Parkplatzproblematik rund ums Stadion

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Der Name hat sich geändert, die Problematik rund ums Stadion am Bieberer Berg nicht.

Offenbach - Den Zeitpunkt der neuerlichen Anfrage wählen die Unionschristen mit Bedacht: Pfeift der Schiedsrichter am Dienstag, 18. Dezember, 20.30 Uhr, das Pokalspiel der Kickers gegen Fortuna Düsseldorf an, wird es nicht nur auf den Tribünen eng, auch rund ums Stadion staut es sich. Von Martin Kuhn

Ausnahmezustand eben. Für die CDU ist’s ein programmiertes städtebauliches Versäumnis.

Nach Eleonore Glaesner (März 2011) und Roland Walter (Juni 2012) löchert CDU-Fraktionschef Peter Freier den Magistrat. Ein Dutzend Fragen listet er auf: An welchen Stellen sind Abstellplätze für Veranstaltungen im Stadion nunmehr genau ausgewiesen? Wie viele sind uneingeschränkt öffentlich zugänglich? Entspricht diese Zahl der gültigen Stellplatzsatzung der Stadt, wenn nein, weshalb nicht?

Freier begründet die Anfrage: „Leider hat sich herausgestellt, dass bei besonders attraktiven Veranstaltungen der Parkraum offensichtlich nicht ausreicht, um dem Andrang Herr zu werden; umliegende Wohngebiete werden intensiv zugeparkt.“

Wurden am Stadion die Parkplätze vergessen?

Sicher spielt mit, dass der Magistrat bisherige Anfragen äußerst knapp und aus Sicht der Union unzureichend beantwortet hat. Ein Beispiel zum vorherigen Fragenkatalog: „Es stehen sämtliche vorgesehenen Parkplätze bereits zur Verfügung.“ Dann heißt es zweimal sinngemäß: „Siehe vorherige Antwort.“ Klar, dass so etwas die größte Oppositionsfraktion nicht gerade befriedigt... Letztlich sind die lokalen Christdemokraten auf die Kernfrage zu reduzieren: Wurden am Stadion die Parkplätze vergessen?

Sicher nicht. Abseits politischer Befindlichkeiten beschränkt sich Regina Preis auf Zahlen. Die Sprecherin der Stadtwerke-Holding, über eine Tochtergesellschaft Bauherrin und Betreiberin der Sportstätte, listet Parkplätze für heimische Zuschauer auf: hinter der Stehplatztribüne 270, am B-448-Kleeblatt 1800, an der Y-Tangente 209, an der Goerdelerstraße 250, am Sportzentrum Wiener Ring 60 – teils für besonders wichtige Leute, teils unentgeltlich, teils gebührenpflichtig.

Ordnungsamt führt genau Statistik

Preis verweist zudem auf einen Service der ebenfalls zum Stadtkonzern gehörenden OVB: Kostenloser Bustransfer mit der Eintrittskarte (Slogan: Steigt ein, wenn ihr Kickers seid). „Besser geht es kaum.“ Tja, wenn da nicht die Gewohnheit und Bequemlichkeit der Berggänger wäre. Etliche haben nicht allein auf den Tribünen Stammplätze, sondern auch in umliegenden Straßen. Indes versucht das Ordnungsamt das Wildparken rund um den Waldpark einzudämmen.

Das Ordnungsamt ist bei allen Partien präsent, kontrolliert, ahndet und führt genau Statistik. Amtsleiter Peter Weigand sagt: „Dort ist es deutlich besser geworden.“ Seit gut zwei Jahren greifen verschiedene Maßnahmen – etwa das Absperren mit Baken. Aktuell liegen dem Amt keine Beschwerden vor. Ein Blick in die Saisonstatistik 2011/12: Mittwoch, 17. August (Oberhausen), 5675 Zuschauer, 14 Knöllchen, vier Fahrzeuge abgeschleppt; Samstag, 28. Januar (Chemnitz), 6407 Zuschauer, 32 Knöllchen; Samstag, 28. April (Saarbrücken): 9557 Zuschauer, 21 Knöllchen. Pro Verwarnung sind 5 bis 35 Euro fällig, das Abschleppen ist wesentlich teurer: etwa 200 Euro.

Alles weitere hätte das 25-Millionen-Projekt „Neu-Umbau“ (OB Horst Schneider) gesprengt. Die Maßgabe an Bauherr und Generalunternehmer lautete schließlich: Möglichst viel Stadion fürs Budget. Die Stadtwerke-Sprecherin: „Letztlich ist’s eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Rentiert es sich beispielsweise, wenn eine Tiefgarage am Stadion vorgehalten wird?“ Sie gibt zu bedenken: Die Zuschauerkapazität ist im Sparda-Bank-Hessen-Stadion von 25.000 auf 20.500 reduziert.

Die Zahl der ausgewiesenen Parkplätze ist Teil der Baugenehmigung; für die CDU kein Grund, nicht weiter nachzubohren. „Wir haben da erhebliche Zweifel.“ Selbst Vorgaben aus den 50er Jahren seien wohl nie erfüllt worden. Auch aktuell hat Peter Freier offenbar ein Ass in der Hinterhand: „Trifft es zu, dass aufgrund der offenen Frage der Stellplätze die angestrebte Vermietung im 3. Obergeschoss der Tribüne an ein Unternehmen im Bereich Fitness / Sportrehabilitation nicht möglich war?“ Und die Union sieht einen weiteren Engpass: Wird – was ja ausgemachter politischer Wille ist – endlich in Bieber-Nord gebaut, fallen dort zwangsläufig Parkplätze weg.

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