AfD-Verband in Offenbach

Nicht-Wähler angesprochen

Auch in Offenbach will sich ein Verband der neuen Partei „Alternative für Deutschland“ gründen. In Bürgel stellten die Mitglieder der ersten Stunde ihre Kernforderungen vor.

Offenbach - Zwei Dinge stellt er gleich zu Beginn klar: „Wir sind nicht anti-europäisch, aber Euro-kritisch. Und wir erteilen extremem Gedankengut jedweder Richtung eine klare Abfuhr. Das steht auch so in unseren Parteiaufnahmeanträgen. Von Harald H. Richter

Die Partei, die Hans-Joachim Kloepfeler meint, ist die „Alternative für Deutschland“ (AfD).

Sie schickt sich auch in Stadt und Kreis Offenbach an, dem politischen Farbspektrum eine weitere Nuance hinzuzufügen. Zur ersten Informationsveranstaltung am Mittwochabend in Bürgel sind zwar nur wenige Neugierige gekommen, das aber dürfte sich in nächster Zeit ändern. Davon ist der 65-Jährige, der auf lokaler Ebene den Aufbau dieser politischen Kraft vorantreiben möchte, fest überzeugt. „Bis heute hat die AfD bereits etwa 9 000 Mitglieder, und täglich kommen etwa 300 hinzu“, freut sich der Versicherungskaufmann mit Büro in Bieber. In Offenbach seien es derzeit 20 Mitglieder, im Kreis schon 120.

Politische Newcomer

Er wie die meisten Mitstreiter sind politische Newcomer – unzufrieden mit den etablierten Parteien hierzulande und enttäuscht über das, was auf EU-Ebene in Brüssel seit Beginn der europäischen Schulden- und Währungskrise über die Köpfe der Menschen hinweg, „aber zu deren Lasten“, entschieden wird. „Wir wollen ein Europa der Freundschaft, doch die Schwierigkeiten um die gemeinsame Währung spaltet unsere Völker“, klagt Kloepfel. Diese Krise habe viele Menschen davon überzeugt, dass die Altparteien zu einer nachhaltigen, transparenten und vor allem bürgernahen Politik nicht imstande seien.

„Wir formulieren Gegenvorschläge zu einer angeblich alternativlosen Politik, setzen auf demokratische Kontrolle, Transparenz und Bürgernähe. Es fehlt bisher am Willen, Entscheidungsprozesse, vor allem solche mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Bevölkerung, den Menschen begreifbar zu machen“, legt der Regionalbeauftragte den Finger auf den wunden Punkt.

Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und solide Finanzen für alle Staaten stellten erfüllbare Kernforderungen dar. Inhaltlich punkten möchte man jedoch nicht mit Aussagen „zu allem und zu jedem“. Zu den wichtigsten Themen, die den Leuten auf den Nägeln brennen, werde man aber sehr wohl Position beziehen.

Mehr Basisdemokratie gefordert

Das sind neben den genannten vor allem Bildung, Alterssicherung und Familie, Integration und Energiepolitik, vereinfachtes Steuerrecht (Kloepfel: „Das Kirchhoff-Model ist nicht das Schlechteste gewesen“) und mehr Basisdemokratie. Nach dem Motto: „Ja zu Volksentscheidungen von der niedrigen bis zur höchsten Ebene.“

Kluge Köpfe hätten sich zusammengetan. Doch trotz des akademischen Stempels, den man der AfD bereits kurz nach ihrer Gründung aufgedrückt habe, sei man eine „Graswurzelpartei“ mit Anhängern vor allem aus Handwerk und Mittelstand. Einig sind sich ihre Gefolgsleute in der Ablehnung von Rechtspopulismus, der in mehreren anderen EU-Ländern um sich greift und dort bei Wählern punktet. Jegliches Anbandeln mit Lobbyisten wolle man tunlichst vermeiden.

Angesprochen auf die Frage, woher sich das Wählerpotenzial der AfD speisen soll, hat Kloepfel sofort eine Antwort parat: „Aus dem Reservoire der Nicht-Wähler!“ Und das sei mit nahezu einem Drittel der Wahlberechtigten ganz erheblich.

Einen Mitgliederschub erwartet er in Verbindung mit dem für 5. Mai in Frankfurt geplanten Landesparteitag, zu dem das Aushängeschild der Alternative, der Hamburger Volkswirtschaftler Professor Dr. Bernd Lucke, erwartet wird. Drei Wochen später folgt ein weiterer Parteitag auf Landesebene, bei dem die Kandidatenliste für die Landtagswahl am 22. September verabschiedet werden soll.

„Irgendwann zwischen diesen beiden Ereignissen werden wir die offizielle Gründungsversammlung unserer Partei auf örtlicher Ebene terminieren“, stellt Kloepfel in Aussicht. Er selbst strebt jedoch im Offenbacher Verband kein Amt oder Mandat an. Denn wie es aussieht, wird Kloepfel in den nächsten Monaten entscheidend in die Organisation des Landtagswahlkampfs eingebunden sein.

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