Oldie-Club Offenbach

Ende mit weinenden Augen

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Ein Bild aus mittlerweile vergangener Zeit: Das letzte Konzert des Oldie-Clubs Offenbach vor dem Abriss des Bieberer Bowlingcenters war gut besucht.

Bieber - Werden Verstorbene zu Grabe getragen, ist der Leichenzug oft mit dem „Trauermarsch“ von Frédéric Chopin untermalt. Ganz so dramatisch wie der Tod eines Menschen ist das, was das Bieberer Kulturleben hinnehmen muss, nicht. Von David Heisig 

Allerdings verliert der Offenbacher Oldie-Club mit dem Bowlingcenter an der Schlossmühlstraße zum Jahresende eine Kulturstätte. Ebenso der Stadtteil. Und Maritza und Ivo Brandic, Betreiber der dortigen Gaststätte, ihre Lebensgrundlage. Die Abrissbirne wird anrücken. Der Eigentümer hat das Grundstück verkauft, Reihenhäuser sollen entstehen. Bauzäune und Brachland zeugen von dem Bevorstehenden.

Infos unter www.oldie-club-offenbach.de

Zwölf Jahre und rund 150 Veranstaltungen lang waren die Rock’n’Roller im Bowlingcenter zu Hause. Acht Jahre davon mit den Eheleuten Brandic. „Das war für uns eine schöne Zeit“, erzählt der Vorsitzende Wolfgang Boltes. Vor kurzem musste Abschied gefeiert werden. „Wir hätten uns nichts anderes gesucht, wenn das Lokal bestehen bleiben würde“, sagt Volker Röhm vom Verein. Aber man brauche wenigstens ein paar Monate Planungssicherheit. Daher geht es ab Januar im Waldeck weiter. „Das hat alles gepasst“, sagt er zur Zusammenarbeit mit den Brandics. Die tiefer gehende Erkenntnis, dass der Oldie-Club auch seine Heimat verliert, bescheidet er mit einem knappen Ja. Es sei ein „beklemmendes Gefühl“, wenn man auf die zwölf Jahre etablierte Unterhaltung zurückblicke.

Leid tut es Röhm für die Betreiber. „Ivo ist traurig, dass wir weggehen“, sagt Boltes. Er suche zwar etwas Neues, die Hängepartie habe aber an den Nerven gezerrt. Gefunden hat er bisher nichts. Die Wirtsleute sind am Abend in Küche, hinter den Tresen und im Service eingespannt. Der Rubel rollt bei Schnitzel, Bier und Kurzen. Wäre das Aus nicht beschlossene Sache, könnte man von einem erfolgreichen Abend sprechen. Zur Lage sagen können sie nichts: zu viel zu tun. Viele Gäste sind seit längerem mal wieder da. Man merkt: Der Abschied naht. Alfred Maul ist mit seiner Begleitung hingegen Stammgast. Die Oldies gingen zu den Oldies, lachen beide. Den Abriss des Bowlingcenters sehen sie mit Wehmut. „Das gibt’s ja schon ewig hier“, meint sie. „Wieder ein bisschen Kultur weniger in Offenbach“, sagt Maul. „Wie bei einer Familie“, habe man sich gefühlt, sagt Lucie Schiller vom Oldie-Club. „Das Leben ist im Fluss“, ergänzt sie mit Blick auf die neuen Pläne.

Einen Rahmen für kleinere Konzerte mit 80 bis 120 Gästen finde man im Stadtteil nicht so einfach, bedauert der Oldie-Club. „Schade“, betont auch Günter Doll, lange für das Kulturamt der Stadt tätig und immer noch bei Veranstaltungen aktiv. „Der Tross zieht weiter“, ist seine pragmatische Einstellung.

Also ehrt der Oldie-Club die Lokalität noch einmal mit einem musikalischen Gruß. Nicht Chopin, eher Stones, Santana und The Byrds. Gespielt von „Twinfish & The Virgins“. Eine kleine Bühne ist aufgebaut. Davor genug Platz, um sich auszutoben. Das Publikum, rund 120 Menschen, applaudiert, tanzt und schwelgt in Erinnerungen. Es scheint fast so, als wollten die Gäste das Unvermeidbare durch Schwofen hinauszögern. Sicher ist, dass der Oldie-Club eher mit zwei weinenden Augen als dem einen lachenden eine neue Heimat etablieren muss. In guter Rock’n’Roll-Manier zum Abschied zerlegt wurde die Gaststätte nicht. Dazu sei man „zu grundsolide“, lacht Boltes. Mit einem Knall wolle man sich nicht verabschieden. Das sei nicht ihr Stil. Am Ende gibt es für die Eheleute Brandic ein paar Blümchen.

Gegen den Abschiedsschmerz soll auch Engagement helfen. „Jahres-Kick-Off“ und „Riverboat-Shuffle“ werfen ihre Schatten voraus.

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