Pate für eine Schneiderei

Offenbach ‐  Für ein gutes Essen ist man gern bereit, gutes Geld zu zahlen. Und für einen guten Zweck sind ebenfalls viele willens, das Portemonnaie zu öffnen. Was liegt also näher, als beides in Einklang zu bringen? Für diesen speziellen Fall haben sich zwei gefunden, die sich nicht allein in Sachen Ernährung gut verstehen: Bäcker Günter Hoffmann und Koch Claus Fischer. Von Martin Kuhn

Gemeinsam richten sie am Samstag, 5. Juni, 18 Uhr, ein Charity-Essen aus im Sterne-Kochclub Deutschland (Gerhard-Becker-Straße 15). Kosten pro Person: 80 Euro inklusive Getränke. Der Erlös fließt einem Hilfsprojekt in Nepal zu, das der Mühlheimer Hoffmann seit Jahren unterstützt – der Shree Mangal Dvip School. Auf der Menükarte stehen an dem Abend natürlich Rezepte aus Südasien, leicht abgewandelt für den europäischen Gaumen; sprich: Es fehlt die besondere Schärfe, die der dortigen Küche eigen ist.

Da unterstützt also ein Bäcker und Konditor aus der Mühlenstadt eine Schule im gut 6800 Kilometer entfernten Nepal. Das hört sich nach einer interessanten Geschichte an. Ist es auch. Diese erzählt Günter Hoffmann auch am 5. Juni sicher auszugsweise. Der Anfang ist jedenfalls leicht gemacht. Sie beginnt damit, dass Hoffmann in jungen Jahren jemand ist, der in die Rubrik „Rucksack-Tourist“ fällt.

1985 ist der Mühlheimer das erste Mal in Indien: „Ein alter Kindheitstraum von mir. Ich wollte einmal den Himalaya sehen.“ Es ist mehr geworden als eine Stippvisite, ein Interesse, manch’ einer würde sagen eine Liebe, zu einem Kontinent, der voller Widersprüche ist, aber gleichzeitig eine packende Faszination ausübt. Mittlerweile ist Günter Hoffmann 17 Mal auf dem Subkontinent gewesen: Indien, Pakistan, Nepal; immer mit dem Rucksack, mitunter mit dem Fahrrad. „Da kriegt man einen engen Kontakt mit der Bevölkerung.“ Und das zieht Hoffmann jedem Pauschalurlaub vor.

Mit den Jahren sagt er: „Ich habe dort so viel erlebt, so viele gute Erfahrungen gemacht – da wollte ich etwas zurückgeben.“ Da er persönliche Patenschaften, wie sie weltweit vermittelt werden, ablehnt, findet der Bäcker einen anderen Weg. „Per Zufall“ entdeckt er in der Hauptstadt Kathmandu eine Schule, die an ein Kloster angegliedert ist. Dort kommen Kinder unter, die in dem ärmsten Land Asiens nicht auf die staatlichen Einrichtungen können oder dürfen. Allerdings unterstützt Hoffmann nicht die ganze „Shree Mangal Dvip“, die Schule und Kinderheim gleichermaßen für bis zu 540 Kinder ist.

Der Konditor finanziert mit gesammelten Spenden eine Schneiderwerkstatt an der Schule, die anfangs nicht so recht lief. Die Schneiderei mit ihren Mitarbeitern sorgt dafür, dass die Schüler Kleidung und Bettwäsche haben. Mit einem regelmäßigen Obulus läuft’s inzwischen. Gern wird er als „Pate“ bezeichnet, wichtig ist für ihn jedoch: „Wir bringen keine unserer Altkleider-Sammlungen nach Nepal.“ Und Claus Fischer, der mit dem Verein Monte Redondo ein ähnliches Projekt im südamerikanischen Kolumbien fördert, ergänzt: „Dort wird Bildung transportiert; klassische Hilfe zur Selbsthilfe. Das unterstützen wir.“

4500 Euro beträgt der Jahresetat der Werkstatt, Hoffmann hat sich zum Ziel gesetzt, ihn jedes Jahr zusammenzubringen. Nun soll das Charity-Essen im Sterne-Kochclub Deutschland helfen. Hoffmann, der auf Freunde an den Kochplatten baut, bereitet unter Aufsicht (und Hilfe!) von Profi Claus Fischer unter anderem zu: Kichererbsen-Klößchen in scharfer Soße, Möhrenhalwa, Lamm in Spinatsauce, Fisch in Joghurtsauce, scharfes Maisgemüse, Senfbohnen, Fünf-Linsen-Dal, Teeparfait und Apfel-Walnuss-Kuchen (über den Hoffmann sicher eine nette Anekdote beisteuern kann).

Wer jetzt Appetit bekommen hat und die nepalesische Schneiderei unterstützen will, meldet sich an unter Tel.: 06108 / 74575 oder 069 / 83835887.

Rubriklistenbild: © pixelio/ Joachim Berga

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