Wohnungseigentümer uneins über Bauqualität

Park im Mathildenviertel lässt auf sich warten 

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Provisorische Bauzäune sichern die Zufahrten von Gerber- und Mathildenstraße auf das Gelände, wo der Quartierspark entstehen soll.

Offenbach - Auf dem früheren Gelände des Autohauses Friedel ist seit Januar 2015 ein Wohnkomplex mit Supermarkt, Café und Tiefgarage. Jetzt regt sich dort Unmut. Ein Teil der Wohnungseigentümer verweigert dem Investor wegen Mängeln die Endabnahme. Von Rebecca Röhrich

Zudem stehen noch etliche Fragezeichen hinter einem versprochenen öffentlichen Park. Hinter dem „Karree 17“ an der Gerberstraße mit seinen 52 Eigentumswohnungen sieht es noch ausgesprochen trist aus. Ein Schuttberg türmt sich auf der linken Seite. Die Baustelle wirkt verwaist. Zwei der drei Zugänge zum Gelände sind lediglich mit Bauzäunen und provisorischen Absperrgittern gesichert. Bewohner klagen: Keine unüberwindbaren Hindernisse für Schüler, die sich dort herumtreiben; sie haben auch den Verdacht, dass dort Drogenhändler unterwegs sind. Auf der Baustelle gibt es manche Gefahrenstellen: Gerät der Fuß in einen der zahlreichen, ungesicherten Lüftungsschächte, kann dies übel enden. Außerdem halten die Absperrungen weder Tier noch Mensch davon ab, Blase und Darm zu leeren. „Im Sommer zieht der Gestank in unsere Wohnungen“, lautet eine Beschwerde. Ein Eigentümer aus dem vierten Stock berichtet, er habe sich ohne Erfolg ans Ordnungsamt gewandt.

Eigentlich hätte längst mit dem Bau eines kleinen, öffentlich zugänglichen Parks begonnen werden müssen. Das Projekt beruht auf einer nicht alltäglichen rechtlichen Konstruktion, welche die Verpflichtung von Bauherren nutzt, in ihren Anlagen Spielmöglichkeiten für Kinder herzustellen: 2012 kaufte die Stadt das Stück Boden dem Investor Schoofs Immobilien Frankfurt ab. Dieser wiederum pachtet es zurück und hat eine Tiefgarage errichtet. Sozusagen auf deren Dach will die Stadt einen kleinen Erholungsraum fürs Viertel einrichten, verspricht sich dadurch eine Aufwertung der Gegend in Nähe der Mathildenschule. Investor Schoofs muss sich finanziell beteiligen, in welcher Höhe ist nicht bekannt.

Ein Berg aus Bauschutt türmt sich vor der Zufahrt Gerberstraße. Lüftungslöcher klaffen ungesichert aus dem Boden.

Getan hat sich bisher nichts. „Es gibt keinen offiziellen Zeitplan“, sagt Marion Rüber-Steins vom Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Den Karree-Bewohnern, die größtenteils Eigentümer der Wohnungen sind, wurde das offenbar anders versprochen. „Der Investor hat immer davon geredet, dass es Anfang 2015 losgehen soll“, erzählt ein Bewohner. Tatsächlich liege die Baustelle praktisch brach, lediglich Arbeiten am Tiefgaragendach wurden registriert. Im Wohnkomplex werden sogar schon Zusammenhänge mit dem Auszug einer Bäckerei hergestellt, die es nur bis zum vergangenen November in einem Ladenlokal neben dem Supermarkt ausgehalten hat. „Vielleicht haben die fest mit Parkbesuchern und Eltern als Kunden gerechnet“, mutmaßt eine Frau aus dem zweiten Stock.

Stadt hat keinen Zugriff auf das Areal

Die Stadt hat momentan keinen Zugriff auf das Areal. So lange die Bauarbeiten auf dem Gelände von Schoofs Immobilien noch nicht beendet sind, liege die Sicherung des 2200 Quadratmeter großen Geländes beim Investor. Das erklärt Marion Rüber-Steins auf Anfrage unserer Zeitung. Der ebenfalls befragte Investor will davon aber nichts wissen und verweist auf die Stadt, die doch Eigentümer sei. Schoofs Immobilien sieht seine Arbeiten auf dem Gelände als beendet an. „Warum jetzt eine Absperrung notwendig sein soll, ist uns nicht klar“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Außerdem handele es sich nicht um eine Baustelle, „sondern um den künftigen Quartierspark“. Ähnlich unterschiedliche Auffassungen scheint es zwischen Investor und einigen der Wohnungsbesitzer im Karree 17 zu geben. So haben viele Käufer das Gemeinschaftseigentum lediglich unter Vorbehalt abgenommen. Von mindestens vieren ist bekannt, dass sie den Übernahmevertrag gar nicht unterschrieben haben.

Die Fliesen wackeln beim Betreten und sehen unschön aus.

Mängelliste einiger Eigentümer: Die Fliesen in den Laubengängen sollen von Anfang an unsauber verlegt worden sein. Es gebe undichte Fenster. Von einem grünen Innenhof mit beleuchteten Wegen, Sträuchern, Blumenbeeten und Pflanzschalen ist im Bauplan die Rede. Tatsächlich wächst dort aktuell, außerhalb der Gärten der Eigentümer, lediglich etwas Unkraut. Außerdem würden sich die Geräusche aus der Ladezone des Supermarkts fast im gesamten Gebäudeteil der Gerberstraße 16 verteilen. Die Betroffenen warten schon länger als ein Jahr auf die endgültige Behebung der Schallbrücken. Im November lief die Frist ab. „Schoofs Immobilien sind Meister in Nicht-Kommunikation“, sagt eine Bewohnerin des zweiten Stocks. Bei einer jungen Frau, die sich im ersten Stock eine Eigentumswohnung gekauft hat, ist die Unzufriedenheit so groß, dass sie überlegt auszuziehen. „Ein Jahr Wartezeit ist genug“, findet sie.

Vom Wattenmeer bis zu den Alpen - Deutsche Nationalparks

Als unsere Zeitung Ende vergangener Woche mit der Bitte um Stellungnahme auf die Firma zugeht, reagiert das Unternehmen hingegen schnell: Die Fliesen seien durch den Betrieb beim Einzug der Bewohner verrückt worden und „auf Stelzen verlegt, damit das Wasser in den Laubengängen abfließt“, heißt es in einem Schreiben dort. Außerdem „seien die Schäden behoben worden“. Der Innenhof sei „extensiv begrünt“, heißt dort weiter. Und: „Das Projekt ist für uns abgeschlossen.“

Das gilt offensichtlich auch für andere Wohnungseigentümer im Karree, die aufgrund unserer Recherchen vom Investor gebeten wurden, bei der Redaktion ihre Zufriedenheit mit der Arbeit des Unternehmens kundzutun. Einige machten dabei keinen Hehl daraus, dass sie im Fall einer Berichterstattung einen Wertverlust ihrer Immobilie befürchten. Die Miteigentümer, die sich beschweren, sehen das anders: „Die Mängel sind es, die den Wert verringern können, nicht die Berichterstattung darüber“, findet eine der Bewohnerinnen.

Die Situation treibt offenbar einen Keil zwischen die Eigentümer. Es wäre zwar unredlich, einen Zusammenhang herzustellen: Aber noch am Tag der Redaktionsnachfrage sollen wieder Arbeiter auf dem Gelände gesichtet worden sein.

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