Organspenden

Auch Familie muss zustimmen

Offenbach - Das neue Transplantationsgesetz soll die Bereitschaft zur Organspende erhöhen. Der Beauftragte des Städtischen Klinikums befürwortet die Änderungen. Aktuell zählt er rund 30 Dialysepatienten auf Warteliste. Von Fabian El Cheikh

Zirka 30 Patienten im ambulanten Dialysezentrum des Städtischen Klinikums warten auf eine neue Niere. Und das teilweise schon seit längerer Zeit. Deutschlandweit benötigen gar 12.000 Menschen ein neues Organ.

Allein: Die Bereitschaft der Deutschen, ein Organ zu Lebzeiten oder nach dem Tod zu spenden, ist gering. Die jüngsten Spendeskandale sind da nicht förderlich, berichtet der Transplantationsbeauftragte des Klinikums, Dr. Thomas Stiegler. Seit Anfang des Monats gilt die neue „Entscheidungslösung“ anstelle der bisherigen „erweiterten Zustimmungslösung“. Alle Bundesbürger sollen in Zukunft regelmäßig die Möglichkeit erhalten, sich über das Thema Organspende zu informieren und eine eigene Entscheidung zu treffen. Den einen oder anderen Offenbacher dürfte bereits ein Brief seiner Krankenkasse erreicht haben, in dem das neue Gesetz erklärt und das Mitglied aufgefordert wird, seine Entscheidung pro oder contra auf einem Organspendeausweis festzuhalten. Die Techniker-Krankenkasse hat dabei den Anfang gemacht.

Eine wesentliche Erleichterung

Stiegler, der seit acht Jahren die Funktion des Transplantationsbeauftragten am Klinikum einnimmt, begrüßt die Änderung: „Für uns bedeutet sie eine wesentliche Erleichterung der Arbeit, die von extrem schwierigen Gesprächen mit den Angehörigen geprägt ist.“ Solche Gespräche führt er in aller Regel mit den Angehörigen älterer Patienten, bei denen Hirntod diagnostiziert wurde. „Zehn solcher Fälle hatten wir in diesem Jahr. Bis auf eine Person war die Entscheidung des Patienten beziehungsweise der Angehörigen eindeutig. In sechs Fällen kam es zu einer Organspende.“

Lesen Sie dazu auch:

Mehr Transparenz bei Organspende

Vetrauen zurückholen

Die jüngsten Spendenskandale an den Unikliniken Göttingen, München und Regensburg sorgten am Offenbacher Klinikum, das selbst keine Organe einpflanzt, sondern nur entnimmt, bislang wider Erwarten zu keiner größeren Verunsicherung. Zum Glück, findet Stiegler: „Die Angehörigen haben Vertrauen, das ist am Klinikum auch gerechtfertigt.“ Gleichwohl sei auch er ob der Manipulationsvorwürfe in einigen Transplantationszentren geschockt gewesen. „Ich hatte gedacht, dass es sowas zwar in anderen Ländern, aber nicht in Deutschland gibt.“

Konflikte vermeiden und verhindern

Grundsätzlich, und daran werde sich mit dem neuen Gesetz nichts ändern, bedürfe es der Zustimmung beider Seiten – des Patienten selbst und der Familien. „Wir wollen Konflikte vermeiden und verhindern, dass unsere Arbeit in schlechtem Licht steht. Deswegen fragen wir immer die Angehörigen nach ihrer Zustimmung. Gibt es eine klare Verweigerung oder auch nur Vorbehalte, kommt es nicht zu einer Spende.“ Auch dann nicht, wenn der Patient zu Lebzeiten selbst eine solche verfügt hat. „Es bleibt bei der Konsenslösung, das ist auch im Sinne der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).“ Eine klare Willensbekundung eines Jeden helfe später jedoch auch den Angehörigen bei ihrer Entscheidung.

Widersprüche bemerkt Stiegler immer wieder. „Wir hatten vor einiger Zeit einen katholischen Pfarrer, der zwar keinen Spendeausweis bei sich trug, aber sich in seinen Predigten immer dafür ausgesprochen hatte. Die Mutter aber war dagegen, wir haben die Spende nicht durchgeführt.“ Umgekehrt sei es schon vorgekommen, dass der Witwer eine Organspende gegen den Willen seiner gestorbenen Frau durchsetzen wollte. „Auch da kam es nicht dazu.“

Kommentare