Haftstrafe gegen 57-Jährigen

Pädophile tauschten Kinderpornos im Netz

Offenbach/Darmstadt - Der Schreck war Klaus D. anzumerken, als ihn das Amtsgericht Offenbach im November wegen des Besitzes und des Verbreitens kinderpornografischer Daten zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilte und den Haftbefehl gegen ihn aufrecht erhielt.

Fühlte sich der unscheinbar wirkende 57-jährige IT-Fachmann, der zur Tatzeit in Mühlheim und zuletzt in Berlin wohnte, doch zu unrecht verurteilt. Er sei nur zufällig in den einschlägigen Foren im Internet gelandet, behauptete er im erstinstanzlichen Prozess gegen ihn. Sein Anwalt, der eine Bewährungsstrafe für angemessen hielt, kündigte umgehend Berufung und Haftbeschwerde gegen den Spruch von Richter Manfred Beck an.

Die Hoffnung auf ein milderes Urteil in zweiter Instanz hat sich für D. nicht erfüllt: Die 5. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt hat jetzt das Amtgerichts-Urteil gegen den nunmehr geständigen Angeklagten fast in vollem Umfang bestätigt: Der gebürtige Offenbacher muss für zwei Jahre hinter Gitter. Bis zum Haftantritt darf D., dessen Haftbefehl Ende 2014 außer Vollzug gesetzt wurde, auf freiem Fuß bleiben. Der Vorsitzende Richter Günter Lachmund sah keine Fluchtgefahr.

Brutaler Missbrauch von Babys

Auf den Computern des 57-Jährigen hatte die Polizei im Dezember 2011 im Zuge einer bundesweiten Aktion gegen Kinderpornografie etwa 300 einschlägige Dateien entdeckt. Auf den Bildern und Videos waren unter anderem Vergewaltigungen von Babys zu sehen. Der ehrenamtlich auf kirchlicher Ebene tätige Klaus D. war Mitglied einer Gruppe von 174 Pädophilen, die in einem nur Insidern zugänglichen Internetforum mit dem Namen „Klasse 1 bis 4 Grundschule“ Kinderpornos tauschte. Die Gruppe flog auf, weil ein Beteiligter bei der Polizei auspackte und die Ermittlungsbehörden so an die E-Mail-Adressen der Nutzer kamen.

Schon vor dem erstinstanzlichen Urteil war D. einschlägig vorbestraft: Doch im Oktober 2009 hatte ihn das Amtsgerichts Offenbach wegen des gleichen Delikts – damals waren insgesamt 17.000 Dateien auf seinem PC entdeckt worden – noch relativ glimpflich davonkommen lassen. Sechs Monate auf Bewährung lautete damals das Urteil. (mad)

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