind bei den Kindern ebenso begehrt wie Tonerde und Dekorartikel. Auch in den beiden Wochen zuvor war rings um die mobile Experimentierwerkstatt Farbe Trumpf gewesen. Im benachbarten Hafengarten verhalfen Pamela Kipp und Lena Sandel mit zahlreichen Mädchen und Jungen den bislang tristen Betonkübeln zu einem ansehnlicheren Erscheinungsbild. Gemeinsam gestalteten sie die Beete, schufen hübsche Verzierungen und fertigten aus Tetrapaks und Joghurtbechern kleine Pflanzbehälter und Windspiele. „Überwiegend waren es Kinder, deren Eltern im Rahmen des Projekts Hafengarten dort selbst Parzellen bewirtschaften“, berichtet Kampka. „Das Angebot kam jedenfalls gut an.“

Ohnehin ist das JuKu-Mobil, wo immer es auftaucht, im Nu von erwartungsvollen Knirpsen umringt. An die Haltestellen, die regelmäßig von der Kunstwerkstatt auf Rädern angefahren werden, kommen locker 20 und mehr Jungen und Mädchen, wie jüngst wieder an der Senefelder Straße. „Sie wissen, dass sie bei uns nach Herzenslust malen und gestalten können, ohne dass gleich der elterliche Einwand kommt: ,Mach den Tisch nicht schmutzig’ oder ,Pass auf, dass du keine Flecken auf dem Fußboden hinterlässt’.“ Da sämtliche Angebote für die kreativen Kinder kostenlos sind, ist die Jugendkunstschule auf Förderer angewiesen. Wer etwas spenden, eine Patenschaft für eine Haltestelle übernehmen oder eine Werbefläche auf dem mit allem Notwendigen ausgestatteten Fahrzeug belegen möchte, kann sich an Leiterin Barbara Meyer wenden. So kann über die regelmäßigen Einsatztouren des Fahrzeugs hinaus auch manche zusätzliche Aktion finanziert werden, wie die im Hafenviertel zu Ende gegangene.

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