20 Jahre

Oldie-Club feiert runden Geburtstag

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Zwanzig Jahre Oldie-Club: Günter Doll und Wolfgang Boltes (rechts) erinnern sich noch an die Anfänge

Offenbach - Der Offenbacher Oldie-Club feiert runden Geburtstag. Seit 20 Jahren haben im Kulturpreisträger des Jahres 2011 die Fans der etwas älteren Rock- und Popmusik eine familiäre Heimat. Von Thomas Kirstein

Der Vorsitzende und der Gründervater müssen nachdenken, als ihre spontane Erinnerung an das unvergesslichste Vereinsereignis gefragt ist. Der städtische Kulturverwalter Günter Doll, dessen Initiative vor 20 Jahren sich der Oldie-Club Offenbach verdankt, nennt einen „Marathon“ in Rödermark, bei dem 26 Bands für einen guten Zweck musizierten. Wolfgang Boltes, der aktuelle Chef des OCO, schildert genüsslich besondere Umstände einer frühen „Riverboat-Shuffle“:.

Als sich bei „gefühlten 50 Grad“ am Isenburger Schloss mehr als 550 Oldiefans einfinden, flüchtet ob der Masse entsetzt die Hälfte der Bedienungen vom Fahrgastschiff „Nautilus“; aber niemand muss später verdursten, denn der OCO-Vorstand packt mit an und kellnert fleißig mit.

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Staraufgebot zum runden Jubiläum

Eigeninitiative und Zusammenhalt prägen den Verein seit den Anfängen im Frühjahr 1993. Damals hat Günter Doll Mitstreiter für das Unterfangen gesucht, der im Rhein-Main-Gebiet aufblühenden Oldie-Szene auch eine Basis in Offenbach zu schaffen. Erfolgreich, zur Gründungsversammlung treffen sich 47 Gleichgesinnte. Darunter sind Rock’n’Roller Buddy Caine, Sparkassen- mann und Musiker Peter Bauer, Gemaa-Vorsitzender und Veranstalter Erwin Katzer sowie Offenbach-Post Redakteur Klaus Wenk.

Wenig Geld, viel private Initiative

In der Folge wuchert der Club im besten Sinne. 430 Mitglieder aus Stadt und Kreis Offenbach, Frankfurt und bis in den Rheingau und die umliegenden Mittelgebirge hinein zählt er heute. Fans wie Musiker, 50 Band nutzen den OCO inzwischen als Plattform. Angebot und Engagement sind mit höchsten lokalen Würden anerkannt: 2011 erhält der Verein den Kulturpreis einer Stadt, die für Kultur wenig Geld hat, aber auf ganz viel private Initiative setzen darf. „Das hat uns schon sehr stolz gemacht“, gesteht Wolfgang Boltes, dessen Frau Iris als Anzeigensammlerin ein weiteres wichtiges Element der Vereinsaktivität ermöglicht: Die Publikation „Was issen los?“ ist gleichermaßen gedrucktes Bindeglied wie Schaufenster des OCO.

Es sind in der Regel Menschen zwischen 40 und über die 60, die sich in diesem Verein wohl und heimisch fühlen. Doll und Boltes betonen das Familiäre in einem harten Kern, dessen Offenheit die Kontaktaufnahme für Neue so einfach mache. Der OCO ist somit beste Adresse, um Gesellschaft zu finden und Einsamkeit zu überwinden. „Im Gegensatz zu manch einer anderen Musikervereinigung sind wir ein richtiger Verein“, sagt Günter Doll.

Das manifestiert sich bei rund 30 Veranstaltungen im Jahr, die stets für jedermann offen sind und gut 4000 Leute erreichen. Teils ist der Eintritt frei, denn die Bands im Verein verpflichten sich zu Auftritten ohne Gage.

Junge „Oldies“

Orte sind im Sommer das Waldschwimmbad mit dem stimmungsvollen Live-am-Pool-Donnerstagen, im Winter das Bowlingcenter Bieber, das Bürgerhaus Rumpenheim für den Jahresauftakt, der ORV-Saal für die Weihnachtsfeier und Schiffe der Nauheimer-Linie für die beiden Riverboat-Shuffles auf dem Main. Um das Rechnen zu ersparen: Gut 600 Veranstaltungen sind’s seit der Gründung gewesen.

Das „Oldie“ im Namen ist längst als verjüngt zu betrachten. Den einstigen musikalischen Kern bildeten lokale Größen wie Steps, Wheap (mit dem 2009 verstorbenen OCO-Motor Wolfgang Papendick), Candles oder Merlin’s Fantasy Farm.

Die auf die 50er und 60er Jahre fixierte Rock’n-Roll- und Beat-Generationen der ersten Stunde müssen zunehmend auch mal spätere, härtere Gangarten tolerieren. Klassik- und Bluesrock ist bereits OCO-Standard, für die Party darf’s auch deutscher Schlager sein. Das zum Motto gereifte Wortspiel darf mit „Niemand!“ beantwortet werden: „Wer beatet mehr?“

Erlaubt ist auf den Bühnen des Oldie-Clubs praktisch alles, was schon ein paar Tage auf dem Buckel hat. Bloß für Hiphop oder Techno sehen Günter Doll und Wolfgang Boltes nicht das passende Publikum in ihren Reihen.

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