OVB: Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung

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Gegen tückisches Wetter helfen auch intensivste Fahrerschulungen bisweilen nichts: Bei einem Unfall im harten Winter 2010 geriet geriet ein OVB-Bus in der Goerdelerstraße auf eisglatte Fahrbahn und war nicht mehr zu manövrieren.

Offenbach - Die Staatsanwaltschaft Offenbach hat Anklage gegen einen OVB-Busfahrer erhoben. Dieser hatte sein Fahrzeug so stark abgebremst, dass eine 86-jährige Frau das Gleichgewicht verloren hat und gestürzt ist. Von Marcus Reinsch

In unserer Zeitung war es nicht mehr als ein Absatz aus dem täglichen Polizeibericht. Nur ein 17-Zeiler über eine 86-Jährige, die sich beim Sturz in einem am 2. Dezember mutmaßlich zu scharf vor einer Ampel in der Senefelder Straße abbremsenden Linienbus der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) schwer verletzt hatte.

Doch es war auch ein 17-Zeiler, den offenbar viele Menschen auf einen Nenner mit eigenen Erfahrungen in OVB-Bussen brachten. Im Kommentarbereich gibt mancher zu Protokoll, wie dringend der eine oder andere öffentlich bestellte Chauffeur seiner Meinung nach beispielsweise eine „Nachschulung auch in sensiblem Bremsen“ nötig habe.

Verdacht auf fahrlässige Körperverletzung

Andere Beiträge sind weniger gemäßigt. Und auch juristisch könnte der Fall Konsequenzen haben. Bei der Staatsanwaltschaft Offenbach hat er ein Aktenzeichen bekommen - 1100JS97900. Verdacht gegen Busfahrer Darius P., Jahrgang 1954: fahrlässige Körperverletzung. Dafür sieht das Gesetzbuch bei einer Verurteilung mindestens eine Geldstrafe und höchstens drei Jahren Gefängnis vor. Doch ob es so weit kommt, muss sich erst noch herausstellen, wie Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg als Leiterin der Behörde gestern betonte: „Die Verschuldensfrage wird gerade geprüft.“

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Ein Prozedere, das - im Gegensatz zu vielen in ihrem persönlichen Urteil schon gefestigten Internet-Kommentatoren - mindestens ein Schreiber fair fände. Unter dem Pseudonym „Schneeschieber“ merkt er an: „Soweit bekannt, hat sich der Fahrgast festzuhalten, bzw. einen sonstigen sicheren Halt zu finden. (...) Hat keiner der Schimpfenden jemals eine starke Bremsung machen müssen? Oder wollen sie behaupten, Busfahrer bremsen aus Spaß stark, um Leute umzuhauen?“

Eine, die sowas niemals behaupten würde, ist Christine Wüst-Rocktäschel. Als OVB-Sprecherin bat sie gestern um Verständnis, dass die Verkehrsbetriebe zum laufenden Verfahren keine Auskunft geben könnten und mit Rücksicht auf die Unschuldvermutung auch nicht wollten. „Wir bedauern diesen Vorfall menschlich und als Unternehmen außerordentlich“, versicherte sie. Und: „Sollte es Konsequenzen geben oder auch Forderungen an die OVB, werden wir uns unserer Verantwortung selbstverständlich nicht entziehen.“

Bei den Verkehrsbetrieben sind 159 Fahrer angestellt

Bei den Verkehrsbetrieben sind 159 Fahrer angestellt. Für alle gilt seit 2009 die gesetzliche Pflicht, neben dem immer schon nötigen Busführerschein und den Personenbeförderungsschein die sogenannte Berufskraftfahrerqualifikation vorzuweisen. Dabei handelt es sich um fünf Ausbildungsmodule, die alle fünf Jahre durchlaufen werden müssen.

Für möglichst faktenreiche Beschwerden von Kunden, das betonte die Sprecherin ausdrücklich, seien die OVB durchaus dankbar. „Wir gehen allem nach!“ Und es gebe ja auch „Fahrüberprüfungen“, also die Beurteilung der Busfahrer durch zwei mitfahrende OVB-Kollegen und - weil ein bekanntes Gesicht im Bus ja zugegebenerweise zu besonders vorbildlichem Verhalten ermuntern könne - auch durch anonym bleibende, bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt ausgeliehene Fahrlehrer.

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