„Festival der Chöre“

Chor erfüllt viele soziale Aufgaben

+
Sopranistin Maike Henningsen nimmt regelmäßig den Weg von Hanau nach Offenbach auf sich, um mit der Kantorei zu proben.

Im Prinzip werde ich im Chor dieses Jahr 18! In Wirklichkeit bin ich 34 Jahre alt, aber bereits mit knapp 16 Jahren als aktive Sängerin im Sopran im - damals noch - Offenbacher Kammerchor eingestiegen. Von Maike Henningsen

In Offenbach gewohnt habe ich nie, bin immer gependelt von Hanau, Frankfurt, Wiesbaden. Seit 2008 heißt der Chor ja nun Offenbacher Kantorei, dennoch ist er für mich die gleiche Heimat und wichtiger Punkt in der Woche und meinem Leben geblieben.

Ich bin im Chor groß geworden, da sich meine Eltern Ende der 60er Jahre im Offenbacher Kammerchor kennen und lieben gelernt haben. Schon als Kind habe ich Chorfest und -reisen sowie Probenwochenenden intensiv erlebt, mein Vater singt heute noch mit, so dass der Chor auch ein Teil meiner Familie ist. Mittlerweile habe ich selbst zwei kleine Kinder, die ich immer gleich direkt nach der Geburt mit in die Probe genommen habe und die von daher gleich richtig auf Musik eingestimmt wurden - auch wenn ich meinen Mann nicht im Chor kennen gelernt habe!

Es gibt immer genügend Helfer

Beruflich habe ich mit Musik nichts zu tun, wohl aber mit der Kirche, da ich als Sozialpädagogin im Evangelischen Regionalverband Frankfurt am Main in der Jugendhilfe arbeite. Und damit schließt sich der Kreis zum Chor, denn die Offenbacher Kantorei ist zwar ein Verein, aber in der Kirche verortet.

Seit über zehn Jahren bin ich nun auch im Vorstand aktiv und es macht mir immer wieder Spaß, mich an der Weiterentwicklung der Offenbacher Kantorei zu beteiligen und mich dafür zu engagieren. Besonders in den vergangenen zwei Jahren, als es um die Fusion des Kammerchores mit der Kantorei der Luthergemeinde ging, ist viel passiert und behutsam auf einen guten Weg gebracht worden. Der Vorstand des Chores ist nun ein verhältnismäßig junges Gremium mit vielen Ideen und noch mehr Energie, der in Dekanatskirchenmusiker Tobias Koriath einen guten Gegenspieler gefunden hat. Sehr angenehm macht die Arbeit aber auch die Rückendeckung, die der Vorstand durch den Chor erfährt. Egal, ob ein Buffet für ein Orchester bereitzustellen ist, Briefe für Konzerteinladungen gefaltet und eingetütet oder Plakate geklebt werden müssen - es gibt immer genügend Helfer, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Chor dient nicht nur dem Singen, sondern erfüllt auch viele soziale Aufgaben.

Pluspunkt: Familienfreundlichkeit des Chores

Für viele erscheint der Freitag als Probentermin ungünstig, für mich ist er ein gelungener Auftakt fürs Wochenende. Den Arbeitsalltag abstreifen, lieb gewonnene Menschen treffen, ein musikalisches Ziel verfolgen, nach der Probe noch entspannt in die Kneipe gehen (wohl wissend, dass man am nächsten Morgen etwas länger schlafen kann), Spaß am Singen haben und neue Chorliteratur kennen lernen - all das sind Gründe für mich, warum ich seit Jahren von Hanau nach Offenbach komme.

Sehr zu schätzen weiß ich auch die Familienfreundlichkeit des Chores: Es ist nie ein Thema gewesen, dass junge Eltern ihre Babys mit in die Probe bringen konnten, es gibt immer eine finanzielle Unterstützung für Familien mit Kindern, wenn es um das jährliche Probenwochenende oder gelegentliche Konzertreisen geht und da in Offenbachs Kirchenlandschaft und speziell in der Luthergemeinde für Kinder einiges angeboten wird, kommt dies meiner familiären Situation entgegen.

 Bezeichnend ist die sehr breit gefächerte Struktur der Mitglieder, vom Alter bis zur sozialen Herkunft. Die Hemmschwelle mitzusingen wird in finanzieller Hinsicht bewusst ganz niedrig gehalten, dennoch gibt es viele Mitglieder, die über den monatlichen Mitgliedsbeitrag von einem Euro hohe Beträge spenden, um die Chorarbeit voranzubringen und Konzerte zu ermöglichen.

Insbesondere unbekanntere Werke liegen Tobias Koriath am Herzen und er hat damit sowohl dem Chor als auch dem (dann leider nicht immer so zahlreichen) Publikum schon einige musikalische Leckerbissen serviert. Für mich ist die Offenbacher Kantorei DER Chor in Offenbach, der vor allem neuen Chorsängerinnen und -sängern immer mit offenen Armen begegnet!

Infos zur Offenbacher Kantorei

Historie: Am 1. Januar 2008 aus Kammerchor und Kantorei der Luthergemeinde gegründet. Die Leitung hat Tobias Koriath seit 2004.

Repertoire: vom Weihnachtsoratorium bis hin zu Raritäten

Chorleben: etwa 70 Mitglieder

Kontakt: Tobias Koriath, z 83 00 99 65, Infos unter www.offenbacher-kantorei.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion