Ortsnah für Krebspatienten

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Ein begehbares Darmmodell war der Hingucker beim Aktionstag gegen Darmkrebs am vergangenen Samstag im Klinikum. Zahlreiche Besucher informierten sich über die Erkrankung und Maßnahmen zur Vorbeugung. Jährlich erhalten mehr 70.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Darmkrebs

Offenbach ‐ Das Klinikum Offenbach hat sein Angebot für Krebspatienten erweitert. Seit dem 1. März ist im Neubau am Starkenburgring eine neue medizinische Abteilung, die Medizinische Klinik IV, in Betrieb. Von Matthias Dahmer

Sie ist auf Tumore in Magen und Darm, in der Bauchspeicheldrüse sowie auf Krebserkrankungen des Blutes spezialisiert.

Die Einrichtung verfügt über 20 Betten. Das Tumorzentrum ist als zentrale Anlaufstelle nicht nur für Stadt und Kreis, sondern für die ganze Region östlich von Frankfurt bis hinauf nach Gießen konzipiert. In ihm ist zusammengefasst und erweitert, was bislang das Ambulante Onkologische Zentrum (AOZ) und die Internistische Onkologie der Medizinischen Klinik II geleistet haben. Im AOZ werden täglich zwischen 40 und 50 Patienten betreut, die Medizinische Klinik II behandelte im vergangenen Jahr rund 4000 Tumorpatienten. Die neue Station läuft in enger Verzahnung mit Spezialisten der Uniklinik Gießen sowie mit den in Offenbach niedergelassenen Ärzten auf diesem Gebiet, der Gemeinschaftspraxis  Ballo/ Böck.

Ortsnahe Versorgung ist ein Muss

Mit der neuen Einrichtung werde zum einen der gesetzlichen Forderung nach mehr „Regionalismus“ beim Betrieb von Kliniken Rechnung getragen, sagte der Gießener Professor Friedrich Grimminger, der als onkologischer Koordinator am Klinikum Offenbach fungiert. Zum anderen erhalte der Patient eine Versorgung - egal ob ambulant oder stationär - aus einer Hand. Der Spezialist komme zum Patienten und nicht umgekehrt. „Ein Paradigmenwechsel in der Krebsbehandlung“, formuliert Grimminger. Er ist überzeugt davon, dass die Abteilung ein Wettbewerbs-Vorteil fürs Offenbacher Klinikum darstellt.

Die ortsnahe Versorgung, bei der man Patienten „nicht wie ein Paket verschicken“ muss, ist für Kämmerer Michael Beseler als Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum Offenbach GmbH denn auch die politische Dimension der neuen Abteilung. „Wir bieten damit den Menschen hier mehr Lebensqualität“, so Beseler.

Noch in diesem Halbjahr, sagt Klinikum-Geschäftsführer Hans-Ulrich-Schmidt, komme in der neuen Abteilung ein weiterer Schwerpunkt hinzu. Dann sollen auch Lungentumore in Offenbach behandelt werden können. Die Kooperation mit Spezialisten der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik sei in Vorbereitung.

Chefarzt der neuen Abteilung ist Professor Henryk Dancygier, der bereits die Medizinische Klinik II leitet. Leitender Arzt ist Privatdozent Gamal-André Banat, der das AOZ am Klinikum aufgebaut hat. Eine Erweiterung der Station halten Dancygier und Schmidt für denkbar. Nach der auf Erkrankungshäufigkeit basierenden Statistik sind am Klinikum mit seinem Einzugsbereich 40 bis 50 Betten möglich.

Für Schmidt ist schon jetzt der mit der neuen Abteilung einhergehende Leistungzuwachs mit Blick auf die Refinanzierung des Neubaus „überlebensnotwendig“. Er kann im übrigen positive wirtschaftliche Zahlen aus dem Neubau vermelden: So seien bis Anfang März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 414 Patienten (sechs Prozent) mehr gezählt worden.

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