Ortsgenaue Warnung per App

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Offenbach - Ob beim Sparen, bei der Altersversorgung oder der Absicherung im Krankheitsfall – die Deutschen sind Vorreiter in Sachen Vorsorge. Auch auf einem weiteren Feld nimmt Deutschland inzwischen eine international beachtete Vorreiterrolle ein: beim Katastrophenschutz. Von Fabian El Cheikh

Am neuen Warnsystem KATWARN meldet das Ausland bereits großes Interesse an.

An einigen Orten wie Frankfurt, Hamburg oder Berlin ist das neue Katastrophenwarnsystem KATWARN bereits erfolgreich im Einsatz. In Unglücksfällen warnt das System ergänzend zu den Informationen von Polizei und Feuerwehr die betroffenen Bevölkerungsgruppen per SMS, E-Mail oder mittels iPhone-App über Gefahren durch Unglücke. Seit gestern versendet die kostenlose App für Smartphones zusätzlich Warnungen vor Unwettern der höchsten Stufe, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach verfasst.

Entwickelt vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) gilt KATWARN in Verbindung mit dem Service des Wetterdienstes als Meilenstein zur Verbesserung der Bevölkerungswarnung vor großen Schadensereignissen. Dabei ist KATWARN ein System, das nicht nur darüber informiert, dass es eine Gefahr gibt, sondern auch, wie zu handeln ist. Bei allen Arten von Katastrophen wie Großbränden, Stromausfällen, Chemieunfällen, Bombenfunden oder Pandemieausbrüchen sendet das System an jeden Einzelnen im betroffenen Gebiet ortsgenaue Warnungen aus. Verfasst werden diese von den kommunalen Feuerwehr- und Rettungsleitstellen in Abstimmung mit den Katastrophenschutzbehörden.

Drei Warnkanäle

Wie Dr. Ulrich Meissen vom Fraunhofer Fokus gestern in der Zentrale des DWD an der Frankfurter Straße erläuterte, nutzt das System die genannten drei Warnkanäle, um ausschließlich betroffene Personengruppen zum Beispiel im Haushalt, im Büro oder unterwegs individuell zu warnen. Mittels SMS etwa werden alle Handy-Besitzer informiert, die sich in betroffenen Funkzellen aufhalten. Der Vorteil: „Dadurch, dass nicht betroffene Personen gar nicht erst gewarnt werden, werden die Effekte des Katastrophentourismus’ eingedämmt.“

Wichtig ist diese Art der Alarmierung vor allem vor dem Hintergrund, dass Sirenen nicht mehr flächendeckend im Einsatz sind und aufgrund zunehmender Schallschutzmaßnahmen an Gebäuden – ebenso wie Lautsprecherdurchsagen von Polizei und Feuerwehr – auch nicht mehr von jedem wahrgenommen werden würden.

In Hamburg und Berlin hat KATWARN bereits die ersten Bewährungsproben erfolgreich gemeistert – und ist dabei, so berichtet Meissen, auf „große Zustimmung“ in der Bevölkerung gestoßen. Erst kürzlich hatte das System nach einem Großbrand in einem Teppichlager in der Bundeshauptstadt Warnungen vor Kontaminationen in der Luft verbreitet und die Menschen am Unglücksort aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

Bundesweit nicht mehr als ein Flickenteppich

Noch ist KATWARN bundesweit nicht mehr als ein Flickenteppich, beteiligen sich nur wenige Kommunen und Landkreise daran. In Hessen sind es neben Frankfurt und Bad Homburg der Schwalm-Eder-Kreis und ab kommenden Montag der Kreis Darmstadt-Dieburg. Stadt und Kreis Offenbach haben sich noch nicht für eine Teilnahme entschieden. „Wir wollen innerhalb von ein bis zwei Jahren sämtliche Städte und Gemeinden in Deutschland integrieren“, gibt Meissen das Ziel vor. Die öffentlichen Kosten hierfür seien vergleichsweise gering, da der Verband Öffentlicher Versicherer die finanzielle Hauptlast trägt. „Kommunen zahlen einmalig 15.000 Euro für die Einführung, danach jährlich 3000 Euro für den Betrieb. Hinzu kommen die Kosten für den SMS-Versand im Unglücksfall.“

Die KATWARN-App gibt es derzeit nur im iPhone-Store. Versionen für andere Smartphone-Betriebssysteme sollen in den kommenden Monaten folgen. Die integrierte „Schutzengel-Funktion“ ist stets aktiv und informiert die Handynutzer, sobald ein Alarm eingeht.

Kostenlos eingespeist werden dagegen die Warnungen vor schweren Unwettern. Im Schnitt registriert der DWD ein- bis zweimal pro Monat extreme Wetterereignisse in Deutschland. „Im Sommer natürlich deutlich mehr durch schwere Gewitter“, betonte gestern DWD-Vorstandsmitglied Hans-Joachim Koppert. Extreme Wetterphänomene könnten in Offenbach Hochwasser, Stürme oder starker Schneefall sein, die Menschenleben kosten und große materielle Schäden verursachen können. „Uns allen werden noch die Winter 2009 und 2010 in Erinnerung sein, die Elbeflut vor zehn Jahren oder die Hitzewelle im Sommer 2003.“

Andere Länder sind noch stärker von extremen Wetterereignissen betroffen. Das Fraunhofer Institut registriert bereits zahlreiche interessierte Anfragen zu KATWARN aus dem Ausland .

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