Paloma, Poesie und Picknick

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Mit tadelloser Bogenhaltung musizierte das Salonorchester der Arbeiterwohlfahrt zwischen launigen Wortbeiträgen von Offenbacher Kulturträgern.

Offenbach - „Das war die Wassermusik“, scherzte Ludo Kaiser. Dem Moderator hatte es die gute Laune nicht verhagelt, dem Publikum sowieso nicht – ist doch die Reihe „Wo’s Sträußche hängt...“ im Hof des Büsingpalais Kult. Dabei wäre die elfte Ausgabe fast zu Ende gewesen, ehe sie begonnen hatte: Pünktlich um 19 Uhr am Donnerstag öffnete der Himmel über Offenbach seine Schleusen. Von Markus Terhan

Eilig retteten die Mitglieder des AWO-Salonorchesters ihre Instrumente, derweil die Besucher samt Biertischen, Sitzgarnituren und mitgebrachten Picknickkörben unter die Arkaden flüchteten.

Anfang und Ende war auch die Themenvorgabe für die Vortragenden. „Fortsetzung folgt: Alles bleibt, wie es niemals war...“ lautete das Motto, das die Textauswahl inspirieren sollte. Als es mit einer satten Dreiviertelstunde Verspätung losging, ergötzten sich die Zuhörer an Reimen und Prosa, aufgelockert mit flotten Weisen.

Dem kulinarischen Charakter der Veranstaltung wurde Ralph Philipp Ziegler, Leiter des Forums Kultur und Sport, mit lustigen Gedichten über das Essen gerecht. Dass man nicht mit vollem Mund redet, wusste schon Schuhmacherpoet Hans Sachs. Bier und Wurst pries Richard Wagner, das Sauerkraut Heinrich Heine, das Schnitzel Eugen Roth, die Knödel Ellis Kaut, „Kants Kuchen“ Robert Gernhardt, die Pellkartoffel Joachim Ringelnatz: Guten Appetit!

Loriot in lokaler Abwandlung präsentierte Stadtarchivarin Anjali Pujari. In „Das neue Landratsamt“ leitete sie den Namen „Ofenbach“ von einer „einfachen Feuerstelle mit Mainblick“ ab, deren Kundenkreis größtenteils aus Hugenotten und Portefellern bestehe. In der Formulierung von der „an glücklichen Entscheidungen reichen Offenbacher Kommunalgeschichte“ meinte mancher eine Spur von Ironie zu entdecken...

Anleihen beim früheren Schriftsteller im Bücherturm, Jan Koneffke, schien Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums, genommen zu haben. Wortverspielt und witzig gab er seine Gedankenketten beim Warten an der S-Bahn-Station Marktplatz zum Besten: Ausgang, Schreizwang, Kölsch-Stang, Glockenklang, Totengesang. Dass es wirklich so weit kam, wusste der Rheinländer indes zu verhindern: „Dr Zuch kütt!

Seit drei Wochen in Offenbach, schilderte Sylvia Beiser, stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei, Erfahrungen in der Fremde. Dazu bediente sie sich einer Erzählung ihres alemannischen Landsmannes Johann Peter Hebel. Seinem Protagonisten schlägt in Holland auf die Frage, wem denn dieses prächtige Haus gehöre und wer da zu Grab getragen werde, stets „Kannitverstan“ entgegen. Solche Verständnislosigkeit erlebte Beiser nicht; der Beifall war herzlich.

Er schloss die Musiker ein, die sich unter Wilfried Wenzels kundiger Bogenführung mächtig ins Zeug legten, oft mit Bezug zum gesprochenen Teil. So war der „Kaiserwalzer“ als Huldigung an den Conférencier deklariert. „Tulpen aus Amsterdam“ verleitete mit Vokaleinlage zur Schunkelrunde. Der „Radetzkymarsch“ machte das Pflaster zum Tanzparkett. „La Paloma“ kam dem Auditorium spanisch, ein anderes Stück böhmisch vor. „Froh und heiter“ hieß ein Titel, der aufs gesamte Programm zutraf.

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