Im Februar beginnen die Bauarbeiten

Kaiserlei-Umbau: Operation am offenen Herzen

Zukunft: Die Berliner Straße unterquert kreuzungsfrei die A661.
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Das ist der Kaiserlei-Kreisel heute - so soll es in Zukunft aussehen.

Offenbach - Der Umbau des Kaiserlei-Kreisels zwischen Offenbach und Frankfurt ist eines der größten Verkehrsprojekte Hessens und gilt als Meilenstein der städtebaulichen Entwicklung. Autofahrer brauchen während der dreijährigen Bauarbeiten allerdings gute Nerven. Von Carsten Müller

Wenn im Februar die Bagger anrollen, müssen sich die ohnehin leidgeprüften Auto-Pendler auf zusätzliche Behinderungen rund um den Kaiserlei einstellen. Bis zum Abschluss der Arbeiten Ende 2019 sind Sperrungen von Straßen und Umleitungen unumgänglich, wie es jetzt bei der Vorstellung der einzelnen Bauabschnitte im Offenbacher Rathaus hieß. Zwar soll der Kreisverkehr als zentraler Dreh- und Angelpunkt bis zum Schluss erhalten bleiben, so Markus Eichberger, Leiter des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement der Stadt Offenbach, doch werden beispielsweise die Zufahrten in das Rondell schon im Sommer 2017 von Ampeln geregelt, was erheblich stärkere Rückstaus erwarten lässt – in Richtung Stadt und besonders auch auf der Berliner Straße. „Wir operieren am offenen Herzen, ganz ohne Störungen wird es nicht gehen“, sagt Eichberger mit Blick auf die Zeit bis 2019.

Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von über 37 Millionen Euro gilt als eines der größten in Hessen. An der Finanzierung beteiligen sich der Bund (8,8 Millionen), das Land Hessen (15,6 Millionen), die Städte Frankfurt (8,7 Millionen) und Offenbach (1,2 Millionen), hinzu kommen Straßenbeiträge der Grundstückseigentümer in Höhe von 2,8 Millionen Euro. 2012 war man noch von Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro ausgegangen.

Mit täglich 66.000 Fahrzeugen ist der Kreisel an seiner Belastungsgrenze angekommen. „Die Balance zwischen Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss war nicht mehr gegeben“, umschreibt Eichberger die Tatsache, dass im Kreisel viel zu hohe Geschwindigkeiten gefahren werden, die ein Einfädeln erschweren, weswegen sich an den Zubringern im Berufsverkehr lange Rückstaus bilden.

Themenseite zum Kaiserlei-Umbau

Ein Thema war die Entwicklung des Kaiserlei seit dem städtebaulichen Wettbewerb 1993. Fixiert wurde das Vorhaben 1999 in einem Vertrag zwischen Frankfurt und Offenbach. Dennoch gingen viele Jahre ins Land, bis mit der Entwurfsplanung begonnen werden konnte. Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider hätte aus dieser mitunter von nachbarschaftlichen Animositäten geprägten Zeit wohl einige Anekdoten beisteuern können, doch der Rathauschef fehlte gestern krankheitsbedingt.

Dabei war er es, der mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth im Februar 2012 einen „Letter of Intent“ auf den Weg brachte, der als Durchbruch für die städtebauliche Entwicklung des Stadtteils gilt, dem wegen des EZB-Neubaus und der neuen Mainbrücke zusätzlicher Verkehr ins Haus steht. So werden für das Jahr 2020 täglich 79.000 Autos prognostiziert. Der Umbau soll rund 23.000 dieser Fahrzeuge auf die neu entstehende Kaiserleipromenade verlagern.

Natürlich gibt es finanzielle Begehrlichkeiten: Die Erschließung von 1,8 Hektar brach liegender Fläche in der Kreiselmitte und weiterer rund 13 Hektar Gewerbefläche durch die neu zu bauende Kaiserleipromenade verspricht der klammen Stadt Offenbach im Dienstleistungspark Kaiserlei zusätzliche Einnahmen.

Bilder: So soll der Kaiserleikreisel nach dem Umbau aussehen

Kaiserleikreisel in Offenbach: Visualisierungen zum Umbau
Kaiserleikreisel in Offenbach: Visualisierungen zum Umbau
Kaiserleikreisel in Offenbach: Visualisierungen zum Umbau
Kaiserleikreisel in Offenbach: Visualisierungen zum Umbau
Bilder: So soll der Kaiserleikreisel nach dem Umbau aussehen

Den Planungen zufolge sollen die bislang am Kreisel zusammentreffenden Verkehrsströme künftig getrennt geführt werden. Der kleine Grenzverkehr zwischen Offenbach und Frankfurt läuft dann kreuzungsfrei über die Berliner Straße, zwischen der europäischen Hyundai-Zentrale und der Mercedes-Benz-Niederlassung in einem weiten Bogen bis zur Strahlenbergerstraße. Diese wird weiter ausgebaut und dient mit dem ampelgeregelten Knoten unterhalb der A661-Überführung als Autobahnzubringer.

Für Planer und Bauausführende ist das nicht nur wegen der vielen Beteiligten ein Mammutprojekt, auch die schiere Zahl der Einzelmaßnahmen wirkt gewaltig: Entlang der A661 werden sowohl aus südlicher wie auch aus nördlicher Richtung jeweils zwei Abfahrtsrampen errichtet. Dafür müssen 3,5 Kilometer Bohrpfähle bis zu 60 Meter tief in den Boden gerammt werden und Stützwände auf 300 Meter Länge gegossen werden.

Insgesamt 13 Kreuzungspunkte mit Ampelanlagen werden neu eingerichtet, 1,8 Hektar Grünflächen gestaltet und fast 2,5 Kilometer Entwässerungsleitungen verlegt. Ganz zu schweigen von den neu zu verlegenden Leitungen weiterer Ver- und Entsorger. 40.000 Quadratmeter Straßenfläche werden neu hergestellt und fast ebenso viele wieder zurückgebaut, 11.200 Quadratmeter Gehwege und 5660 Quadratmeter Radwege, die barrierefrei oberirdisch geführt werden, entstehen neu. Der Umbau trifft nicht nur Autofahrer: So sollten Radfahrer das Gebiet weiträumig umfahren und ÖPNV-Nutzer auf die Verlegung von Haltepunkten achten. Die ESO arbeitet bereits an einem Stauraumkanal. Es geht voran ...

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