Sisyphosarbeit im Schichtdienst

In OVB-Werkstatt wird eigene Busflotte fit gemacht

+
Über-Kopf-Arbeit: André Budinger in einer Grube der OVB-Werkstatthalle. Er ist einer von 26 Mitarbeitern, die den öffentlichen Nahverkehr in Offenbach am Rollen halten.

Offenbach - Ein 26-köpfiges Team der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) sorgt sieben Tage die Woche im Schichtdienst bis 2.15 Uhr nachts dafür, dass die Busflotte am nächsten Morgen einsatzbereit ist. Reparatur, Reinigung und Wartung sind eine Sisyphosarbeit. Von Jenny Bieniek 

Im Vergleich zu manchem Außendienstfahrzeug legen die Linienbusse der OVB mit 50.000 Kilometer jährlich zwar eine vergleichsweise kurze Strecke zurück. Die täglichen Belastungen aber sind immens: Ständig müssen die Fahrer anfahren und wieder bremsen, im Linienverkehr arbeitet der Motor zudem fast pausenlos. Trotzdem sind Gesamtlaufleistungen von mehr als 500.000 Kilometern keine Seltenheit. Klar, dass die Busflotte der OVB deshalb regelmäßig Wartungsarbeiten unterzogen wird. 26 Mitarbeiter halten Offenbachs öffentlichen Busverkehr am Rollen. Ein Team aus Kfz-Schlossern, Elektrikern, Karosseriespenglern, Elektronikern und Mitarbeitern aus Materialwirtschaft sowie Streckendienst kümmert sich um die Fahrzeuge und stellt sicher, dass sie die Werkhallen an der Hebestraße am nächten Morgen in funktionstüchtigem Zustand verlassen.

Von Reparaturen am häufigsten betroffen sind die Türen. Kein Wunder: Hunderte Male täglich öffnen und schließen sie sich. Defekte durch Abnutzungserscheinungen sind da keine Seltenheit. „Auch die Reifen und die Luftfederung sind anfällig“, weiß Stadtwerke-Sprecher Jörg Muthorst. Vor allem während der Haltestellenanfahrt leiden die Reifenseiten unter den Bordsteinkanten.

Eingriff am offenen Herzen einer 300-PS-Maschine: Jürgen Heidl wechselt eine Zylinderkopfdichtung. Der geöffnete Motor wirkt wie ein großes Metalllabyrinth.

Einmal im Jahr, spätestens aber nach 60.000 Kilometern, muss jeder der 61 OVB-Busse zur Inspektion. In der Regel dauert die Wartung zwei Tage. Sie muss jedoch schon mal unterbrochen werden, wenn etwa andere Fahrzeuge außerplanmäßig in die Werkstatt müssen und damit für den Linienverkehr ausfallen. Richtige Reservefahrzeuge gibt es aus Kostengründen nicht, ein ausgeklügeltes System sorgt deshalb für Rotation. „Sechs der 61 Fahrzeuge bleiben immer in der Werkstatt“, erklärt Muthorst. Bei Bedarf werde kurzfristig ausgetauscht.

Der große 16-Tonner etwa muss derzeit eine Zwangspause einlegen. Sein Wasserkühler ist defekt, der Motor ist heiß gelaufen. Die hochsommerlichen Temperaturen fordern ihren Tribut. „Da versagen Kühler oder Klimaanlagen schon mal ihren Dienst“, sagt Markus Hein, Leiter für Kfz-Technik bei den OVB. Der Ausbau ist aufwendig. Erst müssen Lüfter und Getriebeöl-Kühler raus. Ein hartes Stück Arbeit: Zwei Mann packen gemeinsam an, um die massiven Teile herum zu wuchten. Auch wenn die Klimaanlage versagt, bedeutet das für den Omnibus eine Auszeit. Schließlich lassen sich in modernen Bussen die Fenster nicht mehr öffnen und der Fahrgastraum wird schnell zur Sauna. Regelmäßige Klimawartung ist deshalb ein Muss.

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

Nach zehn Jahren werden die Fahrzeuge dann meist ausgemustert und verkauft. Oft sind sie anschließend noch bei ausländischen Verkehrsunternehmen in Betrieb. Touristen schmunzeln dann etwa in Kuala Lumpur über den Busdrücker mit der Aufschrift „Haltewunsch“. Neben der technischen Kontrolle und dem Auffüllen von Öl und Kraftstoff gehört auch die Innenreinigung durch Putzkolonnen zum täglich Brot der OVB. Heißt: Fußboden und beschmutzte Sitze reinigen sowie Abfallbehälter leeren. Mindestens einmal die Woche geht’s durch die OVB-eigene Waschstraße. Einmal im Jahr folgt die Grundreinigung sämtlicher Sitzbezüge. Und hin und wieder, räumt Muthorst ein, müsse auch Urin, Tierkot oder Erbrochenes beseitigt werden.

Die OVB warten nach Vereinbarung auch Busse und Nutzfahrzeuge von gewerblichen Haltern sowie Privatwagen für externe Kunden. Dafür unterhalten sie eine separate Pkw-Werkstatt auf ihrem Betriebsgelände. Kontakt: 069/840004-852. Reparaturannahme Montag bis Donnerstag, 7.30 bis 16.15 Uhr, Freitag, 7.30 bis 14 Uhr.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare