Klinikum Offenbach

Pakt soll Weg aus der Krise ebnen

Offenbach (tk/psh) - Die Not ist groß am Klinikum Offenbach, der Schuldenberg weiterhin riesig: Mit einem Sanierungspakt wollen die Verantwortlichen jetzt ein Zeichen setzen. Auch der Betriebsrat zieht mit.

Es wird in nächster Zeit wohl keine Neuauflage des Sanierungstarifvertrags am Klinikum Offenbach geben. Sieben Jahre lang hatten die Beschäftigten - u.a. durch Gehaltsverzicht - über 22 Millionen Euro in den Betrieb investiert. Jetzt soll ein Sanierungspakt, der von Krankenhausleitung, Chefärzten, weiteren Führungskräften und dem Betriebsrat unterschrieben wurde, den Kurs bis 2015 vorgeben. Betriebsratsvorsitzender Holger Renke versicherte: „Es geht nicht um Lohnverzicht oder weitere finanzielle Sanierungsbeiträge. Ein wichtiger Passus für uns im Pakt lautet: „Stellenanpassungen erfolgen erst im Zuge vorzunehmender Optimierungen der Strukturen und Arbeitsabläufe sowie weiterer Qualifizierung der Mitarbeiter.“

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Krankenhauschefin Franziska Mecke-Bilz machte deutlich: „Wir haben keinen Teufels-, sondern einen Sanierungspakt geschlossen.“ Es sei ohnehin bisher deutschlandweit ohne Beispiel, dass solche Vereinbarungen über gemeinsame Anstrengungen von Chefärzten und Personal schriftlich festgelegt worden seien. Die Geschäftsführerin erläuterte die Ziele der Sanierung, die immer ehrgeiziger wird: Nicht mehr nur das aus dem Betrieb erwachsene 26-Millionen-Minus des vergangenen Jahres soll bis 2015 auf Null gefahren werden. Weitere sieben Millionen aus Zinsen und Abschreibungen für das bewegliche medizinische Gerät seien einzusparen, sagte sie. Für den Neubau soll künftig eine noch zu gründende Besitzgesellschaft aufkommen, Jahr für Jahr sind rund 20 Millionen abzutragen. 2012 werde die Einspar-Vorgabe von 9,8 Millionen wohl erreicht, kündigte Mecke-Bilz an, und das trotz der einer Tariferhöhung geschuldeten Mehrausgabe von vier Millionen. Nach ihren Angaben ist die erhoffte Steigerung der Fallzahlen eingetreten, ebenso waren die Bemühungen erfolgreich, mehr lukrative Schwerkranke behandeln zu können. Dennoch müssten die Anstrengungen verstärkt werden, mehr Patienten aus der Region fürs Offenbacher Klinikum zu gewinnen.

Der Ärztliche Direktor Prof. Norbert Rilinger betonte die Verbindlichkeit des Pakts für sich und seine Kollegen. Die Chefärzte würden medizinische Prozesse und Strukturen überdenken und nicht tragfähige zur Disposition stellen. Möglich seien etwa Personalpools für verwandte Disziplinen, die auch Einrichtungen gemeinsam nutzen könnten.

Mecke-Bilz und Rilinger setzten darüber hinaus auf Kooperationen mit anderen Kliniken. Sie bedauerten, dass diesbezügliche Gespräche gestoppt werden mussten, ums Markterkundungsverfahren nicht zu gefährden. Die förmliche Partnersuche ist jetzt von der Stadt gestoppt worden.

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