Erstes Ostpol-Gespräch der CDU

Plan gegen den Flickenteppich

Die geplante Bebauung des Parkdecks an der Bahnhofstraße sei grundsätzlich in Ordnung, hieß es beim Ostpol-Gespräch der CDU. Nur bei den vorgesehenen Parkflächen in den Erdgeschossen der Gebäude handele es sich um einen stadtplanerischen Sündenfall.

Offenbach - Es war so etwas wie ein weiterer Blick von außen auf die Entwicklung der Stadt. Er brachte – das sei vorab verraten – keine fundamental neuen Erkenntnisse, dennoch interessante Denkansätze dazu, wie die Stadtplanung aussehen sollte. Von Matthias Dahmer 

„Stadtentwicklung: Masse statt Klasse? Chancen besser nutzen“ lautet der provokante Titel, unter dem die CDU für Mittwochabend in den Ostpol eingeladen hatte. Die Veranstaltung im Quartierssaal, die mehr als die zirka 50 Besucher verdient gehabt hätte, war Auftakt für eine Reihe von „Ostpol-Gesprächen“, in denen sich die Union aktuellen Themen widmen will.

Man wolle Meinungen zur Stadtentwicklung einholen, Fragen stellen und nicht unbedingt Antworten geben, umreißt CDU-Chef Stefan Grüttner zur Begrüßung die Zielsetzung. Dieser Marschrichtung folgen im Verlauf der knapp zweistündigen Podiumsdiskussion der renommierte Frankfurter Architekt Hans-Ulrich von Mende, der Innenarchitekt und Produktdesigner Christian Steguweit, der mit seiner Offenbacher Firma Unternehmen unter anderem dazu verhilft, sich als Marke zu positionieren, sowie der Bauingenieur und CDU-Stadtverordnete Dominik Mangelmann.

Letzterer umreißt zunächst die Entwicklung Offenbachs seit den 1920er-Jahren, geht dabei unter anderem auf die „Zweite Ebene“ ein, die zum Teil immer noch das Bild der City prägt. „Die zweite Ebene war immerhin noch ein Konzept für die Innenstadt“, sagt Mangelmann, der zuvor aus einer Studie der Uni Weimar zitiert, die zu dem wenig schmeichelhaften Ergebnis gekommen war: „Stadtplanung findet in Offenbach zurzeit nicht statt.“ Dieser Befund, das zeigt sich im Verlauf der Diskussion, wird von Fachleuten nicht unbedingt geteilt.

Schritt in die richtige Richtung

Als Schritt in die richtige Richtung wird vor allem der angelaufene Masterplan angesehen. Befürchtungen von Moderator und FAZ-Redakteur Matthias Alexander, so etwas sei möglicherweise nur „Planer-Lyrik“, teilt Architekt von Mende nicht. Insbesondere weil die aktuellen Bebauungspläne für Offenbach einem Flickenteppich glichen, sei eine übergeordnete Planung notwendig. Zugleich betonte er aber auch die Bürgerbeteiligung, bei der allen klar sein müsse, dass am Ende immer ein Kompromiss stehe.

Ein besseres Zeugnis als erwartet stellt von Mende den umstrittenen Plänen zur Bebauung des Parkdecks an der Bahnhofstraße aus. So könne man unter den gegebenen Umständen durchaus bauen. Eine klare Absage erteilte er aber den geplanten Parkplätzen im Erdgeschoss der Gebäude. Denn die geschlossene Front schrecke Passanten ab und werde dazu führen, dass man dort schnell mit Schmierereien und Plakatierungen zu kämpfen habe.

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Mit der Wohnbebauung des TSG-Geländes an der Jahnstraße in Bürgel konfrontiert, findet der Architekt nur einen echten Kritikpunkt: die nicht eingehausten Mülltonnen vor den Eingangstüren.

Eine Chance für Offenbach sieht Markenspezialist Steguweit als „Zweitstandort“ für in Frankfurt ansässige Dienstleister. Das setze aber einen bislang fehlenden Flächenpotenzialplan sowie Kommunikation voraus. Offenbach habe in dieser Woche auf der Immobilienmesse Expo Real in München leider nur den Hafen präsentiert, bedauert Steguweit.

Dominik Mangelmann plädiert dafür, Offenbach aus dem Bestand heraus zu entwicklen. Im Übrigen müsse man angesichts des derzeitigen Baubooms in der Stadt selbstbewusster gegenüber Investoren auftreten und könne durchaus Qualität einfordern.

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