Patengroßeltern gesucht

Offenbach - Nicht jedes Kind hat Großeltern in der Nähe. Selbst wenn, haben die manchmal keine Lust und Energie, um mit dem Nachwuchs zu spielen oder sich Kinderfilme im Kino anzuschauen. Von Simone Weil

Und doch finden es viele Jungen und Mädchen schön, wenn da außer den Eltern noch jemanden ist, der mit ihnen Zeit verbringt. Immerhin gibt es Unternehmungen, die mit Opa oder Oma einfach mehr Spaß machen. Weil es nicht nur Kinder ohne Großeltern, sondern auch ältere Menschen ohne Enkel gibt, verfiel man beim Caritasverband Offenbach auf die Idee, beide Seiten im Projekt Patengroßeltern zusammenzubringen. Davon sollten alle profitieren.

Wie sich herausgestellt hat, ist die Begegnung zwischen den Generationen für alle eine Bereicherung. „So hatten wir uns das auch vorgestellt“, sagte Carolin Bär, die die im Frühjahr 2009 gestartete Initiative betreut. „Die Patengroßeltern sollen keine Babysitter sein“, stellt sie klar.

Derzeit gibt es fünf solcher Partnerschaften - darunter sind auf seiten der Ersatzgroßeltern zwei Ehepaare. Zu den Patenomas gehört auch Annemarie Lücke, die selbst keine Kinder hat. Die 62-Jährige, die seit zwei Jahren im Ruhestand ist, hat nach einer sinnvollen Beschäftigung gesucht und so den siebenjährigen Sam kennengelernt.

Nachwuchs reagiert positiv auf ältere Menschen

Mit ihm unternimmt sie viel: Sie gehen auf den Spielplatz, Eis essen, ins Kino, in den Zoo und ins Senckenbergmuseum. Doch die Patenoma sitzt mit dem Grundschüler auch auf der Erde und spielt mit den Playmobilfiguren. Meistens sehen sie sich einmal die Woche. „Das ist einfach schön“, meint die frühere Mitarbeiterin der Offenbacher Verkehrsbetriebe.

Allerdings sei man sich auch von Anfang an sympathisch gewesen, erinnert sie sich. Und nach den ersten Anlaufschwierigkeiten seien Sam und sie sich schnell näher gekommen. Inzwischen habe er einen festen Platz in ihrem Leben, sagt Annemarie Lücke. Weil ihr der Kontakt zum Nachwuchs so großen Spaß macht, arbeitet die Ersatzoma ehrenamtlich auch noch in der Bücherei der Uhlandschule in Bürgel. „Man wird einfach immer mit etwas anderem konfrontiert, das ist am Umgang mit Kindern so spannend“, findet sie.

Carolin Bär hat schon mehrfach von Eltern gehört, dass diese bemerkt hätten, wie positiv ihr Nachwuchs auf ältere Menschen reagiert. Dies sei dann für sie der Ausgangspunkt gewesen, sich beim Caritas zu melden, erzählt die Projektbetreuerin. Sie stellt den Kontakt zwischen Eltern und Patengroßeltern her und ist auch beim ersten Treffen dabei. Wenn die Chemie stimmt und die Beteiligten Vertrauen gewonnen haben, werden Art und Weise und Häufigkeit der Treffen vereinbart. Manchmal kommt so noch Familenanschluss zustande. Sams Patenoma beispielsweise wird auch zu Geburtstagen und an Feiertagen eingeladen.

Auf Eventualitäten kann man sich nicht vorbereiten

Regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit anderen Patengroßeltern stellt sicher, dass niemand mit Fragen und Problemen alleine bleibt, gegebenenfalls sind auch Schulungen möglich. Darüber hinaus ist Carolin Bär für die fachliche Begleitung zuständig.

Doch auf alle Eventualitäten kann man sich nicht vorbereiten, wie Annemarie Lücke inzwischen weiß: Denn neulich ist Sam ihr im Ringcenter abgehauen, ein anderes Mal sogar in den Friedrichsweiher gefallen. Doch in solche Situationen können echte Großeltern auch geraten. Das weiß die ehrenamtliche Oma aus den Gesprächen im Freundeskreis.

Anfragen von Familien, die auf der Suche nach Großeltern für ihre Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren (darunter auch Geschwister) sind, hat Carolin Bär bereits eine ganze Menge, doch die Patenomas und -opas machen sich noch rar. Deswegen möchte sie gerne noch weitere Interessenten gewinnen. Über jede einzelne Vermittlung freut sie sich. Vor allem, wenn sie vielleicht einer Alleinerziehenden aus einem anderen Kulturkreis zu deutscher Ersatzverwandschaft verhelfen kann.

Deswegen bietet die Caritasmitarbeiterin Infoveranstaltungen an. Am Dienstag, 14. Dezember, von 19 bis 20 Uhr, und am Donnerstag, 16. Dezember, von 14.30 bis 16 Uhr, im Caritashaus St. Josef, Kaiserstraße 69. Kontakt: Carolin Bär, Tel. 0151 25135418.

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