Scheu muss nur besiegt werden

OP-Leser lernen, wie man bei einem Herzstillstand Hilfe leistet

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100 Mal pro Minute kräftig auf den Brustkorb drücken: Unter Anleitung von Alexander Rudolf vom Malteser Hilfsdienst (Mitte, weißes Hemd) übten die Teilnehmer die lebensrettende Herzdruckmassage.

Offenbach - Im Notfall zum Lebensretter zu werden, ist gar nicht so schwierig. Es kostet nur Überwindung. Diese Erfahrung machten gestern 21 Leser unserer Zeitung bei einer Schulung mit Notarzt Dr. Matthias Zimmer und Alexander Rudolf, Erste-Hilfe-Ausbilder beim Malteser Hilfsdienst. Von Steffen Müller

Sechs Minuten braucht in Offenbach durchschnittlich ein Notarzt, bis er am Unfallort eintrifft. Das ist zwar recht schnell, reicht aber bei einem Herzstillstand meist nicht aus, um das Leben des Patienten zu retten, falls vorher keine lebensrettenden Maßnahmen ergriffen werden. „Wenn aber bis zum Eintreffen der Ärzte eine Herzdruckmassage durchgeführt wird, erhöht sich die Überlebenschance um das doppelte“, erläutert Matthias Zimmer unseren Lesern in seinem Vortrag.

Bevor es in die Praxis ging, erklärte Dr. Matthias Zimmer anhand von Grafiken, was bei einem Herzstillstand zu beachten ist.

Zimmer und Rudolf sind gemeinsam mit vier Puppen in unser Verlagshaus gekommen und erklären den Teilnehmern, wie bei einem Herzstillstand richtig reagiert wird. Drei Schritte sind dabei zu beachten: prüfen, ob der Patient noch atmet; auf jeden Fall den Notarzt alarmieren; danach umgehend mit der Herzdruckmassage beginnen – sprich 100 mal pro Minute etwa in die Mitte des Brustkorbs drücken.
Ob man dabei in Kauf nehmen könne, dass die Rippen brechen, möchte René Andres wissen. Eine Frage, die Matthias Zimmer häufig zu hören bekommt. „Eine gebrochene Rippe heilt, ein gebrochenes Herz meistens nicht mehr“, wirbt der Mediziner dafür, ohne Rücksicht auf Verluste die Herzdruckmassage anzuwenden. „Am schlimmsten ist es, gar nichts zu tun.“

Mit einer Stammzellspende Leben retten

Zunächst musste die Scheu überwunden werden, dann drückten die Teilnehmer munter auf die Puppen drauf ein.

Damit nicht nur in der Theorie erfahren wird, wie die Herzdruckmassage angewendet wird, geht es schnell in die Praxis über: Alle drei Schritte werden an einer Attrappe simuliert. Die Teilnehmer prüfen die Atmung, alarmieren den (fiktiven) Notarzt und beginnen mit der Wiederbelebung.
Dies ist einfacher als erwartet. „Ich hätte gedacht, dass es schwerer wäre“, sagt René Andres. „Man muss nur einmal seine Scheu überwinden. Die Technik ist auch gar nicht so schwierig. Als Laie hätte ich mich aber nicht getraut, in einem Notfall an jemanden heranzugehen.“
Auch Leserin Herta Werkmann hat ihren Respekt vor der Herzdruckmassage abgelegt. „Vorher hätte ich nicht gewagt, so etwas durchzuführen. Jetzt würde ich bei einem Notfall sofort reagieren und helfen.“

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