Parkhaus-Kunden geraten aus dem gewohnten Takt

+
Parkplätze in der Innenstadt sind rar. Die beiden Q-Park-Parkhäuser am Kleider-Frei und dem neuen Einkaufszentrum KOMM (Foto) garantieren kürzeste Wege, aber sicher nicht niedrigste Gebühren. Gerade wurden sie auf den 45-Minuten-Takt umgestellt, was viele Kunden als Kostenfalle ächten.

Offenbach - Klaus Baumgart beherrscht seinen Dreisatz. Das ist gut, weil es zeigt, dass man in der Schule doch was fürs Leben lernen kann. Und das ist auch ein bisschen gefährlich, weil solch angewandte Mathematik manchmal zu deprimierenden Ergebnissen führt. Von Marcus Reinsch

Baumgart ereilte diese Erkenntnis wenige Tage nach der Eröffnung des Offenbacher Einkaufszentrums KOMM am Kassenautomaten des angegliederten Citycenter-Parkhauses der Firma Q-Park.

Die Maschine auf der obersten Konsumtempel-Ebene verlangte von dem Mühlheimer 3,90 Euro für eine Stunde und 39 Minuten Parken. „Fand ich sehr happig“, sagt Baumgart. Und andere hätten noch ganz andere Worte gefunden, als sie ihre Parkkärtchen in den Schlitz steckten und vom Display zum Zahlen unerwartet hoher Beträge aufgefordert wurden. „Da kamen immer mehr Leute dazu, es entwickelte sich ein richtiges Palaver.“ Allein: Als die Menschenmenge den Mann in der gläsernen Pförtnerloge in die lebendige „Diskussion um die Preisgestaltung“ einbeziehen und um Aufklärung über eine vermutlich fehlerhafte Kassen-Programmierung bitten wollte, habe der gelassen zurückgepampt: „Sie können doch lesen, oder?

Diskutieren Sie zu diesem Thema in unserem Leserforum

Natürlich kann Baumgart. Aber er war, als er an der Einfahrtsschranke den Knopf gedrückt und sein Ticket gezogen hatte, im festen Glauben an den bisher üblichen Stundentakt nicht auf die Idee gekommen, unter der groß auf einem Schild vermerkten Preisangabe „1,30 Euro“ auch die in seinen Augen im „Kleingedruckten“ versteckte Bezugsgröße zu studieren - „je angefangene 45 Minuten“. Ergibt laut Dreisatz rund 1,73 Euro pro Stunde - und für den Kunden den Zwang, den Innenstadt-Bummel fortan wahlweise im Sauseschritt zu absolvieren oder in aller Ruhe die Kostenkröte zu schlucken.

Der Mühlheimer ist sauer. „Das Einkaufszentrum finde ich ja schön“, sagt er. Aber dass Q-Park bei den Gebühren Dreiviertelstunden-Sprünge mache, „während alle anderen Parkhäuser, auch in Frankfurt, stündlich abrechnen, das ist kundenunfreundlich.“ Hätte er‘s gewusst, hätte er seine KOMM-Erkundung zehn Minuten früher beendet und für eineinhalb Stunden 2,60 Euro bezahlt oder die für 3,90 Euro möglichen 135 Minten bis zum Schluss ausgekostet. „Aber so ist das ein Unding“, klagt Baumgart. Und einen Teil der Gebühren mit einem Einkauf in einem Geschäft verrechnen lassen, wie das an anderen Standorten üblich ist, das gehe im KOMM leider auch nicht.

Ab heute wird es wohl gehen. Q-Park-Geschäftsführer Thomas Grüttner hat auf Anfrage mitteilen lassen, dass es für Kunden des Tegut-Marktes im KOMM ab dem heutigen Donnerstag ab 20 Euro Einkaufswert 60 Minuten Freiparken gebe. Und „weitere Einzelhändler haben bereits Interesse signalisiert, für ihre Kunden Parkzeit zu vergüten.“

Lesen Sie zu diesem Thema heute außerdem:

Ein paar Euro für den Konsum retten

Für das andere Offenbacher Q-Park-Parkhaus im Kleider-Frei-Komplex an der Ecke Waldstraße/Bieberer Straße, mittlerweile ebenfalls ein Dreiviertel-Stunden-Parkhaus, weist das Internet bereits mehrere Partner aus. Neben Frei sind das das Modehaus M. Schneider und das Bettenhaus Kaiser. Für Kunden solcher Einzelhändler, betont Grüttner, „verändert sich nichts. In diesem Fall beginnt nach der ersten Stunde Freiparken die 45 Minuten-Taktung.“

Aus dem Rathaus heißt es außerdem, Q-Park verhandele momentan augenscheinlich mit Gastronomen und Ladenbesitzern am nahen Wilhelmsplatz über einen Gebühren-Bonus für deren Kundschaft. Eine willkommene Perspektive, weil die Stadt ohnehin schon „seit Jahren zu erreichen versuche, dass es eine Vereinbarung zwischen Geschäftsinhabern und den Parkhausbetreibern über die Erstattung von Parkgebühren gibt“, wie Pressesprecher Matthias Müller berichtet. Dass alle Offenbacher Parkhäuser privat betrieben werden, habe Vor- und Nachteile: „Einerseits gibt es eine Konkurrenz, andererseits sind Absprachen schwieriger.“

Beispielsweise über die Taktung. Ob die Q-Park-Kundschaft den Abschied vom Stunden-Takt als Gewinn für sich und nicht nur für den Betreiber sehen werden, muss sich erst herausstellen. Die Betreiberfirma glaubt fest daran, dass die Preiserhöhung in ihren Häusern - bisher waren es nur 1,50 Euro pro Stunde - unterm Strich Sparpotenzial hat. Geschäftsführer Grüttner: „Insbesondere Besucher mit niedriger Verweildauer erhalten so einen Preisvorteil. Diese Kundengruppe stellt einen wesentlichen Anteil der Einzelhandelsbesucher dar. Wer zum Beispiel 90 bis 120 Minuten parkt, spart 40 Cent zum bisherigen Preis ein.“

In Sachen Verweildauer gehen die Meinungen durchaus auseinander. Christiana Baudach beispielsweise, Chefin des Innenstadt-Gewerbevereins „Treffpunkt“, wäre über die Taktumstellung nicht nur gerne im Vorfeld informiert worden. Sie hält sie auch „für nicht gerade förderlich. Die meisten Menschen denken doch eher im Stundentakt.“

Einem Vergütungssystem stehe der Handel durchaus offen gegenüber. „Wir hatten das Thema immer mal wieder.“ Aber es gebe in Offenbach Parkhäuser mit verschiedenen Systemen, die in Sachen Erstattung und Abrechnungsmodus kaum unter einen Hut zu bringen seien.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion