Von Panthern und Ziegen

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Mit Plüschkamel und Lesepaten wie Helga Feuerbach machte die Lese- und Erzählkarawane Station im KOMM.

Offenbach ‐ Zu verhindern, dass Kinder zu viel Schädliches in die Köpfe bekommen, wäre recht einfach: bloß mal den Fernseher abschalten. Es besteht aber der Verdacht, dass dies in manchen Kreisen aus vielerlei Gründen vermieden wird. Von Stefan Mangold

Aber es gibt Hoffnung, folgt man Paula Kuhn, der Initiatorin von „Lecture Offenbach“: „Ich kenne viele Familien mit Migrationshintergrund, die sind sich des Problems sehr bewusst, sie wissen, dass oft nur Mist läuft und lassen den Fernseher nicht mehr ständig an.“ Stattdessen sollen sie Lesen und Vorlesen. Ziel von „Lecture Offenbach“ ist es, „Kinder so früh wie möglich an das geschriebene Wort zu führen.“ Der Begriff „Lese-Erzählkarawane“ bedeute, zu den Kindern zu kommen, auch in sozialen Brennpunkten. „Wir möchten keine Barrieren aufbauen“, sagt Paula Kuhn. Lesungen wie in Kindergärten und im Sommer am Main stehen an.

Wie der Panther ins Paradies kommt

Mit der „Lese-Erzählkarawane“ haben Paula Kuhn und ihre Mitstreiter am Freitagabend im Einkaufszentrum KOMM Station gemacht.

So sitzen etliche Kinder im Untergeschoss des KOMM neben einem Plüschkamel auf Kissen und hören für die relativ lange Zeit überraschend aufmerksam zu. Schauspielerin und Sprecherin Ilona Fritsch-Strauß liest ihnen die Geschichte „Der Panther im Paradies“ angenehm unprätentiös vor. Sie hören, wie der Panther in ein Paradies kommt, das jedoch stark einem Zoo ähnelt, und er sich mit einem strengen Reglement anfreunden muss; besonders weh tut ihm, nur noch Tofu essen zu dürfen, und so verschwinden nach und nach Mitbewohner...

Die Engagierten der „Lecture Offenbach“ legen Wert darauf, die Themen ihrer Geschichten dem kulturellen Hintergrund der meisten Kinder anzupassen.

Junge Ägypterin liest spontan Geschichte vor

Lesepaten wie Helga Feuerbach, Simon Isser, Reinhard Knecht, Stephanie Ludwig, Susanne McLamara, Yasmin Özer, Birgit Ruwe, Katja Werner und Richard Talib Vogltragen an diesem Freitag 15 Texte vor, die zum großen Teil die Lebenswelt in den Herkunftsländern der Eltern oder Großeltern der jungen Offenbacher mit nichtdeutschen Wurzeln berücksichtigen. Eine Geschichte heißt „Ziegen in Marokko sind Vegetarier“ (und es muss zur Sprache kommen, dass sie auch hierzulande keine Fleischfresser sind). Eine andere Geschichte hat den Titel „Fatma kommt mit“.

Anrührend wirkt die Szene, als sich die kleine Ägypterin Ouarda spontan auf den Schoß von Paula Kuhn setzt und mit dem Mikrofon in der Hand fließend den Text eines Bilderbuchs vorliest.

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