Ohne Konto erlischt Genossen-Recht

Offenbach ‐ Vor einigen Jahren hat sich der Bieberer Matthias R. mal derartig über seine Stadtteil-Bank geärgert, dass er seine sämtlichen Konten zur Konkurrenz verlagerte. Seine genossenschaftlichen Anteile an der Raiffeisenbank Bieber behielt er aber. Von Thomas Kirstein

Wird schließlich nicht schlecht verzinst, momentan erhält jeder der 2585 Eigentümer eine 7,7-prozentige Dividende auf bis zu fünf Anteile zu je 100 Euro. Jetzt soll diese Quelle für R. versiegen - wie für alle anderen Mitglieder auch, die keinerlei Geschäftsbeziehung zu ihrem Geldinstitut haben.

„Die wollen ja nur, dass ich mit meiner Dividende die Kontoführungsgebühren bei ihnen bezahle“, ärgert sich R. über ein Schreiben, das ihn erreichte, nachdem er das im Januar ergangene Angebot ignoriert hatte, „sich über die Vorteile der Mitgliedschaft und Leistungsfähigkeit bzw. Zuverlässigkeit unserer Bank zu informieren“. In diesem Zusammenhang war der Bieberer auch darauf hingewiesen worden, dass „Mitgliedschaft auch aktive Mitgliederförderung und Partnerschaft in allen finanziellen Angelegenheiten“ bedeute. Sollte heißen: Die Raiffeisenbank möchte auch an ihm verdienen oder mit seinem Geld arbeiten können.

Da sich R. dem verweigert, soll er seine Mitgliedschaft binnen eines Monats kündigen, Formular liegt bei.

Vorstandssprecher Karlo Uhlein weist auf die Satzung der Genossenschaften hin, die den Mitgliedern bei Zeichnung von Geschäftsanteilen überreicht wird. Darin heißt es, dass ein Mitglied auch ausgeschlossen werden kann, wenn der Geschäftsbetrieb der Genossenschaft nicht mehr genutzt wird.

„Wir versuchen, solche Mitglieder von uns zu überzeugen“, sagt Uhlein. Gelinge das nicht, folgt die Bitte um Rückgabe, über weitere Schritte befinden Vorstand und Aufsichtsrat. „Wir werben auch um Verständnis für unseren Schritt - nur wenn auch von den Mitgliedern Geschäfte an uns herangetragen werden, haben wir Erträge und können Dividende zahlen“, erläutert Uhlein. Dass Anteile zurückgefordert würden, komme vereinzelt vor.

Auch bei der Vereinigten Volksbank Maingau wird Wert auf gegenseitige Geschäftsbeziehungen mit den mittlerweile 50.000 Anteilseigenern gelegt. Sprecher Udo Heberer sagt allerdings, dass Konsequenzen wie in Bieber nicht gezogen würden.

Rubriklistenbild: © pixelio/Dieter Schütz

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