Ein Opel, den es nicht gibt

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Die Kundschaft kann mit dem neuen Opel Astra zwar erst bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September in Frankfurt auf Tuchfühlung gehen, doch für Fachjournalisten läuft seit der vergangenen und teils noch in dieser Woche die Designpräsentation des Modells in Offenbach.

Offenbach - In diesen Tagen darf der oberste Offenbacher Flughafenausbau-Gegner Paul-Gerhard Weiß etwas milder gen Himmel blicken als sonst, wenn die Jets über die Stadt donnern. Von Marcus Reinsch

Denn außer dem üblichen Krach bringen sie viele Menschen, die einem anderen politischen Glaubensbekenntnis des FDP-Stadtrats direkt oder indirekt dienen könnten: der Idee von der „Kreativstadt Offenbach“. Der Autobauer Opel lässt Journalisten einfliegen, um ihnen in der riesigen modernen Glas-und-Stahl-Halle auf dem Egana Goldpfeil-Areal an Offenbachs Kaiserstraße Form und Funktion des neuen Astra zu präsentieren.

„Design-Workshop“ nennen das die Opel-Kreativen. Dass die sonst in Rüsselsheim sitzen und der Auto-Fachpresse der Ort der Präsentation keine Erwähnung wert sein dürfte, solange das Ambiente stimmt, ist da eher nebensächlich. Elementar wichtig ist hingegen die Chance, dass sich in der Welt der Werber und Trommler herumspricht, wie stilvoll es sich in Offenbach auch jenseits der rein funktionalen Messehallen werben und trommeln lässt.

Erster Blick auf den neuen Astra in Offenbach

Erster Blick auf neuen Astra in Offenbach

Eine unbekannte Größe ist die Stadt in der Branche schon jetzt nicht mehr. Der Schlachthof beispielsweise, längst Schmuckstück, hat schon manche Präsentation erlebt. Die Trends der Schuhmode wurden dort vorgestellt, und auch der nun mit der Astra-Schau befasste Motorshow-Manager Vijay Iyer hat die Immobilie bereits genutzt.

Die Goldpfeil-Halle, hinter der altehrwürdigen Fassade und dem Werksverkauf des einstigen Lederwaren-Primus ein charmant moderner Anblick, wurde Iyer von einer Wiesbadener Agentur vermittelt. Optik und Interieur des Glaskörpers vertrugen sich gut mit den Ansprüchen des Autobauers. „Wir wollten etwas haben, das modern ist und gut zum Auto passt“, sagt Iyer. Und zu den Ansprüchen der Fachjournalisten passt es auch. Die müssen die Gastgeber genau kennen. Viele Schreiber können es sich schon zeitlich nicht leisten, einem Termin zwei Tage zu opfern, fliegen am Morgen zur Präsentation, am Nachmittag zurück und haben den Text am Abend fertig. Daran orientiere sich nicht alleine die Wahl des Veranstaltungsortes - die Nähe zum Frankfurter Flughafen ist kein schmeichelhaftes, aber ein schlagkräftiges Argument für den Standort Offenbach -, sondern auch der zeitliche Ablauf.

Journalisten wollen schnell, knapp und gut das Produkt gezeigt bekommen“, erklärt Produktmanager Patrick Munsch. Also nehmen die Gäste alle Informationen („22 Zentimeter länger als der neue Golf!“) und Fotos auf einem Speicherstick mit, den ein Profifotograf auf Wunsch mit individuellen Aufnahmen füllt, verfolgen die Vorstellung des Autos, schenken den Stationen mit Farb- und Polstervarianten und Ablagekonzepten Interesse, begucken nostalgisch die zwecks Verdeutlichung des Fortschritts ausgestellten alten Opel Kadetts, klären Fragen mit den Ansprechpartnern, sitzen den aktuellen Astra Probe und verabschieden sich Richtung Flieger oder Zug.

Mit dem neuen Produkt wegfahren könnten sie nicht. „Designpräsentation“ bedeutet, dass da ein Auto angefasst werden kann, das es noch gar nicht gibt. Premiere hat der Astra erst zur IAA im September. Was in Offenbach zu sehen ist, ist aus Fiberglas und Ton modelliert. Aber dem Laien fällt kein Unterschied auf, und „um das Design zu verstehen, ist es komplett“, sagt Munsch.

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