„Festival der Chöre“

Das Lebenselixier Kantorei

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Liest Noten erst mit den Ohren und dann mit den Augen: Christiane Schöwer mit der Rumpenheimer Kantorei, die beim „Festival der Chöre“ mit einigen Stücken antreten wird.

Es ist von überraschend hohem Reiz, über die eigene Sing-„Karriere“ nachzudenken. Wenn man wie ich 60 Jahre ist und das Arbeitsleben weitgehend abgehakt hat, wird der Blick auf die anderen lebenswichtigen Aktivitäten klarer. Von Christiane Schöwer

Durch den diesjährigen Offenbacher Chorwettbewerb bin ich in die Situation geschubst worden, meine Biografie nach sängerischen Erfahrungen abzuklopfen. Und plötzlich merke ich, dass es ein richtig spannendes Unterfangen ist, da ich rund 55 Jahre zu betrachten habe.

Mein Name ist Christiane Schöwer, ich bin echte Winzertochter aus Nierstein am Rhein. Aus Kindertagen ist mir bis heute das gemeinsame Singen aller Traubenleser am letzten Erntetag besonders eindrücklich geblieben, wenn es inbrünstig durch die Weinberge klang: „Großer Gott, wir loben Dich“ und „Nun danket alle Gott“.

„Beim Bumm-Bumm der Pauke duckten wir uns weg“

Ohnehin wurde im Weinberg immer gesungen. Die aktuellen Schlager der fünfziger und sechziger Jahre von „Charly Brown“ über „Tom Dooley“ und natürlich Elvis Presleys „Muss i denn zum Städele hinaus“, das meine Mutter sehr mochte. Genau so engagiert wurden Lieder von Rudolf Schock, Lale Andersen oder Rudi Schuricke geschmettert.

Wie damals auf dem Dorf üblich, war ich im Turnverein und im Kinderchor. Besonderen Spaß hatten wir beim Singen von „Die Geige beginnt...“. Unser Chorleiter, ein schon etwas älterer Herr, übte Artikulation und Intonation mit uns ein, indem er sie überdeutlich vorführte. Beim Bumm-bumm-bumm der Pauke sprühten dann Speicheltröpfchen durch den Raum und wir duckten uns kichernd weg.

Nach der Schule und schon im richtigen Arbeitsleben als Medienpädagogin, sang ich nach jahrelanger Pause in Göttingen und Braunschweig in ansässigen Chören. Reizvoll war die völlig unterschiedliche Chorliteratur. Ob Musicals, Madrigale, Evergreens oder Kirchenmusik, ich sang und singe den Mix heute noch gerne. Deshalb habe ich an etlichen Workshops teilgenommen, die neue Impulse geben und den eigenen Mut durch Improvisation fördern. Ich gehöre zu den Sängerinnen, die hauptsächlich über die Ohren lernen. Zwar kann ich Noten lesen, aber richtig sinnvoll nutzen kann ich sie erst, wenn ich ungefähr den Klang eines neuen Stückes im Ohr habe.

Eine Reihe junger Menschen in unserer Mitte

Seit 1997 lebe ich im Raum Offenbach, jetzt in Rumpenheim, wofür die Rumpenheimer Kantorei verantwortlich ist. Als ich vor neun Jahren wieder einen Chor suchte, um nicht jeden Abend am Arbeitsplatz kleben zu bleiben, kam ich im Buchladen mit einer Sängerin ins Gespräch, die etwas später „Kommen Sie doch zu uns! Wir sind eine nette Chorgemeinschaft.“ sagte. Seitdem bin ich glückliche Sängerin in diesem Chor. Selbst mit dicken Kopfschmerzen, ohne Abendbrot direkt von der Arbeit oder hundemüde, bin ich in fast jeder Chorprobe erschienen. Nach spätestens einer halben Stunde Gesang war ich beschwerdefrei und munter.

Inzwischen gibt es einige Freundschaften und viele Kontakte, die ich nicht mehr missen möchte. Dass ich inzwischen auch hier wohne, gefällt mir besonders, weil viele „um die Ecke“ erreichbar sind. Manche Chöre leiden an Nachwuchsmangel, schrumpfen von Jahr zu Jahr. Glücklicherweise ist das bei uns nicht so extrem, wir haben eine Reihe junger Menschen in unserer Mitte, die unseren Gesang bereichern und trotz ihrer oft noch kleinen Kinder die Chorproben nicht versäumen. Unsere junge, sehr engagierte Chorleiterin Johanna Krell, die uns mit großer Kompetenz und viel Humor leitet, hat daran großen Anteil.

 Einmal im Jahr fahren wir zum Chorwochenende, an dem sie uns mit Stimmbildung und Einzelstimmproben fördert, was unseren jährlichen großen Konzerten zugute kommt. Darüber hinaus erfreuen wir uns an dann auch am Wandern und abendlichen Spielen in fröhlicher Runde. Monatliche Plauderstündchen nach einer Probe halten unsere Gemeinschaft lebendig und ermöglichen den Austausch zu Problemen und Aktivitäten. Hier entstehen oft Ideen für Unternehmungen. Für einen eingefleischten Single wie mich sind das wichtige soziale Kontakte, die ich nicht missen möchte.

Da die Rumpenheimer Kantorei zur Evangelischen Schlossgemeinde gehört, singen wir überwiegend geistliche Musik bei Gottesdiensten und Gemeindefesten und bekommen so Anerkennung, die uns gut tut und anspornt. Auf das Chorfestival freut sich der ganze Chor, denn zum ersten Mal beteiligen wir uns mit einigen Stücken.

Infos zur Rumpenheimer Kantorei

Historie: Im September 1983 wurde die Rumpenheimer Kantorei, damals noch als Singkreis, gegründet.

Repertoire: Geistliche Musik von Bach, Händel, Elgar, Schütz, Mozart und anderen. Gelegentlich Gospels und weltliche Chorlieder.

Chorleben: Derzeit singen im Chor 47 Sängerinnen und Sänger. Die zweistündigen Chorproben beginnen montags um 20 Uhr im Gemeindehaus in der Dornbergerstraße 20. Monatliche Plauderstündchen nach einer Probe halten unsere Gemeinschaft lebendig und ermöglichen den Austausch. Und in warmen Zeiten häufen sich die Verabredungen, sich dann noch im Biergarten zu treffen. Auf das jährliche Chorwochenende freuen wir uns ganz besonders, da hier Arbeit und Vergnügen intensiv erlebt werden können. Dazu gehören auch Wanderungen und abendliche Spiele in fröhlicher Runde. Hier entstehen oft Ideen für Unternehmungen. Runde Geburtstage sind natürlich ein willkommener Anlass, gemeinsam zu feiern. Und auch unsere Weihnachtsfeier, die liebevoll gestaltet wird, zählt zu den Höhepunkten. Der Kantorei fehlen seit einigen Jahren Tenöre. Vier Frauen verstärken die beiden Männer, und es wäre schön, wenn uns bald neue Sänger unterstützen würden, da wir demnächst wieder mit neuen Projekten beginnen.

Kontakt: Johanna Krell, z 069 863075, Mail: JohannaKrell@gmail.com; Gisela Schork, z 069 865968, Mail: giselaschork@gmx.de.

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