In osteuropäischer Hand

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Bücken, knien, Spargel stechen - bei jedem Wetter, von früh morgens bis spät abends.

Offenbach ‐ Spargelzeit - von April bis zum Johannitag am 24. Juni wird das edle Gemüse geerntet. Dafür sind viele fleißige Hände nötig, und ohne Erntehelfer aus dem Ausland geht auf den südhessischen Spargelfeldern gar nichts. Von Ralf Enders

Um die Beschäftigung von Arbeitslosen aus Deutschland zu fördern, hatte die Bundesregierung 2006 die Zahl der meist osteuropäischen Saisonarbeiter beschränkt, die Regelungen wegen mangelnder Praxistauglichkeit mittlerweile aber wieder gelockert. Mit Peter Gheorgean, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Starkenburg, sprach unser Redaktionsmitglied Ralf Enders. Zum Verband gehören etwa 300 Spargelbetriebe in den Kreisen Offenbach, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Bergstraße und Odenwald.

Wie hat sich die Saisonarbeiter-Regelung bei Ihnen eingespielt?

Das läuft mittlerweile gut, vor allem, weil die Bundesregierung die Regelung gelockert hat. So haben Saisonarbeiter mittlerweile ein auf sechs Monate verlängertes Aufenthaltsrecht.

Gibt es die Beschränkungen faktisch überhaupt noch?

Nein. Die Arbeitsverwaltung hat erkannt, dass der südhessische Markt für diese Arbeitskräfte ausgezehrt ist. Hier gibt es so viele Firmen rund um den Flughafen etwa, die diese Menschen einstellen. Der Rest der Arbeitslosen hat körperliche Gebrechen und findet nichts. In Norddeutschland ist das anders, da gibt es keine Wachstumsregion wie das Rhein-Main-Gebiet.

Wie viele ausländische Saisonarbeiter sind in diesem Jahr in Südhessen auf den Spargelfeldern beschäftigt?

Es werden etwa 8 200 sein. Das sind weniger als in den Vorjahren, was aber daran liegt, dass sie länger bleiben dürfen.

Und was verdienen sie?

Ein klassischer Erntehelfer bekommt 5,95 Euro die Stunde. Im Verkauf gibt es 7 bis 8,50 Euro.

Verkaufspersonal gibt‘s sicher genug.

Von wegen! Für Lager- oder Ausfahrarbeiten haben wir genug deutsche Arbeitnehmer. Aber das Verkaufspersonal ist ein großes Problem für uns. Ich war gerade in Eberswalde und Chemnitz, um ostdeutsche Arbeitslose anzuwerben. Wir suchen aktuell noch immer 30 bis 40 Verkäuferinnen, doch trotz der hohen Arbeitslosenquote gibt es nicht genug.

Ist es noch so, dass immer weniger ausländische Saisonkräfte auf den deutschen Spargelfeldern arbeiten wollen, da die Wirtschaft in ihren Heimatländern floriert oder sie andernorts in Europa besser bezahlt werden?

Eindeutig nein! Da kann man sehen, dass die Finanzkrise auch andere Länder eingeholt hat. Die polnischen Arbeiter zum Beispiel gehen raus aus Spanien, Irland oder England und fragen wieder auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach Jobs. Auch die Akquise bei bulgarischen Saisonkräften klappt gut. Und wir haben derzeit eine Warteliste von rund 1.000 Rumänen, die bei uns arbeiten möchten.

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