Vom Otzenköttel zum Herrscher

Johann König kommt am Samstag mit Bock auf Remmi Demmi ins Offenbacher Capitol.

Offenbach - Mit seinem neuen Soloprogramm „Total Bock auf Remmi Demmi – Herr König schießt den Vogel ab!“ tourt EComedian Johann König derzeit durch die Republik. Am Samstag kommt der selbsternannte Evententertainer im Premiumbereich nach Offenbach. Mit Volontär Thomas Holzamer sprach er zuvor über Namen, Rituale und das Niveau in der Comedyszene.

Wieso haben Sie Ihren Namen in Johann König geändert, hätte es mit Rene Otzenköttel nicht geklappt?

Ich habe mir den Namen Johann König gegeben, weil ich früher gehänselt wurde. Und ich wollte nicht, dass die Leute schon wegen des Namens lachen müssen ...

Wie kamen Sie dann auf Johann König?

Das hab ich mir so ausgedacht, weil Johann ja oft der Butler in alten Filmen ist. Und da dachte ich mir, wenn der König heißt, ist das ein schöner Kontrast.

Auf der Bühne sind Sie ja eher der weinerliche Typ, ist das im Privatleben genauso?

Auf gar keinen Fall. Auf der Bühne ist die Stimme auch nur die ersten fünf Minuten so, weil ich nervös bin. Das Problem ist, bei Fernsehauftritten hab ich ja nur fünf Minuten. Deswegen kennen die Leute nur diese Stimme. Aber es ist ja auch schön, ein Markenzeichen zu haben.

Was ist Ihr Lieblingswitz?

Ich habe in mein Programm eingebaut, dass die Leute mir in der Pause ihre Lieblingswitze in ein Buch schreiben können. In der zweiten Hälfte trage ich dann die drei besten vor. Das ist schön, vor allem weil ich das in ganz Deutschland mache. Man bekommt so einen guten Überblick der Humorkultur.

Und wo wird am meisten gelacht?

Das kann überall lustig oder dröge sein. Wenn es mal nicht so gut ist, sagt der Veranstalter immer: „Die sind hier so.“ Aber das sagt der auch im Norden, in Westfalen – und in Berlin sowieso. Manchmal ist es auch so, dass die Leute dann besonders gut drauf sind, weil sie zeigen wollen, dass sie gar nicht so langweilig sind.

Wie bereitet sich Johann König auf seine Show vor, haben Sie ein Ritual?

Wenn ich in einem Ort bin und noch etwas Zeit habe, schaue ich, ob ich mit Leuten ins Gespräch komme oder etwas Kurioses sehe, dass ich einbauen kann. Eine halbe Stunde vor der Show darf man mich nicht mehr stören. Dann geh ich das Programm im Kopf noch mal durch, ähnlich wie ein Rennfahrer die Strecke.

Gibt es etwas, über das Sie keine Witze machen?

Es gibt da ein paar Regeln. Zum Beispiel keine Vergleiche mit dem Dritten Reich. Aber auch Behindertenwitze gehören bei mir dazu. Ich hab ja Sonderpädagogik studiert, viel mit denen gearbeitet und meine Examensarbeit über Humor und Behinderung geschrieben. Dabei hab ich gemerkt, dass die Behinderten eigentlich viel mehr wünschen, dass man Witze über sie macht. Das Problem sind die Nichtbehinderten, die pikiert aufstehen und gehen würden.

Sex sells oder lieber mehr Niveau? Sind Sie der Ansicht, Comedy sollte politischer werden oder sich dem Publikum anpassen?

Das ist eine Frage, wie sich das Publikum entwickelt. Auch im Kabarett lachen die Leute viel über Äußerlichkeiten. Der eine Politiker ist dumm, der andere dick. Hintergründige Sachen führen doch eher nur zu einem Applaus, nicht zu einem herzhaften Lachen. Ich mache kein politisches Kabarett. Wenn Leute zu mir kommen und das erwarten, wäre es wie zu den Rolling Stones zu gehen und zu sagen, dass war mir zu wenig Jazz.

Wie bringen Sie Tourstress und Ihre Familie unter einen Hut?

Ich bin von Mittwoch bis Samstag unterwegs, am Sonntag komm ich nach Hause. Wenn ich im Ruhrgebiet auftrete, komme ich sogar abends nach Hause und bleibe den Tag über da. So hab ich manchmal mehr Zeit für mein Kind als ein normaler Berufstätiger. Aber wenn ich zum Beispiel eine Woche in Berlin bin, ist das schwer.

Mit wem würden Sie mal für einen Tag tauschen?

(lacht) Ich würde gern mal eine Stunde tauschen mit Mario Barth, oder lieber nur eine Minute. Nur um kurz mitzukriegen, wie das ist, das kann ich mir nämlich nicht vorstellen. Oder vielleicht mit meinem Sohn oder meiner Frau, da müsste ich länger drüber nachdenken.

Am Samstag, 23. Mai, tritt Johann König im Offenbacher Capitol auf. Beginn ist um 20 Uhr. Infos gibt‘s hier.

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