Zu Messezeiten bewirtschaften Private den Parkplatz

Das Mainufer als Goldgrube: Pro Monat rund 10.000 Euro

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Seit Herbst kassiert die Stadt am Mainufer.

Offenbach - Im August vergangenen Jahres endeten die paradiesischen Zeiten, da am Offenbacher Mainufer rund um die Uhr kostenlos geparkt werden durfte. Nun sind tagsüber lediglich die ersten drei Stunden frei. Aber nicht immer: Bei Messen dürfen die Veranstalter ständig auf eigene Rechnung kassieren. Von Thomas Kirstein 

Gäste des jüngsten CDU-Neujahrsempfangs wie sonntägliche Besucher von Bewohnern der nördlichen Innenstadt bekamen es zu spüren: Es gibt Tage, an denen wird von der ersten Parkminute an eine Pauschalgebühr verlangt. Drei Euro waren an diesem Januartag an nette junge Menschen zu entrichten, die den Zugang bewachten und die Zahlung mit dem Parkschein einer Münsterer Agentur („Allerlei“) quittierten. Anlass für die Sonderregelung war die Messe „Bauen und Wohnen“ in den Hallen an der Kaiserstraße. Bei den östlich der Carl-Ulrich-Brücke vorhandenen 634 Parkplätzen, die am Wochenende fast durchweg mehrmals belegt gewesen sein dürften, stellte die Regelung ein gutes Geschäft dar. Die Höhe der verlangten Parkgebühr ist dem zeitweiligen Bewirtschafter freigestellt.

Im Verhältnis von Aufwand und Ertrag betrachtet, wird das Mainufer zur Goldgrube. Nach Abzug der Personalkosten und der an die Stadt zu entrichtenden Gebühr bleibt wohl ein schöner vierstelliger Batzen hängen. 500 Euro verlangt die Stadt für eine Ausnahmegenehmigung, das soll den Verwaltungsaufwand abdecken und den Ausfall von Park-Einnahmen kompensieren. Bis vor einem halben Jahr waren Messe- und Volksfestveranstalter noch mit der Hälfte dabei; zur Verdopplung entschloss sich die Stadt erst mit Eintritt der Gebührenpflicht. 2015 war der Mainuferparkplatz an elf Terminen dem Gebrauch zu üblichen Konditionen entzogen.

Als die Gebührenpflicht am Main im Herbst eingeführt wurde, sperrte sich zunächst die Software der neuen Automaten gegen die komplizierte zeitliche Staffelung. Seit das Nachrüsten erfolgreich war, klimpert es in der Stadtkasse. Laut Ordnungsamtsleiter Peter Weigand hat der Parkplatz bislang jeden Monat rund 10.000 Euro eingebracht. Gut angenommen wird die Möglichkeit, mit EC-Karte zu zahlen; 30 Prozent der Parker nutzen es. Die Frequentierung indes ist augenscheinlich zurückgegangen. Es fehlen die Dauerparker, die sich laut einer Studie von 2011 besonders aus Berufspendlern und Umsteigern auf die S-Bahn rekrutierten.

Organisierter Protest ist bislang nur aus Kreisen der dem Parkplatz nahen Hochschule für Gestaltung gekommen. Laut Peter Weigand hat Ordnungsdezernent Dr. Felix Schwenke das Schreiben unter anderem mit dem Hinweis beantwortet, dass eine Stadt unter dem finanziellen Schutzschirm des Landes ihren öffentlichen Parkraum nicht verschenken dürfe.

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