ESO ohne Perspektive?

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Ausschuss-Vorsitzender Bernhard Schönfelder sorgt sich um den ESO: „Wie wollen Sie künftige Klagen ausschließen?“

Offenbach - Bernhard Schönfelder rechnete wohl schon mal im Kopf zusammen: „Eine Verlegung wird teuer...“ Richtig. Die Diskussion um die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 633 „Wohngebiet östlich der Siemensstraße“ gewann im Umweltausschuss unerwartet an Brisanz, nahm eine Wendung ins Grundsätzliche. Von Martin Kuhn

Das hatte der CDU-Politiker als Vorsitzender selbst angestoßen mit Blick auf den Stadtbetrieb ESO: „Wie wollen Sie künftige Klagen ausschließen?“

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Eine Frage, die durchaus berechtigt ist, da mit dem „633er“ der Weg zur Errichtung von 70 massiv gebauten Reihenhäusern an der Siemensstraße bis Ende 2010 geebnet werden soll - in unmittelbarer Nachbarschaft zum Betriebshof des ESO in der Daimlerstraße. Und dort stinkt’s den Nachbarn ohnehin seit der Inbetriebnahme der Müllsortieranlage gewaltig. Einen juristischen Erfolg konnten die Anwohner nicht erreichen. Dennoch scheint allein diese Debatte ESO-Geschäftsführer Peter Walther nachdenklich zu machen. Und wie wird das wohl erst mit 70 neuen Nachbarn?

Walter erklärte vor dem Ausschuss: „Unsere Investitionsplanung setzen wir nicht am heutigen Standort um.“ Da wird es merklich ruhiger im Saal, als er hinzufügt: „Wir suchen Alternativen. Und wenn die Wohnbebauung jetzt kommt, müssen wir uns beeilen.“ Für eine notwendige Expansion sei der ESO an der Daimlerstraße ohnehin eingeschränkt.

Und noch ein Gast erhielt Rederecht: Katja Heinz, Projektleiterin der Deutschen Reihenhaus. Die Aktiengesellschaft hat sich auf den Bau hochwertiger, schlüsselfertiger Reihenhäuser spezialisiert - unter anderem in Köln, Bonn, Hanau, Koblenz, Kaiserslautern, Mannheim und Nürnberg. Nach Heinz’ Worten sind dem Unternehmen kritische Situation nicht neu: „Wir entwickeln gewerbliche Brachflächen; in Neubaugebieten finden Sie uns nicht.“ Ganz klar: Die Deutsche Reihenhaus AG steht für die Entwicklung der Städte von Innen heraus. Sie sieht ohnehin die Stadt in der Pflicht: „Was will die Kommune?“

Die vertritt im Ausschuss der Oberbürgermeister. Horst Schneider bemüht bewusst die lokale Geschichte: „Unsere Vorgänger haben auch einmal entschieden, dass die Feuerwehr aus der Stadtmitte an die Rhönstraße umzieht.“ Dass der ESO in der „Mittellage“ nicht richtig platziert sei, habe der Geschäftsführer geschildert - und dem wollte Schneider auch gar nicht widersprechen: „Der Standort muss nicht auf ewig bleiben.“

Was da im Rathaus und der ESO-Zentrale diskutiert wird, blieb offen. Räumliche Alternativen für eine Verlagerung gibt es nicht viele: die Müllverbrennungsanlage etwa oder den Allessa-Industriepark. Die Zukunfts-Debatte wird das Parlament beschäftigen. Schönfelder: „Schließlich ist der ESO eine städtische Gesellschaft.“

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