Hilfsangebot wird angenommen

Malteser ziehen Bilanz für Praxis für Menschen ohne Krankenversicherung

Hilfe auch ohne Krankenkarte: Von der Versorgung kleiner Wunden bis zur Geburtsbegleitung reicht das Spektrum der Malteser im Ketteler-Krankenhaus.
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Hilfe auch ohne Krankenkarte: Von der Versorgung kleiner Wunden bis zur Geburtsbegleitung reicht das Spektrum der Malteser im Ketteler-Krankenhaus.

„Ohne Krankenversicherung, gibt es das denn überhaupt in Deutschland?“ – Ungläubiges Staunen herrscht allzu oft, wenn von Initiativen für Menschen ohne Krankenkassenkarte die Rede ist. Dr. Matthias Zimmer, Oberarzt am Ketteler-Krankenhaus, kennt solche Vorurteile.

Offenbach – „Es gibt genügend Menschen ohne Krankenversicherung“, muss er immer wieder öffentlich betonen. So auch bei der Verleihung des Ferdinand Kallab-Preises der Stadt an die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) im vergangenen November. In 20 Großstädten existieren sogenannte Notfallpraxen, in denen Nichtversicherte unkompliziert Hilfe erhalten, seit April 2019 bieten die Malteser auch im Ketteler-Krankenhaus diese Hilfe an.

Die Zielgruppe bestünde keineswegs nur aus Migranten, wie manch einer zunächst glauben möge, sagt Zimmer. „Es sind auch viele Selbstständige, die die Beiträge für ihre Versicherung nicht mehr zahlen können oder Menschen in prekären Verhältnissen.“

Ein Team aus ehrenamtlich tätigen Ärzten und medizinischem Personal kümmert sich immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr in einem ausgewiesenen Bereich des Krankenhauses um die nichtversicherten Patienten. Auf knapp 60 000 Euro veranschlagen die Malteser das Kostenvolumen für ihr Angebot.

Damit die Praxis in Offenbach eröffnen konnte, haben die Ippen-Stiftung von Verleger Dirk Ippen und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen gespendet: Drei Jahre lang geben beide Institutionen jeweils 30 000 Euro, um den Betrieb zu gewährleisten. Zur Anschubfinanzierung der Notfallpraxis hat außerdem die Sparkasse Offenbach die ehrenamtliche Initiative mit weiteren 10 000 Euro unterstützt.

Nach knapp neunmonatiger Arbeit zieht das Team um Zimmer nun eine erste Bilanz: Insgesamt 120 Menschen, davon über ein Drittel Deutsche, wie die Malteser betonen, haben bei den bisher 35 Praxistagen im Ketteler-Krankenhaus vorgesprochen. Rund zwölf Prozent der Patienten seien Kinder und Jugendliche. Damit seien es pro Praxistag im Schnitt zwischen drei und vier Personen gewesen, die das Hilfsangebot in Anspruch genommen hätten, schreiben die Malteser.

Und weiter: „Einen leeren Praxistag gab es bei uns noch nie.“ Das deckt sich mit der Einschätzung des Bundesverbandes des Hilfsdienstes, demzufolge es in Deutschland eine hohe Dunkelziffer an Menschen ohne Krankenversicherung gibt. Während das Statistische Bundesamt von unter 100 000 Menschen spricht, gehen die Malteser dagegen von knapp einer halben Millionen Menschen aus, die im Krankheitsfall nicht abgesichert sind.

Für Offenbach habe der rege Zuspruch in den vergangenen Monaten jedenfalls die Einschätzung des Hilfsdienstes vollauf bestätigt, dass es hier ein großes Bedürfnis nach ärztlicher Betreuung für Nichtversicherte gebe, sagt Gabriele Türmer, die Koordinatorin des Malteser-Hilfsprojekts.

Zu den häufigsten Gründen, weshalb die Hilfe der Ehrenamtlichen gesucht wurden, zählten Schwangerschaften. Die Frauen wurden durch das Malteser-Angebot in ärztlicher und klinischer Obhut bis zur Geburt begleitet, schreiben die Malteser.

In vielen anderen Fällen konnten die Ehrenamtlichen die Behandlungen auch selbst durchführen. Hierzu zählten vor allem Erkrankungen, die in jeder Hausarztpraxis anfallen: diese reichten von Bluthochdruck über Diabetes bis hin zu Rückenschmerzen, Wundinfektionen und anderen entzündlichen Vorgängen, die einer wiederkehrenden Behandlung bedürfen. Im Fall einer anstehenden lebensnotwendigen Operation wurde der Patient an die Notfallpraxis im benachbarten Frankfurt vermittelt.

Damit das Hilfsangebot auch in der Stadt bekannt wird und um die Hilfesuchenden auch längerfristig zu unterstützen, arbeiten die Malteser eng mit anderen Hilfsangeboten zusammen, etwa der Straßenambulanz der Caritas oder der Teestube für Obdachlose von Diakonie und Arbeiterwohlfahrt.

Für die weitere Zukunft hofft das Team der Malteser auf weitere ehrenamtliche Unterstützung. So werden etwa weitere Fachärzte gesucht oder weiteres medizinisches Personal. Auch Spenden, um bei komplizierten Fällen, etwa Operationen, helfen zu können, sind den Maltesern willkommen.

Dass einstige Patienten, etwa Mütter, die dank der Notfallpraxis entbinden konnten, mit ihren Kindern die Ehrenamtlichen besuchten, freut das Team um Zimmer und Türmer. „Diese Momente sind die schönsten im Praxisalltag“, sagt Zimmer. Die Ehrenamtlichen blicken daher zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sehen voller Freude dem zweiten Jahr unserer Praxis entgegen.“

Spenden für die Notfallpraxis werden beim Malteser Hilfsdienst e.V., IBAN: DE13 3706 0193 4001 1552 16, bei der Pax Bank eG Köln unter dem Verwendungszweck: MMM Offenbach angenommen.  som

Infos im Internet: malteser-offenbach.de

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