Passend zur Dürre auf Laufsteg den Laken-Look kreiert

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Radio-Mann Rob Green war nicht nur von den TVO-Volleyballerinnen umschwärmt.

Offenbach - Wer gestern seinen freien Sonntag in der Stadt verbringen wollte, musste die obligatorische Frage „Was machen wir heute?“ umkehren in: „Was lassen wir heute weg?“ Von Silke Gelhausen-Schüßler

Zum Höhepunkt der Offenbacher Woche gab es in der Innenstadt ein derart riesiges Unterhaltungs- und Shoppingangebot, dass sich der ein oder andere Besucher schon fast überfordert fühlte. Von 11 Uhr bis in die Abendstunden konnte man von Aliceplatz bis Ziegelstraße seinen Vergnügungs- und Shoppinggelüsten freien Lauf lassen. Wem das noch nicht reichte, der stattete zusätzlich dem Volksfest am Main einen Besuch ab.

Ein bisschen verwöhnt sind die Kunden allerdings noch vom verkaufsoffenen Sonntag am 2. Januar. Da konnte man in den Parkhäusern seine Blechkarosse unentgeltlich deponieren, nun sind pauschal drei Euro fällig, was zum sonst üblichen Tarif immer noch sehr günstig ist. „Der ein oder andere fragt aber nach, ob er beim Einkauf das Ticket erstattet bekommt“, sagt Eva Hempel vom Runner’s Point im KOMM. Der Laufladen hat seine Maximalbesetzung von vier Mitarbeitern für jede Verkaufssparte ins Rennen geschickt, auf dem Laufband testet bereits eine Kundin die neuen Schuhe.

Bilder der Offenbacher Woche

16. Offenbacher Woche

Kunden wie Benjamin Woch sind auf soviel Personal wohl nicht angewiesen, er und seine Frau Marta haben wenig Kauflust. Er stöbert in den Buchauslagen bei Thalia: „Wir sind mehr aus Langeweile hier und wollen nur eine Blume kaufen.“ Der Kommentar des Programmierers zum Trubel drumherum: „Ist ganz schön aufregend.“ Als Hamburger, der erst seit einem Jahr in Offenbach lebt, erschüttert ihn das aber wenig.

Vorm KOMM glänzt der Aliceplatz in Weiß, Silber und Schwarz. Sechs verschiedene Händler stehen auf der Automeile, Magnet ist ein Audi A6 für 54 670 Euro, Männer fortgeschrittenen Alters diskutieren mit ernsten Gesichtern Preis und Leistung. Giovanni Savasta vom Seat-Autohaus ist zufrieden: „Ich habe schon sehr nette Gespräche geführt, das Interesse ist sehr gut.“

Wer auf gute Musik steht, braucht seinen Platz vor der Stadthof-Bühne acht Stunden lang nicht zu verlassen – er wird mit Jazz der Red Hot Beans und Country-Music von Arizona bestens versorgt.

Wer nebenbei aber shoppen will, hält sich in der Nähe des Musikhauses André auf. Dort spielen die Werkstatt-Band der Jazz-Session Offenbach und Los Amigos Latin, Salsa, Reggae und Hiphop. Wer Feuer gefangen hat, kann auch gleich das E-Gitarren-Einsteiger-Paket ab 129 Euro erwerben.

Begeisterter Applaus in der Frankfurter Straße. Christa aus Düsseldorf moderiert auf dem zwölf Meter langen Laufsteg gleich dreimal am Nachmittag eine 40-minütige Modenschau für Galeria Kaufhof, M. Schneider, Jack Wolfskin und Neues Bettenhaus.

Ihren Unterhaltungswert verdankt die Schau auch dem facettenreichen, rund 20 Personen zählenden Modelgrüppchen, das genauso bunt gemischt ist wie sein Publikum: Kleinkinder, reifere Damen „Ü 50“, Castingsieger und Profis, alles ist vertreten.

Ein echter Hingucker ist außerdem die kunstvoll an ihre Trägerinnen ver- und gewickelte Bettwäsche, die in ihren Formen an die Kleidung wüstentauglicher Völker erinnert - wird der Laken-Look vielleicht im Anbetracht der seit drei Monaten anhaltenden Dürre gar ein neuer Modetrend?

Ihren Ursprung hat die 16. Offenbacher Woche übrigens in der S-Bahn-Eröffnung anno 1995. Inzwischen ist sie jedes Jahr eine gute Gelegenheit, den wirtschaftlichen Standort darzustellen und Frequenzen zu schaffen. Der gestrige Tag hat wieder einmal bestätigt, dass die Idee eine richtige war.

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