Signatur kann Täter verraten

Wie Ordnungsamt und Polizei nach Sprayern illegaler Graffiti fahnden

In Bürgel-Ost erinnern illegale Graffiti an den DFB-Pokalsieg der Offenbacher Kickers vor 50 Jahren. 
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In Bürgel-Ost erinnern illegale Graffiti an den DFB-Pokalsieg der Offenbacher Kickers vor 50 Jahren. 

Ob schwarz-weiß oder bunt, verschnörkelt geschrieben oder gewollt unleserlich hingewischt, bloß geschmiert oder mit künstlerischen Ansprüchen gestaltet: Graffiti, die ohne Einwilligung des Eigentümers der Flächen entstanden, sind illegal und immer eine Straftat – keineswegs bloß eine Ordnungswidrigkeit.

Offenbach – Die möglichen Konsequenzen reichen von Geldbußen bis zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Solche staatlichen Drohungen halten echte Sprayer jedoch nicht davon ab, sich auf Fassaden, Brücken oder Stromverteilerkästen zu verewigen.

Wie großzügige Einladungen, die Sprühdosen zu zücken, wirken etwa neu errichtete Lärmschutzwände. Auch die im Neubaugebiet Bürgel-Ost oder an der Bundesstraße 448 entlang von Bieber-Nord hochgezogenen Betonkonstruktionen. Beide wurden bereits als Leinwände für die von der Bauherrin, in beiden Fällen die Stadt Offenbach, unerwünschten Malereien genutzt. Unter anderem sind dort Fans der Offenbacher Kickers Urheber handwerklich durchaus gekonnter Werke. Besonders dreist: Als von der Stadt gepflanzter wilder Wein einen Schriftzug zu überwuchern drohte, riss – vermutlich – der Künstler die Setzlinge wiederholt aus.

Für Immobilienbesitzer, egal ob öffentliche Baugenossenschaften oder Privatleute, ist das Besprühen ihrer Wände nicht nur ein optisches Ärgernis: Es stellt zudem ein Sich-Vergehen an ihrem Eigentum dar.

Doch wie ist Sprühern und ihrem Drang zur „Hausverschönerung“ Einhalt zu gebieten? „Es muss auf jeden Fall Anzeige erstattet werden“, betont Ordnungsamt-Vize Frank Weber. Jeder Bürger, der eine ungewollte Schmiererei entdecke, solle sich sofort an das zuständige Polizeirevier wenden.

Kriminalhauptkommissarin Ursula Elmas bittet die Offenbacher ebenfalls darum, unerwünschte Werke den zuständigen Behörden zu melden. „Wir können ja nicht selbst jede Straße abgehen“, sagt die Leiterin des Sachgebietes Sprayer im Polizeipräsidium Südosthessen.

Im vergangenen Jahr wurden dreimal so viele (119) rechtswidrige Schmierereien angezeigt wie 2018 (38). Die Anzahl der nicht polizeilich bekannten Graffiti schätz Elmas deutlich höher.

Dass nur wenige der verbotenen Sudeleien angezeigt werden, führt Elmas auf die Gewöhnung an den Anblick solcher Verschandelungen zurück. Außerdem hätten wenige Menschen Lust, sich wegen eines Graffito mit der aufwendigen Bürokratie zu beschäftigen.

„Manche Leute haben vielleicht auch Angst davor, selbst Opfer zu werden, wenn der Verursacher herausfindet, wer die Tat angezeigt hat“, meint sie.

Das illegale Besprühen von Wänden ist kein Kavaliersdelikt. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen muss der ermittelte Täter auch mit zivilrechtlichen Schritten rechnen. 30 Jahre lang ist es Geschädigten möglich, den Verursacher für die Beseitigung des entstandenen Schadens zur Kasse zu bitten. 

Illegale Graffiti verschandeln viele Objekte in den Offenbacher Stadtteilen. 

Doch wie kommen die Ermittler Tätern auf die Spur? Einige Sprüher hinterlassen an ihren Werken einen „Tag“ (sprich „Täg“), ihre spezifische Signatur. Wird ein Graffito mit einer solchen Unterschrift angezeigt, vergleicht Ursula Elmas die Signatur mit bereits bekannten Tags. Stimmen die Unterschriften überein, ist der Urheber ermittelt.

Ist das Signum unbekannt können Befragungen oder Recherche im Internet hilfreich sein. „Viele Sprayer prahlen mit ihren Werken vor Freunden oder in den sozialen Netzwerken“, erläutert die Kommissarin. Mit diesen Methoden gelang es ihr und ihren Kollegen im vergangenen Jahr 16 Fälle aufzuklären.

Das unerwünschte Besprühen von Flächen wird Ordnungsamt und Polizeipräsidium Südosthessen auch in Zukunft beschäftigen. „Das Ermitteln der Verursacher bleibt eine Daueraufgabe“, meint Frank Weber. Die Stadt hat auf den sich wiederholenden Vandalismus reagiert und lässt die Stadtpolizei verstärkt patrouillieren.

Hausbesitzer werden trotz der gesteigerten Präsenz von Ordnungsamt und Polizei weiterhin mit ungewollten „Kunstwerken“ an ihren Außenfassaden rechnen müssen. Dann bleibt nur noch putzen. Zahlreiche Fachfirmen bieten ihre Dienste mit unterschiedlichen Methode an. Und auch der städtische ESO beseitigt ungewollte Schmierereien. Betroffene können sich unter der z 069 840004 545 an den Stadtdienstleister wenden.

Das Ordnungsamt der Stadt Offenbach nimmt Hinweise zu illegalen Graffiti über das Internet entgegen. 

VON JOSHUA BÄR

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