Junge Russin aus Orjol besucht Pfarrer und Kindergärten.

Für Olga ist hier alles so schön sauber

+
Studentin Olga Kowalenko aus Orjol lernt zwei Monate lang die Partnerstadt Offenbach kennen.

Offenbach - Wenn Olga Kowalenko über Offenbach spricht, zieht ein Strahlen in ihr Gesicht. „Jeder, den ich hier treffe, ist freundlich und hilfsbereit“, sagt sie. Dann verblüfft sie mit der Aussage: „Diese saubere Stadt! Alles ist hier so sauber“. Von Lothar R. Braun

Wer das anders sieht, meint sie, „der war noch nie in Russland“. Die 21jährige Studentin genießt zwei Offenbach-Monate, um hier Studien zu treiben. Den Aufenthalt und ihre Rumpenheimer Gastgeber hat ihr der Club Offenbach-Orjol vermittelt, der die Beziehungen mit der russischen Partnerstadt gestaltet und immer wieder Orjoler Studenten eine Offenbach-Reise ermöglicht.

Wie bei den früheren Besuchern ist das für Olga keine reine Vergnügungsreise. Sie sammelt hier Material für zwei Arbeiten: für eine Jahresarbeit über Religion in Deutschland und die Diplomarbeit, die Unterschieden zwischen orthodoxem, evangelischem und römisch-katholischem Kirchenleben behandeln wird. Gespräche mit Seelsorgern und Besuche in Kindergärten und anderen kirchlichen Einrichtungen haben Olga neue Erkenntnisse verschafft. „Ich habe immer gedacht, die evangelische Kirche stehe der orthodoxen in Glaube und Brauchtum näher als die katholische“, sagt sie. „Jetzt sehe ich das gerade umgekehrt“.

Den Kontakt zu ihren Rumpenheimer Gastgebern Martina und Jochen Winter fand Olga, als die Winters im vergangenen Jahr mit dem Club Offenbach-Orjol die Partnerstadt besuchten. Da konnte Olga auf Anhieb die Frage beantworten, warum es in orthodoxen Gotteshäusern keine Orgeln gibt: „Weil nach unserer Auffassung allein die menschliche Stimme geeignet ist, Gott zu preisen“. Damit fiel sie auf.

Den Winters bescherte das einen anregenden Gast von heiterem Wesen. „Sie sind wie Eltern zu mir“, sagt sie. „Jetzt habe ich sogar einen deutschen Opa und eine deutsche Oma“. Der Stadt Offenbach brachte es eine Bewunderin. Vom Büsingpalais schwärmt Olga in makellosem Deutsch: „So ein schönes Gebäude!“ Von der Stadtbibliothek ist sie angetan, weil sie aus ihrer Heimat keine Freihand-Bücherei kennt, in der man umhergehen, stöbern und selbst auswählen kann.

„Allen Offenbachern“ möchte sie danken für die gewährte Gastfreundschaft. Aber es gebe in Orjol noch viele Studenten und Studentinnen, die auf die Chance eines Besuchs hoffen. Von unschätzbarem Wert sei das vor allem für junge Leute, die in Orjol Deutsch lernen: „Auch der beste Unterricht kann die Alltags-Begegnung mit der Sprache nicht ersetzen“.

Mit nach Hause nimmt Olga auch einen neuen Blick auf sich selbst. Staunend erlebte sie eine Frauengruppe, die in kirchlichen Räumen Volkstänze übte. Nachdem sie sich hatte einreihen müssen, überraschte die Leiterin sie mit dem Satz: „Olga, Sie haben Talent als Tänzerin“. Olga erzählt es mit einem vergnügten Lachen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare